Paul C. Martin: Noch niemals hat es so etwas gegeben, wie eine "freiwillige Kooperation" noch …

Ostfriese, Dienstag, 30.01.2024, 09:15 (vor 28 Tagen) @ Revoluzzer1148 Views

Hallo Revoluzzer

- Mindestens Unsinn, denn das kreative, friedliche, kooperative wird völlig ausgeblendet. Ohne Kooperation-Kopulation gäbe es uns alle nicht und die wenigsten davon sind Vergewaltigungen.

- Die Kooperation braucht die Gewalt als Instrument, um unkooperative Spieler auszusortieren. Das macht die Gewalt nicht zum Leitprinzip sozialen Lebens.

Vielen Dank für Deine Antwort: Sie gibt mir die Möglichkeit, auf dottores Ausführungen über Kooperationen aus machtbasierter debitistischer Sicht in

Re: Bürgerkrieg, Terrorismus, Staatsauflösung verfasst von dottore, 08.12.2002, 13:05

hinzuweisen.

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→ Karlchen Marx hatte die fixe Idee, die Welt in Unterdrücker und Unterdrückte einzuteilen. Sein ganzes Gedankengebäude diente dann nur noch dazu, diese Ursprungsidee vom Klassenkampf zu rechtfertigen und zu begründen. Der letzte Beitrag von Wal (Karl Marx über Urgesellschaften) ist wieder ein schönes Beispiel dafür.

Ich fürchte, bei dottore ist es jetzt ähnlich. Die Grenznutzentheorie z.B. wird solange umgenudelt, bis sie dem ursprünglichen Ziel (Rechtfertigung der Abgabentheorie) dient.

Die Abgabentheorie wird nicht gerechtfertigt, sondern - wie jede Theorie - abgeleitet. Grundlagen:

1. Jeder benötigt BIP, um zu überleben.

2. Das BIP, das sich jemand mit bewaffnetem Zwang einem anderen gegenüber beschaffen kann, beschafft er sich produktiver (i.e. durch weniger Input) als durch eigene Arbeit oder durch den Tausch eigener Arbeit bzw. deren Produkt gegen die Produkte oder das Produkt eines anderen.

3. Der Wert des Zwangsmittels entspricht dem ökonomischen Ergebnis des Zwangs (Metall- bzw. Metallwaffenparität).

4. Der mit Waffengewalt zur Hergabe von BIP-Gezwungene kann, da im Besitz eines freien Willens, entscheiden, ob er sich dem Zwang unterwirft (A), den betreffenden Termin verstreichen lässt (B) oder sich zur Wehr setzt (C).

5. In jedem Fall kann er wählen. Die Entscheidung für eine der drei Möglichkeiten ist immer ein Vergleich dieser mit einer der beiden anderen Möglichkeiten. Er vergleicht also Unterwerfung (und die damit verbundene Erstellung bzw. Ablieferung von BIP) mit den Sanktionen, die bei Nichtablieferung bzw. Nichterstellung auf ihn zukommen.

6. Somit definiert den Wert von A entweder B oder C. Ist A Metallgeld, definiert dessen Wert das BIP, das er bei Nichtablieferung von B schuldig wird bzw. die Kosten, die ihm bei Wahl von C entstehen ("Erhebung", "Aufstand", sehr schön - wie von mir gerade in extensis ausgewertet - die Fränkische Geschichte des Gregor von Tours, wobei die "Franken" (frank = frei, also selbst nicht zum Abgabenprocedere gezwungen) laufend mit B bzw. C der von ihnen Unterworfenen konfrontiert waren (Alamannen, Thüringer, Sachsen) und ihrerseits ebenfalls abwägen mussten, ob der bewaffnete Zwang, den sie wegen der darin liegenden Produktivität ausüben wollten, auch tatsächliche ausüben bzw. fortsetzen können oder wollen.

7. Dies alles geschieht bei sämtlichen Beteiligten mit Hilfe des Nutzenvergleichs, wie er im 2. Gossen'schen Gesetz ausführlich dargelegt ist. Mit einer "Umnudelung" der Grenznutzentheorie hat das absolut nichts zu tun. Die Anwendung von bewaffnetem Zwang und das Nachgeben diesem gegenüber bzw. das Nichtnachgaben ist eine ausschließlich ökonomische Betrachtung: Lohnt es sich oder lohnt es sich nicht.

Dabei hat dottore selbst vor kurzem eine hübsche Widerlegung seiner eigenen Theorie vorgetragen, als er nämlich zum Widerstand gegen Abgaben aufrief, indem man mit dem Schuhkarton zum Finanzamt geht und vier Stunden gemeinsam mit dem Steuerprüfer Belege sortiert. Was lehrt uns dieser Vorschlag?

