Der Zug ist abgefahren, die sitzengelassenen Fahrgäste auf dem Steig tun ihren Unmut kund. So what?

Miesepeter, Donnerstag, 28.07.2022, 15:59 (vor 19 Tagen) @ nereus3376 Views
bearbeitet von Miesepeter, Donnerstag, 28.07.2022, 16:31

In Bezug auf die Ukraine manifestierte sie sich in der Unfähigkeit, die Minsker Vereinbarungen durchzusetzen, die eindeutig einen russisch-ukrainischen Friedenspfad boten, aber von Frankreich und Deutschland aufgrund des unerbittlichen Drucks der USA und der Ukraine nicht durchgesetzt werden konnten. [/i]

Mit diesem Absatz ist alles zu Europa gesagt. Europa und Russland strebten eine friedliche Verhandlungslösung in der Ukraine an, konnten dies aber gegen den Widerstand der USA nicht durchsetzen. Europa hatte seinen Moment, es hat versucht sich durchzusetzen, und es ist gescheitert.
Stattdessen haben die USA ihre regionalen Ziele durchgesetzt: Eskalation des Konflikts, Einstellung von NS2, Spaltung des Kontinents.

Als Frankreich versuchte, die Dominanz über den Kontinent zu erlangen, stellten sich ihm England, Russland und tws Preussen entgegen.
Als Deutschland versuchte, die Dominanz über den Kontinent zu erlangen, stellten sich ihm England, Russland und tws. Frankreich entgegen.
Als nun Deutschland und Frankreich gemeinsam versuchten, die Dominanz über den Kontinent zu erlangen, war es offensichtlich, dass sowohl England bzw der gesamte angelsächsische Raum wie auch Russland nicht antagonisiert, sondern angebunden werden sollten.
England (USA) fürchtet eine Annäherung Kontinentaleuropas an Russlands, denn dies liesse sie am Ende des Tages womöglich einmal als odd man out, wie zuvor Napoleons Frankreich und Hitlers Deutschland.
Andererseits haben sie offenbar die Möglichkeiten, Kontinentaleuropa an sich zu binden, und damit ist es dann Russland, welches nunmehr einer geschlossenen Phalanx entgegensteht.

Angesichts der Schwäche der Europäer und der Stärke der USA, ist es in aller Wahrscheinlichkeit gleichgültig, welche Regierungen in Europa fallen oder emporkommen. Europa muss sich entscheiden zwischen Russland oder den USA, und es hat seine Wahl getroffen, sicherlich insgeheim mit der Hoffnung, im Zeitverlauf auch wieder bescheidene Korridore gen Osten öffnen zu können.

Die USA werden den Europäern mit Zerstörung der EU (im Sinne von Spaltung/Auflösung, nicht kinetischem Abbruch) und Ausschuss vom seegestützten Welthandel drohen, sollten sie sich anders entscheiden. Da hat die Wirtschaftselite Europas, die in finanzieller Hinsicht mit der EU und den USA systemisch komplett integriert ist, keine andere Wahl als ihre Interessen in Russland auf Eis zu legen. Und entsprechend wird auch die Politik ausgerichtet.

Der Zug ist abgefahren, oder um mit @Hannes zu sprechen, der Riemen ist runter. Die Veränderungen, die von Belang wären, müssen entweder in Washington oder Moskau stattfinden. Das beste, was die Europäer machen können, ist auf Zeit spielen, doppelzüngig sämtliche Versuche, sie zu mehr Opfern zu zwingen, zu sabotieren so gut es geht, und sich als allgemein schwach, dumm und unfähig zu präsentieren. Gerade das Letztere sollte ihnen nicht schwerfallen.

Gruss,
mp


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