Fortsetzung: Staatsgeld, diesmal mit "großen" Münzen

Hardy, der Student, Dienstag, 06.10.2020, 09:10 (vor 672 Tagen) @ Hardy, der Student2672 Views

Mit diesem Wissen kann man sich ganz entspannt den großen Geldscheinen zuwenden, auch bei denen gilt, soviel sei vorab verraten:

Geldscheine und Geldmünzen sind direkt und unmittelbar gegeneinander austauschbar.

Fortsetzung folgt.


Weiter geht's, ich hoffe, alle haben verstanden, dass der Staat Schweiz die (Kleingeld-)Münzen durch entsprechende Geldscheine ersetzen könnte.

Nun probieren wir es beim "Großgeld" genau anders herum:
Wir schaun mal, ob sich die Geldscheine durch Münzen ersetzen ließen.

Der Staat kann 5-Franken-Münzen prägen, danach hat er 5 Franken pro Münze.
Nun lassen wir in Gedanken einfach den Staat Zehner, Zwanziger, ... Tausender in Münzen prägen.
Danach hätte der Staat natürlich das entsprechende Geld, die entsprechenden Franken, nur geht es jetzt um ganz andere Beträge, jetzt geht es um richtig viel Geld.
Gedanklich prägen wir die genannten Münzen ja in der gleichen Menge, wie sonst die Geldscheine gedruckt werden.

Nun machen wir mit den geprägten, den produzierten Münzen, das gleiche, wie es sonst mit den Geldscheinen geschieht:
Wir lassen die Münzen zur SNB bringen und packen sie dort in den Keller, in den Tresor.

Jetzt ein einfaches Beispiel, die SNB kauft Assets im Wert von 800 Millionen Franken. Im ersten Schritt erteilt die SNB eine Gutschrift auf ein Girokonto, die SNB kauft selten bar ein.
Der Einfachheit halber kauft die SNB die Assets direkt von einer Bank, nehmen wir die UBS.
Das führt zu folgender SNB-Bilanz (In Mio Franken):

Aktiva: Assets 800
Passiva: Giroverbindlichkeiten bei der UBS 800

Die UBS fordert die Auszahlung von 300 Mio Franken, die Auszahlung erfolgt jetzt logischerweise in den "großen" Münzen, das ergibt dann diese SNB-Bilanz:

Aktiva: Assets 800
Passiva:
Giroverbindlichkeiten bei UBS 500
Schulden 300

Nun die ganz schlichte Frage: Bei wem hat die SNB nun Schulden?
Die Antwort fällt leicht, die SNB hat die Schulden beim Staat.
Also präzisieren wir die SNB-Bilanz:

Aktiva: Assets 800
Giroverbindlichkeiten bei UBS 500
Schulden beim Staat 300

Muss es in der Schweiz unbedingt Geldscheine geben?
Nein, natürlich nicht, alles ließe sich mit staatlichen Münzen abwickeln.

Muss es in der Schweiz unbedingt Münzen geben?
Nein, natürlich nicht, alles ließe sich mit staatlichen Geldscheinen abwickeln.

Kann eine Mischform gewählt werden?
Ja, natürlich, die wird ja ganz real gewählt, die wird ja praktiziert.

Ich wiederhole:

Münzen und Geldscheine sind direkt und unmittelbar gegen einander austauschbar.

Münzen ---> Staatsgeld
Geldscheine ---> Staatsgeld

Münzen sind Schweizer Franken, Geldscheine sind Schweizer Franken, sie sind das Abgabengut des Staates Schweiz.

Wenn der Staat Schweiz es möchte, dann kann ein digitaler Franken definiert werden, ein immaterieller Franken, ein eFranken.

Diesen eFranken könnte man den Münzen und Geldscheinen "zumischen", der eFranken könnte die Münzen und Geldscheine aber auch völlig ablösen.

Geldscheine machen Banknoten überflüssig, der eFranken wird dann Giroguthaben überflüssig machen. Mit einem eFranken kann ja direkt bar bezahlt werden, auch über große Entfernungen hinweg. Kein Mensch muss dann noch eine Überweisung bei einer Bank in Auftrag geben.

Hat man die Münzen und Geldscheine noch in einem normalen Portemonnaie, so hätte man die eFranken in einem virtuellen Portemonnaie.

Nähme jemand bei einer Bank einen Kredit auf, so bekäme er den Geldbetrag sofort in sein virtuelles Portemonnaie, eine Einbuchung eines Giroguthabens entfiele.
So, als wenn sich ein Kreditnehmer heute den Kreditbetrag gleich bar auszahlen ließe.

Selbst die Geschäftsbanken hätten bei der Zentralbank kein Girokonto mehr, Girokonten wären überflüssig, auch die Geschäftsbanken hätten ein virtuelles Portemonnaie, eine virtuelle Kasse.

Auch der eFranken würde, wie alles Geld, immer schön von Kasse zu Kasse wandern.

An und für sich eine sehr tolle Angelegenheit, wenn da nicht, ja wenn da nicht eine gruselige Totalüberwachung sämtlicher Zahlungsvorgänge drohen würde.
Theoretisch wäre auch ein anonymer eFranken denkbar, ich denke aber, dass es auf einen überwachbaren eFranken hinauslaufen wird.


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