Erschreckend, dass hier im Forum nicht mehr Praxiserfahrung vorliegt!

Zorro, Dienstag, 12.01.2021, 12:54 (vor 4 Tagen) @ Das Alte Periskop2943 Views

Hallo Foristen, hallo Periskop,

Kann natürlich sein, dass die Wissenden im Wald verschwunden sind oder still ihre Erfahrungen hüten!? [[zwinker]]

…allerdings werden hier auch Tipps gegeben, die nur von Ahnungslosen empfohlen werden können!

Es ist nicht damit getan, 1000,- € in einen Baumarktgenerator zu investieren und ein paar Kanister Benzin zu besorgen!
@DT = damit hast Du den Vogel abgeschossen!

Eine Notstromversorgung muss gut geplant werden und auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten sein.

Ich habe im Jahr 2013 für mein Haus eine tolle Anlage gebaut, die bis zum heutigen Tag problemlos läuft und in wenigen Wochen eine große Ausbaustufe bekommt.

Ich kann es gleich vorwegnehmen, wer Mieter einer Wohnung ist, oder mit kleinstem Budget rechnen muss, wird hier nicht weiterkommen.

Das Grundprinzip bei der Erstellung einer Generator- oder auch Solareigenversorgung muss die realistische Einschätzung der Verbraucher sein.
Zur Vereinfachung für alle rechnen wir hier einfach mit Watt und der Zeitdauer die das Gerät eingeschaltet ist oder in Bereitschaft steht.

Die Steuerung und Pumpe einer Heizungsanlage z.B. braucht im Winter, wenn sie anspringt, etwa 250 Watt. Läuft sie 1 Stunde durch wären das 0,25 kWh. Läuft sie 4 Stunden am Stück (was natürlich Quatsch ist) wären das 1,0 kwh. Würde man sie 24 Stunden im Dauerbetrieb orgeln lassen, wären das 6 kwh.
Hätte man also einen Batteriespeicher mit Bleibatterien, der mit einer Kapazität von 6 kwh angegeben ist – und weil Blei – nur eine Entladetiefe von 50% verträgt, geht nach einem halben Tag die Heizung wieder aus. Natürlich springt eine Heizung nur minutenweise an, trotzdem muss man diese 250 Watt als „standby-Leistung“ immer abrufen können.

Weitere wichtige Geräte, die man bei der Berechnung einplanen sollte sind:
Kühlschrank: 200 Watt (Leistungsbedarf in der Kühlphase)
Tiefkühltruhe 300 Watt (Leistungsbedarf in der Kühlphase)
Gartenwasserpumpe/Tauchpumpe 500-1000 Watt Dauerverbrauch
Hausbeleuchtung 200 Watt Dauerverbrauch
Radio/TV/Router/1 PC mit einem Monitor: zusammen 400 Watt Dauerverbrauch

Wir kommen auf eine Bereitschaftsleistung von 2350 Watt, die ein Generator bringen muss. Laufen diese Geräte alle 1 Stunde lang sind das 2,35 kwh Verbrauch.
Ist der Generator mit 1,5 kwh Leistungsabgabe angegeben, schaltet er vermutlich ab oder krepiert. Preiswerte Generatoren aus dem Baumarkt sollten nur wenige Stunden am Stück laufen, hochwertige Dieselgeneratoren in der Leistungsklasse 7 kwh dürfen auch mal 8 Stunden brummen, aber auch diesen sollte man Erholung gönnen.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass bei der Verwendung von Generatorstrom eine allpolige Trennung zum Netzversorger geschaffen wird!

