Erneut ausführlich zu Staat, Geld und Zentralbank

Hardy, der Student, Freitag, 09.10.2020, 11:15 (vor 669 Tagen) @ BerndBorchert2587 Views

Sicherlich gibt es bei der ZB eine Position "Notenumlauf", aber warum sollen das Schulden beim Staat sein?

Nicht sicherlich, sondern sicher:

https://www.snb.ch/de/iabout/snb/annacc/id/snb_annac_balance

Passiven, erste Position.

Schulden aus Notenemission können es nicht sein, das wurde bewiesen, die entsprechenden Beispiele sind wir durchgegangen (siehe auch weiter unten).
Also müssen es andere Schulden sein, nicht diejenigen, die die "Zettel" haben, sind Gläubiger der ZB, es muss einen andern Gläubiger geben.
Wenn die "Zettel" keine Banknoten sind, dann müssen sie etwas anderes sein.

Nehmen wir einfach mal an, dass es Staatsgeld ist.
Erstmal ist das nur eine Annahme, eine Annahme, die es zu überprüfen gilt.

So geht Forschung.

Mach es doch einfach mal, weigere Dich doch nicht. Weder stürzt der Himmel ein, noch kommt der Teufel aus der Hölle und holt Dich.

Angenommen, es ist wirklich Staatsgeld, Geldscheine, die der Staat einfach so gedruckt hat.
Unter welchen Umständen würden der ZB dann Schulden entstehen?

Die Antwort ist doch einfach: Wenn die ZB es als Kredit erhält.

Hardy, Du kannst für Dich bei der Rolle des verkanntes Genies bleiben, aber Du wirst verstehen können, dass ich Dein Modell für falsch halte, weil wesentliche Postulate nicht mit der Realität übereinstimmen, Beispiel Existenz eines Kredits Staat -> ZB. Damit sind auch alle Folgerungen aus dem Modell zweifelhaft.

Missverständnis, ich halte mich nicht für ein Genie, nichts liegt mir ferner.
In meinem Beispiel ging es mir um die Umstände, nicht um die Personen.

Noch hältst Du es für falsch.
Die Postulate stimmen mit der Realität überein, sie stimmen lediglich nicht mit der offiziellen Darstellung überein.

Wenn die Obrigkeit keine richtige Darstellung gibt, wenn wir etwas beobachten, was mit dieser Darstellung nicht in Einklang zu bringen ist, dann empfielt es sich, nachzuforschen.

Jordan, Chef der SNB, auf offener Bühne:
Die SNB emittiert Banknoten. Wir zeigen in unserer Bilanz einen Notenumlauf.
Wenn ihr mit einer Hunderter-Note zu uns kommt, dann geben wir euch nichts, wenn ihr es wollt, dann geben wir euch zwei Fünfziger Noten.

Eine Aussage muss falsch sein.

Entweder emittiert die SNB Banknoten, dann muss sie uns auch etwas anderes als Banknoten dafür geben. GZ müsste sie uns in diesem Fall dafür geben, Schweizer Franken, die Banknoten selber wären natürlich keine Schweizer Franken. So, wie es bei der alten SNB war, als sie noch eine Notenbank war.

Oder die SNB zahlt etwas anderes aus als Banknoten, sie drückt uns gleich GZ, Schweizer Franken, in die Hände. Dann darf sie aber keinen Banknotenumlauf ausweisen.

Diese Problematik gilt es zu lösen.

Die Problematik wurde gelöst, die Lösung heißt, es handelt sich bei den "Zetteln" um vom Staat gedrucktes Staatspapiergeld, auf welches die SNB per Kredit zugreifen darf.

Hier nochmal ein deutliches Indiz, dass Münzen anders in die Welt kommen als Scheine:
https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/bargeld/euro-muenzen/rechtliche-rahmenbedingungen...
Es wird explizit von Münzen gesprochen.

Das ist doch gar nicht strittig, da waren wir uns doch einig.

Die Verwendung des Staatsgeldes ist unterschiedlich.
Der Staat Schweiz verwendet die von ihm geprägten Münzen direkt für Haushaltsausgaben.
Die vom Staat Schweiz gedruckten Geldscheine verwendet er ausschließlich zur Finanzierung der SNB.

