Als die Große Krise in den 30er Jahren die freie Welt beutelte, pilgerten Scharen …

Ostfriese, Freitag, 09.02.2024, 17:38 (vor 18 Tagen) @ MausS2870 Views

Hallo MausS

Mir fällt gleich gar kein Gleichnis für dererlei Ablehnung jedes ernsthaften Nachdenkens ein.

Ratet [[motz]] mal schön weiter. Bloß nicht denken dabei... [[wut]]

So geht's dahin...

Vielleicht ist es ja nur die zunehmend fehlende Bereitschaft der Auseinandersetzung mit dem machtbasierten Debitismus.

Ich erlaube mir, auf Paul C. Martin, Gunnar Heinsohn und Otto Steiger als einstige Denkergrößen dieses Forums in dottores Faden über Dr. Felix Somary hinzuweisen.

https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=13693 Re: Oldy! BACK TO THE BRAIN, alter Freund! Der Generationenkampf kommt bald! verfasst von dottore, 17.09.2000, 12:24

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xxxxx Das Ende des Kommunismus vorauszusagen war pseudo-prophetisch, denn
Fehler im System hätten schon damals erkannt werden können.

So ist es leider nicht ganz. … von westlichen Intellektuellen nach Moskau, um zu lernen, wie man richtig wirtschaftet. Es wurden sogar große Interviews mit Stalin geführt, z.B. von H. G. Wells.

Als "Fehler im System" des Kommunismus wurde immer nur die nicht vollkommene Planwirtschaft bezeichnet. Und dass der Markt es eben besser richten könnte als noch so viele Planbürokraten. Siehe dazu Hayek, Eucken, Röpke, um nur den deutschen Sprachraum abzudecken. Es hieß Marktwirtschaft sei besser als Planwirtschaft und deshalb sei unser System dem sozialistischen überlegen. Von der größeren "Wahlfreiheit" des Konsumenten mal ganz abgesehen.

DAS IST ABER GANZ FALSCH!

Den "Fehler im System" haben m.W. zum ersten Mal in den 70er Jahren Heinsohn und Steiger entdeckt in ihrem bahnbrechenden Aufsatz "Sicherheit und Unsicherheit in Sozialismus und Kapitalismus" (erschienen in der Zs."Leviathan"; habe mein Ex. leider verlegt). Da fand ich zum ersten Mal den Schlüssel zur Erklärung der "Überlegenheit" des westlichen Systems.

Er heißt "Liquiditätsdruck". Der ist im Kapitalismus ununterbrochen vorhanden, denn in diesem System gehts nur um die Frage: Wird bezahlt oder nicht.

ÜBRIGENS DIE EINZIGE FRAGE, DIE IN DER GESCHICHTE EINE ROLLE SPIELT - alles andere leitet sich davon ab.

Heinsohn/Steiger haben dazu weit ausgeholt (Entstehen des Kapitalismus mit dem freien Lohnarbeiter nach den englischen Lollardenaufständen im 13. Jh. bis hin zu Lech Walesa und dem Wiederentstehen des freien Lohnarbeiters auf den Danziger Werften).

Das interessanteste Beispiel aber war der Vergleich DRESDEN / HIROSHIMA. Beide 1945 auf Null gebracht. Aber 40 Jahres später war Hiroshima eine blühende Stadt, Dresden immer noch eine Ruine. Warum nur!

Es geht immer nur um Druck. Existiert er, kommt es zu Leistung, fehlt er, entfällt sie.

Daraus habe ich dann die DEBITISMUS-Theorie entwickelt: Gewirtschaftet wird immer nur unter Druck. Das kann nur der Existenzdruck (Urschuld) sein, den auch Stammes- oder Feudalgesellschaften kennen (wer verhungert schon gern freiwillig). Aber richtig virulent wird das Ganze durch den Liquiditätsdruck, der sich aus Kontraktschulden ergibt, die - und das definiert ja Schulden - schließlich Fälligkeiten haben. Die Fälligkeit ist der Dreh- und Angelpunkt des kapitalistischen Systems, alles andere ist abgeleitet bzw. temporäre Nebensache (Gier, Großmannssucht, Genusssucht, Getue, Gehabe bis hin zur Megalomanie).

ist das hingegen viel schwerer, weil hier die Ur-Antriebskraft des Menschen
zum Tragen kommt.

Die Ur-Antriebskraft ist zunächst nur der nackte Überlebenswille, weshalb es besonders lehrreich ist, sich die immer wieder häufenden Fälle von Suizid aufgrund von Überschuldung (= ausweglose Lage) vor Augen zu führen. Kürzlich in der FAZ ein langes Stück über einen argentinischen Gutmenschen und Herzchirurgen, beliebtester Mann im Lande. Abgang per Suizid. Ich dachte beim Lesen zuerst, aha, der Mann hat als Arzt erkannt, dass er unheilbar krank ist, usw. Dann - mitten im Artikel - aber kam die entscheidende Stelle: Der hoch berühmte und hoch angesehene und sicher auch hoch anständige Mann schied aus dem Leben, weil seine Klinik überschuldet war.