Dieser Vorschlag ist eine Variante des Zustands C. Der Bürger kann überlegen, ob er sich dem Zwang, Steuern zu leisten, entziehen kann. Da er dies aufgrund des obrigkeitlichen Waffen- und Gewaltmonopols erst in einem Zustand tun würde, der ihm den offenen Aufstand (Erhebung, Revolution mit der Vorform der Baring'schen "Barrikaden" oder ähnlichen, freilich unspezifizierten Vorschlägen Frank Schirrmachers in der FAZ) als ökonomisch nützlichste Variante nahelegt, findet auch dort eine Grenznutzenbetrachtung statt.

Davon ist der heutige Zustand einstweilen noch entfernt, so dass andere C-Varianten in die Überlegung geraten (sog. "passiver Widerstand", mit dem ebenfalls bereits sehr viel zu erreichen ist, was die Geschichte des frühen Christentums ebenso lehrt wie jene von Mahatma Ghandi oder der Aufstand der Kalifornier, Stichwort "proposition 13"). Der passive Widerstand bindet allerdings ebenfalls Ressourcen bzw. kostet Zeit, so dass auch für diesen Fall Überlegungen betreffend die ökonomische Sinnhaftigkeit anzustellen sind.

Eine moderne Industriegesellschaft kann man nicht mehr nach dottores Sklavenmodell führen.

Von einem Sklavenmodell ist keine Rede. Der Sklave ist bekanntlich im Eigentum seines Herrn, was für den modernen Staat und seine Bürger nicht mehr der Fall ist. Der Bürger ist dem Staat heute nur noch über Abgaben ausgeliefert, die dieser aufgrund seines Herrschafts- und Gebietsmonopols ausübt (Obereigentum, Wohnsitzprinzip, Staatsbürgerschaftsprinzip wie im Falle der USA, usw.).

Der moderne Staat ist allerdings nicht mehr in der Lage, sein Abgabenmonopol stringent, d.h. ohne Terminerstreckung durchzuziehen, woraus sich bekanntlich das Phänomen der vertagten Abgabe (Staatsverschuldung usw.) ergibt.

Da Abgabenvertagung in dieser Form ein Mittel ist, das den jeweils um die Machtgewinnung buhlenden Gruppen ("Parteien") zur Verfügung steht, sind jene Parteien im Vorteil, die die Abgabenerhebung möglichst weit in die Zukunft hinausschieben können, ohne dabei "versprochene Leistungen" ebenfalls vertagen zu müssen, was der Zugang des Staates zum Kapitalmarkt hinreichend belegt - ganz abgesehen von den aktuellen politische Diskussionen bzw. den aktuell zu beobachtenden Verwerfungen auf der Zeitachse.

Der moderne Staat ist auf die intelligente Kooperation seiner Bürger angewiesen, oder die Macht geht unter.

Die Macht selbst geht nicht unter, sondern es wechseln nur die jeweiligen Machthaber. Die depossedierten Machthaber gehen unter und sofort erscheinen neue Machthaber, was die Geschichte ununterbrochen beweist. Eine Beendigung des gesamten Machtausübungsprozesses setzt eine starke Depopulation voraus, wie sie für das Ende der römischen Herrschaft kennzeichnend war. Solche Prozesse ziehen sich aufgrund biologischer Gegebenheiten über lange Zeiträume hin.

Das ist Hobbes pur. Entweder alle einigen sich auf freiwillige Kooperation, oder jeder hat das gleiche Recht zu täuschen und zu betrügen.

… dazu "aller". Der darin implizierte "Gesellschaftsvertrag" ist nichts als unbewiesener Brainwash und entspricht genau dem Brainwash des "Generationenvertrages" (Rentenproblematik). Zwischen Gläubiger und Schuldner ist eine "Kooperation" im Sinne einer "Zusammenarbeit", die sich gegen "etwas anderes" oder "Dritte" richtet simpler Unsinn, da der jeweils andere oder Dritte der jeweils Erste oder Zweite ist - es sei denn, es wird mit Imperialismus, Angriffskriegen, Welteroberungsplänen und damit Aussicht auf Tributforderungen gearbeitet.

Die überschuldeten römischen Granden (Crassus, Caesar) zogen nicht los, um etwas zu "erobern", sondern sich zu entschulden. Bei Crassus ging's schief, Caesar konnte sich mit Hilfe des eroberten Galliens entschulden. Ähnlich Augustus (Ägypten) oder Trajan (Dakien). Danach erlosch das römische Feuer mehr und mehr, wie allgemein bekannt.

