Inflation, Staatsbankrott, Bitcoins usw.

Phoenix5, Samstag, 19.09.2020, 17:49 (vor 31 Tagen) @ Linder625 Views
bearbeitet von Phoenix5, Samstag, 19.09.2020, 17:54

Die Steuer des Fiatmoney versteckt sich in der dauernden Geldmengenausweitung. Damit verliert es ebenso an Kaufkraft und ist per Deiner Definition auch kein Wertaufbewahrungsmittel und somit kein Geld.

Kreditnehmer A nimmt Kredit auf (Inflation), erbringt Leistung am Markt (Deflation), Nachschuldner kauft die Leistung (Inflation), tilgt seinen Kredit durch Leistung (Deflation) usw. usf. Nirgendwo tritt eine nachhaltige Inflation auf.

Inflation tritt nur dann auf, wenn ein allgemeiner Boom eintritt, d.h. die Kreditaufnahme schneller läuft, als das BIP nachziehen kann, d.h. eine temporäre Erscheinung (Boom/Bust).
Oder wenn es einen Akteur am Markt gibt, der sich verschuldet ohne zu leisten (d.h. bloß nachfragt). Wer könnte das nur sein?

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Aufgrund der andauernden und exponentiellen Geldsummenausweitung ist das System nicht nachhaltig, stirbt je nach Umlaufgeschwindigkeit der Teilsummen früher oder später auch.

Vergiss die Umlaufgeschwindigkeit. Ohne Nettoneuverschuldung kann Geld umlaufen, so schnell es will. Daraus ergibt sich keine Hyperinflation. Was auf der einen Seite einen Nachfrageschub durch eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit ergibt (Inflation), wird auf der anderen Seite durch fällige Kredite kompensiert (Deflation). Liegt die Nettoneuverschuldung bei Null, kann das Geld mit Lichtgeschwindigkeit umlaufen und wir bekommen trotzdem Deflation. Eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit ist Folge und nicht Ursache einer Inflation.

Nur dann eben auf nahezu einen Schlag, so wie z.B. 1923 schon.

Mit einem Schlag erst, sobald es in die Exponentielle geht. Notwendig dafür ist das dauerhafte Laufen der Notenpresse, wo langlaufende Anleihen ständig durch kürzer laufenden Anleihen prolongiert werden, d.h. de facto ein Staatsbankrott.

Dem Hörensagen nach besteht seit rund 6.000 Jahren ein Geldsystem ähnlich dem heutigen Strickmuster.

Du redest immer vom Geldsystem, als ob es je Alternativen gegeben hätte. So funktioniert das nun mal. Du hast eine Oberschicht, die dich durch militärische Gewalt dazu zwingt Wirtschaftsleistung zu generieren, indem Abgaben erhoben werden. That´s it. Alles andere ergibt sich daraus.

Gibt es eigentlich gesicherte historische Aufzeichnungen darüber, dass es im Laufe dieser Jahre abwechselnd zu Schund- und Schwundgeldnutzung kam?

Es gab Staatsbankrotte noch und nöcher in der menschlichen Geschichte. Mit Papiergeld, als junge Erfindung (erstmals in China im 11. Jhdt.), lässt sich dieser Prozess in eine Hyperinflation ausdehnen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Geldes#Entwicklung_des_Papiergelds

Wenn ich es mir recht überlege, müssten die einzelnen Generationen seither ständig vor dem selben Problem gestanden haben und sind über die Jahre immer zwischen den beiden Systemen hin- und her gehüpft. M.E.n. hat das Freigeld ein Problem mit Außenhandelsdefiziten und das Fiatmoney mit Missbrauch durch den Emittenten (Politiker/Staat bzw. Banken).

Freigeld hat das Problem, dass es kein Geld ist:

https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/search.php?search=freigeld&ao=and&u_na...
https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/search.php?search=w%C3%B6rgl&ao=and&u_...

Wie wären hier Kryptos, als blockchainbasierte Digitalcoins, egal ob privat oder staatlich emittiert, einzuordnen? Es scheint ja so zu sein, als wolle man dies als nächstes Zahlungsmittel einsetzen. Wie Bitcoin kann es nicht aufgebaut sein, denn der ist dem Konstrukt nach begrenzt und wirkt daher deflationär. Unbrauchbar für die Mächtigen der heutigen Zeit.

Es kann grundsätzlich nicht so eingesetzt werden, wie du dir das vorstellst, sondern wird - wie jedes Geld zuvor - in einem Akt der Verschuldung (Refinanzierung, wenn man so will: Vollgedeckter Kredit) durch die Notenbank emittiert. Es wird nicht als Netto-Geld ohne Schuldner als Counterpart herausgegeben.


Gruß
Phoenix5

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Ein Buch für Keinen - Der Kapitalismus nach Paul C. Martin


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