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es Sinn macht, eine automatische Netzausfallerkennung zu verwenden, die die allpolige Trennung per Netz/Generator-Schütz garantiert und gleichzeitig den Generator startet. Die Automatik kostet etwa 800,- € ein solider Dieselgenerator etwa 6000,- €
Hütet euch vor Benzingeneratoren. Sowas kann eine Gartenparty versorgen, ist aber in einem tagelangen Notfall unbrauchbar. Alleine die Lagerung von Benzin ist kritisch. Es stinkt ohne Ende und mehr als 20 Liter sind nicht erlaubt.
Dieselkraftstoff, hier ist die Sorte Premium/ultimate zu benutzen, hält dagegen locker 3 Jahre und darf pro Garage in Fässern in einer Menge von 200 Liter gelagert werden.
So ein Dieselgenerator der Leistungsklasse 7 kwh braucht übrigens permanent 2,2 Liter pro Stunde. Nach gut 90 Betriebsstunden ist also Feierabend mit der Stromproduktion. Halt man sich mehrere „Treibstofflager“, kann man die Betriebszeiten ins unendliche steigern. Ebenso ist der Betrieb mit Heizöl möglich!
Der Unterschied von modernem Heizöl zu Dieselkraftstoff ist lediglich die Einfärbung der Brühe, dass man nachweisen kann, wenn jemand sein Auto mit Heizöl tankt.
Normaler Dieselkraftstoff hat auch noch diese 7% Bioanteil, den „ultimate“ nicht hat.
Dieses Biodiesel sollte man auch nach 1 Jahr verbraucht haben. Normales Heizöl oder Premium-Diesel hält dagegen ewig.

Zu Bedenken ist, dass die meisten Häuser einen dreiphasigen Hausanschluss haben, obwohl es eigentlich keine Drehstrom-Haushaltsgeräte gibt. Auch ein Herd oder Backofen hat keine 400V sondern nur 230V. Die Last der Kochplatten wird nur auf die verschiedenen Phasen verteilt, damit man die Kabel nicht so dick machen muss. An sich stellt es kein Problem dar, einen Herd auf einer Phase anzuschließen.
Für einen Generatoreinsatz ist es von Vorteil, wenn er auf ein einphasiges Hausnetz trifft. Generatoren die für 3-phasigen Betrieb ausgelegt sind, bekommen durch die unterschiedliche Belastung der einzelnen Phasen (sog. Schieflasten) schnell Probleme. Die angegebene Generatorleistung, z.B. 3 kwh ist durch die 3 Phasen zu teilen. Wenn da auf Phase 1 einer den Haarfön anschalten würde, ist das Ding schon am Ende.

Die automatischen Umschaltphasen auf Generatorbetrieb dauern etwa 60 Sekunden. In dieser Zwischenzeit kann man Computer, Heizungsanlage und andere empfindliche Geräte über USVs unterbrechungsfrei halten. Ich habe zum damaligen Zeitpunkt einige große USV’s von APC angeschafft noch bevor ich den Generator hatte. Gut verteilt könnte ich sogar viele Verbraucher etwa 3 Stunden über die Batterien der USVs versorgen. Allerdings leiden die Bleibatterien heftig, wenn man sie häufig bis an ihre 50% Entladegrenze fährt. Da ist ein Stromspeicher mit LiFePo4 Speichern Batterien eine tolle Sache! Dazu komme ich noch später…!

Einen Generator muss man fest installiert in einem Nebengebäude werkeln lassen.
Es muss für gute Be- und Entlüftung gesorgt werden und vor allem für Schalldämmung. Die Nachbarn werden sonst wahnsinnig durch tiefe Brummfrequenzen. Auch die Windrichtung der Abgase ist zu bedenken, sonst stinkt die ganze Bude! Ein ganz wichtiger Punkt sind die Kabelwege! Nicht vergessen, da müssen daumendicke Elektrokabel verlegt werden zwischen Zählerschrank und dem Nebengebäude wo der Generator steht. Kurzum, viel Installationsarbeit. Dafür aber kannst Du im Bett liegen, auf der Arbeitsstelle, auf Tagesausflug oder ähnliches und der Betrieb von Heizung und Kühlschränken läuft normal weiter. Der Tank des Generators sollte auf 12-18h ausgelegt sein.