Oder falls ein Finanzier gewünscht wird: Ivar Kreuger, der "Zündholzkönig", der sich in Paris erschoss, als sein Imperium unter der Schuldenlast zusammenbrach (Näheres dazu und die Shorts, die ihn durch Insiderwissen vom Tod Kreugers reich machten, beim großen Kostolany nachzulesen).

Und jetzt die Frage aller Fragen:

Inwieweit man diese jemals in den Griff ohne Jüngsten Tag bekommen will, ist mir allerdings schleierhaft.

Dem Existenzdruck entkommen wir nie. Der Überschuldung können wir entkommen, indem wir sorgsam wirtschaften. Das gilt für den einzelnen.

Inzwischen haben wir aber ein CpD-Konto namens Staat entdeckt, in den alle Existenzängste (Sozialhilfe usw.) und Überschuldungen (Holzmann usw.) abgeladen werden. Das tut zunächst gut, denn es ist ja "sozialer" jemandem zu helfen als ihn in der Gosse liegen zu lassen. Das Soziale wird aber nicht gleichzeitig von denjenigen abgebucht, die "was haben", sondern die will man als Politiker nicht verprellen und ergo werden die sozialen Großtaten per Staatsverschuldung ein- und hochgebucht.

So haben alle was: Die einen (armen Schweine) kriegen ihr Geld sofort, die anderen (Staatstitelinhaber, die das Geld zur Finanzierung der sozialen Großtat vorgeschossen haben) kriegen ihr Geld auch, nur später und dazu die Zinsen.

Also wer zahlt? NIEMAND!

So sind wir durch die Perversion des Staatsgedankens weltweit in eine Mega-Überschuldung geraten, aus der kein Weg mehr herausführt (es sei denn, mein Vorschlag: Ausbuchung der Staatsverschuldung inkl. natürlich Streichung der gleich hohen Guthaben).

Noch funktioniert das Ganze, wie bei jedem Bankrott, der ja nicht am Anfang der Tragödie steht, sondern immer ihr Ende ist. Wie lange sich die Staatsschulden hochbuchen lassen, ist offen. Hängt ab vor allem von der Gutmütigkeit des Publikums, das sich zumeist sagt: Ach, bei mir gehts noch gut, und danach die Sintflut.

Der Kapitalismus ist längst keiner mehr, denn ihm fehlt der systembedingende gnadenlose Zwang zur Vollstreckung. Der fehlende Zwang mag zwar "human" erscheinen, ist es aber in Wahrheit mitnichten. Denn eine immer weiter vorgetragene Rechnung wird nicht dadurch kleiner, dass sie vorgetragen wird.

Meine jüngste Tochter ist 14. In 30 Jahren muss sie - nur zur Bedienung der Renten, der Beamtenpensionen und der Zinsen auf die bis dahin aufgelaufene Staatsschuld - monatlich ca. 10.000 Mark aufbringen. Wird sie das tun? Natürlich nicht. Schon allein deshalb nicht, weil sie es gar nicht kann. Denn sie wird dann - die heutigen Gehaltsentwicklungen und Inflationsraten hochgerechnet - in einem normalen mittleren Beruf bestenfalls 18.000 Mark im Monat verdienen. Brutto. Und ihr Mann muss ebenfalls 10.000 Mark aufbringen.

Und - oh Wunder von Mathematik und Zinseszins! - jedes ihrer beiden Kinder auch. Denn das mit den 10 Mille ist eine Pro-Kopf-Rechnung!

So siehts aus, lieber Freund. Aber bis es so weit ist, deckt uns beide längst der kühle Klee. Nur sollten wir fairerweise nicht nur immer an uns denken, sondern auch an die, die nach uns kommen. Und diese folgende Generation (oder auch die übernächste) wurde so betrogen wie noch nie eine Generation vor ihr in der Weltgeschichte.

Du, Oldy, solltest Dich vor Deinen Kindern und Kindeskindern genauso schämen, wie ich es tue (wobei ich mir immer noch zu Gute halten kann, in dutzenden von Büchern und Artikeln dagegen angeschrieben zu haben; es war - natürlich - umsonst).

Aus dem "Generationenvertrag" wird also über kurz oder lang ein Generationenkampf, wie ihn die Geschichte auch noch nie erlebt hat.


O.

d.

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Das

Klingt hoffnungslos, und ist es auch immer mehr.

ist nur einer untergehenden Weltsicht geschuldet, die aber überwunden werden kann.


Nichtsdestotrotz freundlich grüßend

MausS

Ebenso und Gruß - Ostfriese


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