"Privatbeispiel":

Dein Vater hat 10.000 Euro, 9.000 Euro in Scheinen und 1.000 Euro in Münzen.
Die Münzen zahlt er bei Dir ein, Du führst jetzt ein Girokonto für ihn.
Die Geldscheine, 9.000 Euro, legt er Dir in einen Tresor, er bleibt Eigentümer, gestattet Dir aber, auf diese Geldscheine per Kredit zuzugreifen. Er verlangt 0 % Zinsen, er verlangt aber von Dir, dass Du sofort eine Teiltilgung machst, wenn jemand bei Dir Geldscheine einzahlt.

Deine Bilanz:
Aktiva: Münzkasse 1.000
Passiva: Giroverbindlichkeiten 1.000

Exakt so läuft es bei einer Zentralbank.
Einen entscheidenden Unterschied gibt es natürlich, Dein Vater darf nicht selber Geld drucken.
Der Vater der Zentralbank darf und kann das aber, er hat das Geldregal.

Das ist alles kein Zauberwerk.

Dein Vater hat Münzen und Geldscheine, er verwendet sie aber unterschiedlich.
Seine Münzen nutzt er selber als Liquidität, er kauft sich damit ein Giroguthaben bei Dir.
Seine Geldscheine verwendet er ausschließlich dazu, Dich zu finanzieren.

Du kannst sofort tätig werden, Du kannst Gold kaufen, Devisenanlagen, Du kannst Repogeschäfte abschließen.
Ganz genau, wie es eine Zentralbank macht.

"Banknoten" werden erst im Nachsatz erwähnt, wenn es um In-Umlauf-Bringen geht. Wenn es also mit den Banknoten genau so wäre wie mit den Münzen, würde das ja gleich von Anfang an so formuliert.


Gut, dass Du "Banknoten" in Anführungszeichen setzt, es sind nämlich staatliche Geldscheine.
Ich hatte es doch gezeigt, ein Staat könnte, statt Geldscheine zu Drucken, auch große Münzen Prägen.
Diese Münzen würde er lediglich unterschiedlich verwenden, auf die Schweiz bezogen, würde der Staat Schweiz die großen Münzen, also die Zehn-Franken- bis Tausend-Franken-Münzen
der SNB in den Tresor legen, völlig vergleichbar, wie er es heute mit den Geldscheinen macht.

Da musste ich 10 min drüber nachdenken: Die Position "Notenumlauf" bei der ZB sind Schulden bei den Bargeldhaltern. Wenn jemand genug von den Geldscheinen zusammen hat, kann er damit praktisch zur ZB gehen und dafür eine gleich hohe Staatsanleihe, die als Pfand/Repo im Besitz der ZB ist, erhalten.

Nein, so ist es eben nicht, wenn Du eine Staatsanleihe haben willst, dann musst Du Dich auf den Markt begeben und dort eine kaufen.

Sollte Dir die Zentralbank etwas verkaufen, dann hast Du eine Forderung aus diesen Kaufvertrag, und nicht deswegen, weil Du eine Banknote hast.

Wenn Du eine Banknote hättest, dann bräuchtest Du nicht um den Abschluss eines Kaufvertrages zu bitten, Du würdest die auf den Tresen legen und fordern: "Zahlen!"

Das sind völlig verschiedene Vorgänge.

Die Schulden der ZB - dokumentiert durch diese Teilmenge der Geldscheine - sind getilgt (Position Notenumlauf wird entsprechend kleiner) und der ehemalige Bargeldhalter hat statt der Geldscheine nun einen Schuldschein des Staates in seinem Besitz. Bei einem einzelnen Geldschein ist kann man sich einen entsprechenden Anteil einer Staatsanleihe vorstellen, die der Halter bei der ZB dafür bekommen könnte.

Wenn eine Zentralbank etwas bar gegen Geldscheine verkauft, dann nimmt sie diese Geldscheine entgegen und tilgt damit sofort einen Teil ihrer Schulden beim Staat, die Schuldenposition "Schulden beim Staat" wird geringer.

Geschätzter Bernd, wenn Du einen Zettel hättest, auf dem stünde:

"SNB-Banknote, gegen Vorlage dieser Banknote zahlt die SNB auf Sicht 100 Schweizer Franken aus. Ort, Datum, mindestens zwei Unterschriften."

Dann hättest Du eine SNB-Banknote, eine Banknote einer Zentralbank.

Wenn die SNB solche Banknoten emittieren würde, dann müsste sie es uns unter "Notenumlauf" zeigen. Solche SNB-Banknoten emittiert die SNB aber nicht.


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