In meinem Fall haben wir den Generator so ausgelegt, dass er locker alles versorgen kann, sogar einen Elektroherd mit 2 Kochplatten und Backofen gleichzeitig. In Friedenszeiten brauchen wir durch meinen Trading-PC und eine Wärmepumpe durchschnittlich 3 kwh in der Stunde. Das ist sehr viel. Ein normaler 2 Personen Haushalt, ohne Schnick-Schnack, braucht vielleicht 5 kwh am Tag. Gönnt man sich Stromfresser wie Siebträger-Kaffee und lässt die Rechner nachts durchlaufen kommt man auf ein Vielfaches.
Daher wird die Anlage derzeit zusätzlich mit einer echten Inselanlage ausgerüstet.
Begrifflich ist das sehr wichtig, da der Gesetzgeber genau darauf achtet, ob die Solaranlage mit Batteriespeicher netzparallel angeschlossen ist. In diesem Fall wäre die Anlage meldepflichtig im Marktstammdatenregister. Eine Inselanlage ist das nicht. Hier ist wieder die allpolige Trennung zum Netzversorger das Kriterium.
Anlagen die netzparallel angeschlossen sind, auch sog. Nulleinspeiseanlagen, erfüllen das nicht, da Wechselrichter regelungsbedingt pro Stunde etwa „50 Watt“ – bitte nicht so genau nehmen – ins Netz rutschen lässt und der Stromzähler – wenn´s ein älterer ist, dann rückwärts laufen würde.

Mein Interesse ist es auch nicht Strom einzuspeisen, sondern ihn ausschließschlich selbst zu verwenden oder ihn in die Batteriespeicher zu pumpen. Gute LiFePo4 Speicher mit 3,5 kwh gibt’s derzeit für 1300,- € von Pylontech, US3000C
8 Stück von diesen Dingern parallel geschaltet, 2 Wechselrichter von Victron, den Multiplus 5000/48V und du hast ein echtes Kraftwerk.
Solarmodule mit derzeit gängigen 330-385wp kosten nur noch um die 150,- €. Knallt man sich die Dächer voll mit 20kwp braucht man von März bis Oktober keinen Strom vom Versorger mehr beziehen.
Die Monate November und Februar sind kritisch, der Dez. und Jan ist nahezu unmöglich. Hier generieren 10kw-peek Anlagen bei bedecktem Himmel höchstens 1,5kwh pro Tag, also ein Witz. Es gibt einen riesen Unterschied, zwischen der theoretischen Peek-Leistung was die Module können und den Tatsachen, die dann vom Dach auch runterkommen. Wenn die Sonne flach steht, Verschattung die Ernte versaut, oder der Himmel 3 Wochen mit Wolken verhangen ist, produziert eine Solaranlage „quasi nix“, egal wie modern sie ist.

Jetzt komm aber unser Generator wieder ins Spiel. Normal brummt der ja mit völliger Verschwendung und schickt 50% seiner Leistung ins Nichts! Jetzt kann die überschüssige Leistung, die nicht von den Haushaltsgeräten genutzt wird, zum laden des Batteriespeichers verwendet werden. Sprich, von 7 kwh Generatorleistung fließen zwischen 2 und 5 kwh pro Stunde in die Pylontechs. Läuft der Generator also 6 Stunden wären 28 kwh Batteriespeicher bärig voll. Damit kann der Generator schlafen gehen und die restlichen 18 Stunden wird das Haus völlig autark, geräusch- und geruchlos mit Strom versorgt.

Eine Solaranlage mit 20kwp, Batteriespeicher 28kwh und MPPT Solarreglern macht dich um 30.000,- € ärmer, sollte eine Nutzungsdauer von 15 Jahren haben und deine Stromrechnung um 80% reduzieren. Das Bonbon ist, dass selbst in den Wintermonaten mit überschaubarem Generatoreinsatz voller Betrieb gefahren werden kann. Zu einem Großteil versorgt die Sonne das Anwesen, ein Generator könnte es im Notfall dank Batteriespeicher im Winter tun. Die Anschaffung mag zunächst teuer erscheinen, unser privates Rechenmodel erhofft 4000,- € Stromersparnis pro Jahr. Spätestens nächstes Jahr kann ich berichten :-)

So fing im Jahr 2013 alles an:

https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=363729

Grüße Zorro

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