Niemand hat die kleinbäuerliche Landwirtschaft zerstört

Mephistopheles, Datschiburg, Dienstag, 05.01.2021, 17:05 (vor 55 Tagen) @ Durran1978 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Dienstag, 05.01.2021, 17:19

Leider sind die Strukturen dahingehend nach dem II. Weltkrieg schrittweise zerstört worden. die kleinbäuerliche Landwirtschaft, dezentrale Versorgung wurde sowohl in West - als auch Ostdeutschland zerstört.

Niemand hat die kleinbäuerliche Landwirtschaft zerstört außer den Kleinbauern selber, die sich ausrechneten, dass sie als Industriearbeiter mit einem geregelten Arbeitstag und Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung ein Mehrfaches dessen verdienten, als sie mit ihrer Landwirtschaft jemals erwirtschaften konnten. Niemand hat die Kleinbäuerle auch dazu angehalten, sich von ihrem ersten Industriearbeiterlohn einen für ihre paar Tagwerk` völlig überdimensionierten Traktor zu kaufen, den sie aus dem Ertrag ihrer Landwirtschaft niemals hätten leisten können, den ihnen aber die Raiffeisenbank gerne finazierte, weil ja Grund und Boden und Arbeitslohn (Bonität&Liquitität) vorhanden war. Niemand hat die Kleinbäuerle auch angehalten, sich in den Gemeinderat wählen zu lassen, womit sie dann ihr Ackerland in Bauland umwandeln konnten und die Parzellen dann als Baugrundstücke verkaufen konnten, von dessen Ertrag sie sich dann schloßähnliche Höfe finanzierten, was die Landwirtschaft niemals abwarf.

Die Grundstücke selbst sind viel zu klein. Aus großen Streuobstwiesen wurde Bauland und auf den Gemüsegaten wurde eine Garage gebaut. Ist auch kein Problem, es gibt alles preiswert und zu jeder Jahreszeit im Überfluss.

Es wurde nicht Bauland, sondern das haben die in den Gemeinderat gewählten Bäuerle so ausgekungelt.

Ich hatte letztes Jahr mal einen kleinen Acker, etwa 1000qm gepachtet. davon etwa 500qm Kartoffeln angebaut. Zuerst kauft man teuer die entsprechenden Pflanzkartoffeln. Dann Umgraben, Einpflanzen, Unkraut bekämpfen, Gießen, Kartoffelkäfer einsammeln, später dann biologisch bekämpfen, die Kartoffeln ernten und frostfrei einlagern. Alles mit den Händen und einer Hacke.
De Ertrag waren ca. 300 Kg Bio Kartoffeln. Alles für den Eigenbedarf der Familie. Kostenmäßig komme ich auf etwa 150€ incl. Pacht. Körperlich sehr anstrengende Arbeit bei Hitze und Staub.

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Ich habe noch etwa 20 Hühner einer Fleischrasse. Ich vermehre die Hühner selbst, so dass wir im Jahr etwa 10 - 15 Hühner schlachten können und insgesamt etwa 3000 Eier zur Verfügung haben. Futter, Wasser und etwas Kleinkram kosten auch ca. 150€.
Es gibt aber nur Mais, Getreide und Brot und Gartenabfälle. Die Hühner fressen so ziemlich alles.

Aus dem Gewächshaus gibt es Gurken, Tomaten, Paprika, Salat, dazu noch aus dem Freilandanbau.

Ich habe 2 große Scheunen mit entsprechenden Stallungen für Rinder oder Schweine. Derzeit ungenutzt. Es gibt noch etwas Günland.

Nicht einmal mit Solarzellen gepflastert? Die neue Altersversorgung für die Landwirte nennt sich doch EEG.

Also es ist nur mehr Idealismus. Aus finanziellen Gründen bauch man sowas nicht anfangen. Zeit hat man sowieso nicht so richtig dafür. Man muss es als Hobby betrachten.

Aber wer hat noch entsprechende Immobilien zur Verfügung? Den großen Garten oder einen ordentlichen Stall? Wo sind die ganzen alten Backhäuser in den Dörfern denn geblieben, wo sich alle Brot und Kuchen selbst backen konnten? Die kleinen Mühlen oder Molkereien, Schlachthäuser oder Dorfmetzger.

Diese ganze dezentrale Infrastruktur ist weg. Früher konnten sich die Leute in wirklichen Krisen sehr gut selbst helfen.

Das können sie jetzt nicht mehr, haben sie sich aber selber eingebrockt.

In den Dörfern hatte jedes Haus noch Stallungen, Scheunen oder eine kleine Ackerscholle.

Und es gab keine Siedlungen.

Wird in Krisenzeiten schwierig.

Nicht nur schwierig, sondern praktisch unmöglich (diesen legendären Link kann man nicht oft genug bringen, weil er sich offenbar noch immer nicht in allen Hirnen verankert hat), es sei denn per Kommandowirtschaft. Wo sich die Leute selbstverständlich demokratisch für entscheiden werden.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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