Auch die Versuche aktueller Weltmächte, sich durch unbezahlten Warenbezug bzw. gar durch Angriffskriege (Irak) oder Unterjochungen (Tschetschenien) zu halten, sind zum Scheitern verurteilt, da die zusätzlichen Erträge auf Dauer von den zusätzlichen Kosten überholt werden. Der mit sich selbst bezahlende Terrorist sitzt ohnehin automatisch am längeren Hebel. Selbstmordkommandos ohne Personalkosten (Bezahlung erfolgt im Himmel) und mit geringen Materialeinsatz (Sprengstoff, Altautos, kostenlos zur Verfügung stehendes Fluggerät) legen ohne weiteres selbstgrößte und kostenaufwendigste Armeen und sonstige Einsatzkräfte lahm, ganz einfach, weil sie kostengünstiger arbeiten. Der Versuch Israels, die Kosten der antiisraelischen Einsätze dadurch zu erhöhen, dass Häuser zerstört werden usw. zielt in die Richtung, die Kosten des Gegners zu erhöhen. Ich persönlich bezweifle, ob diesem Versuch der gewünschte Erfolg beschieden sein wird.

Die pure Macht (Steuererhöhung) funktioniert heute nicht mehr.

Was heute bestens funktioniert ist die Vertagung der Steuererhöhung, siehe Staatsverschuldung. Diese wiederum findet aus finanzmathematischen Gründen ihre Grenze in sich selbst. Ich bitte, die entsprechenden Postings nochmals zur Kenntnis zu nehmen.

Aber weil das Sklavenmodell nicht mehr funktioniert, muss die Macht sich auf immer bessere Täuschung verlagern um intelligente Kooperation (es ist unser Staat) zu erhalten.

Die Täuschung ist die vertagte Abgabe.

Das aber ist die große Chance der freien Bürgergesellschaft, nämlich die Täuschung zu entlarven.

Die Täuschung hat inzwischen einen Umfang erreicht, der eine Entlarvung, die ex ante hätte geschehen müssen, nicht mehr möglich macht - es sei denn um den Preis des Verzichts sämtlicher Gläubiger des Staates auf ihre Forderungen an diesen (und damit letztlich, da es sich um die "Vermögenden" handelt, an sich selbst).

Davon kann keine Rede sein, im Gegenteil: Die "Vermögenden" werden alles tun, um sich über die Besetzung des Machtapparats bzw. entsprechenden Einflussnahmen auf diesen ihren Status nicht mindern zu lassen - was die Dinge immer weiter auf die Spitze treiben wird (Arm/Reich-Problematik usw.). Am Ende steht selbstverständlich der Bürgerkrieg, wie immer in der Geschichte zu beobachten. Denn jeder Bürgerkrieg hatte und hat ausschließlich ökonomische Ursachen ("ausweglose Lage" der Angreifenden) und läuft nicht etwa nach Sympathie- und Antipathie-Modellen ab: die einen Bürger "mögen" die anderen Bürger nicht.

Eigentlich sollte das einfacher sein, als sich gegen Bajonette (nackten Abgabezwang) zu stellen, aber die Täuschung muss erst mal in den Köpfen erkannt werden.

Die Täuschung wird nicht erkannt, sondern erfühlt. Dabei ist ein absolut hoffnungsloses Gemeinwesen wie das der BRD auf bestem Wege: Die sich immer weiter verschärfende Krise wird immer "fühl-" und "spürbarer" werden. Dann geht's los. Zuerst mit Protesten (Streiks usw.), danach in den altbekannten Abläufen.

Fazit: es kommt jetzt darauf an, unser Geld als Falschgeld zu entlarven und nicht Begründungen zu ersinnen, warum es ohne Macht kein Geld geben kann.

Das Falschgeld, wie auch immer definiert, ist nur ein Instrument, mit dem Machtinhaber versuchen können, den für die komfortablen Zustand zu stretchen. Auch dieses Vorhaben endet automatisch in sich selbst. Das Ausüben von Macht ist ohne Geld, dem inzwischen klassischen und von der Macht via Geld- und Währungsgesetze standardisierten Machterhaltungsmittel ebenso unmöglich wie es Geld ohne Macht geben kann. Sie hat es überhaupt erst eingeführt. Es könnte jederzeit ohne Geld in welcher Form auch immer produziert und gewirtschaftet (= arbeitsteilig produziert) werden.

Sobald Geld als "legal tender" (= Mittel, um gesetzlich vorgeschriebene und nicht etwa freiwillig in beidseitigen Kontrakten, die Sanktionsfrage bei Nichterfüllung jetzt mal außen vor, vereinbarte Zahlungen zu leisten) verschwindet, verschwindet automatisch jegliche Form des mit Hilfe von Geld ausgeübten bewaffneten Zwangs. Armee, Polizei, Steuereintreiber und -fahnder gehen mangels entsprechender, ihnen von den Machtinhabern zukommender Mittel schlicht nach Hause.

Gruß!

Quelle: https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/search.php?search=Kooperation+und+Gewalt+und+M...

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Gruß - Ostfriese


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