Herrschaft ist das Problem, nicht Schulden

Morpheus ⌂, Donnerstag, 16.03.2023, 03:14 (vor 11 Tagen) @ Naclador1507 Views

Hallo Naclador,

danke für diese Diskussion. Sie hilft mir sehr Zusammenhänge besser erklären zu lernen.

es ist ein Unterschied, einmal Schulden aufzunehmen und nicht mehr zu tilgen oder Schulden aufzunehmen und regelmäßig zu bedienen.

Denn im zweiten Fall müssen sich ständig Freiwillige finden, die dem Staat frisches Geld leihen. Und es war ein guter Indikator zu sehen, dass die ZB's irgendwann einspringen mussten, um das Geld zu liefern. In der EU primär, weil man die Zins-Differenzen, nicht zahlen wollte.


Richtig, es müssen Nachschuldner her. Ganz nach debitistischem Lehrbuch.
Dass die ZB's einspringen mussten war ein Indikator für was?

Für den immer kommenden Kollaps des Herrschaftssystems. Herrschaftssysteme kollabieren immer zyklisch, damit sie sich verbessern können. So werden schlechte Herrschaftssystem stets eliminiert.

Die Zeichner von Staatsanleihen könnten es auch lassen, den Staaten ihr Geld zu übergeben. Denn wie erklärst Du uns die Zeit, wo der Zeichnende genau wusste, dass er vom deutschen Staat weniger Geld zurückbekommen würde, als er ihm am Anfang geliehen hatte.


Na ganz offensichtlich war die Rendite der Staatsanleihen, wenn auch negativ, so doch höher als die am Markt erwartete Rendite. Man war bereit geringe Verluste bei den Staatsanleihen in Kauf zu nehmen um nicht noch höhere Verluste bei anderen Geldanlagen hinnehmen zu müssen.

Genau, weil der Staat seine Schulden eben regelmäßig tilgt. Nur deshalb machen es die Leute. Klar ist das eine Art Ponzi-Schema, aber ein Staat, kann in seiner Währung alle Schulden immer bedienen!!!
Bei Auslandsschulden sieht das anders aus.

Zu solchen Vereinbarungen wurde niemand gezwungen. Die Zeichner haben es freiwillig gemacht.

Die Ursache bei den Problemen ist eben eine ganz andere. Es sind nicht die Summen des Geldes insgesamt. Das Problem von Geld ist seine Verteilung in großen Gebieten. In den USA ist das Zentrum, seit Anfang der 1990 Jahre komplett verarmt. Die haben nur durch die Neuverschuldung der Bestandsimmobilien wieder Geld in den Kreislauf eingespeist. Das endete mit dem Finanzcrash 2008 und bezahlen mussten es nicht die Banken sondern die Käufer der betrügerisch konstruierten Wertpapiere. Ist aber ein anderes Thema. Jetzt sind die Häuser alle auch noch vermietet und die Eigentümer sitzen wieder in den Küstenregionen oder im Ausland. Jetzt fließt das Geld noch schneller ab als vorher.


Das ist nicht prinzipiell ein Problem der Gebietsgröße. Der Teufel kackt immer auf den größten Haufen. Geldsysteme entwickeln sich immer nach einer Pareto-Verteilung. Kleine Unterschiede in den Grundvoraussetzungen verstärken sich mit dem Zeitverlauf. Nach unendlicher Zeit extrapoliert besitzt einer alles. So lange hält der debitistische Kreislauf nur nicht durch. Geldsysteme sind inhärent nicht nachhaltig. Jedes Geldsystem ist ein Ponzi-Schema.

Das stimmt nicht, weil in einem kleinem Währungsgebiet, indem die Bürger an der Bankenaufsicht sinnvoll beteiligt sind, kann man alle Zahlungsprobleme, die zu Bankpleiten durch einen proportionalen Bail-In bereinigen. Alleine die Androhung des selbigen, wird oft wieder Leute motivieren bislang gehortetes Geld auszugeben und damit mehr Mittel für die Tilgung von Schulden bereitzustellen. Wer es nicht macht, wird später dazu gezwungen. Wenn das regional passiert, ist das ein Teil der gelebten lokalen Solidarität, zumal man im Rahmen der Aufsicht über die Banken, die Vergabe riskanter Kredite hätte stoppen können. Solche regionalen Währungen können nicht mehr kollabieren, wenn es kein Bargeld gibt. Und selbiges braucht man nicht, wenn man anonyme Zahlungen anderweitig gewährleistet.


Kleinere Währungsgebiete sorgen nur dafür, dass der Akkumulationsprozess langsamer abläuft.

Nein, das ist kein Problem der Geschwindigkeit, sondern der zirkulierenden Menge. Wenn alles Geld, was in Chicago durch Kreditvergabe geschöpft wurde, in New York zirkuliert, haben die Menschen in Chicago ein Problem. Wenn das Geld nach wie vor in Chicago zirkulieren müsste, weil nur dort dieses Geld verwendet wird, gäbe es das Problem nicht.

Deshalb explodieren die Zeltstädte in den USA und auf Twitter sieht man jeden Tag zwei Videos, wie Leute in Läden reinmarschieren, einen riesigen Beutel mit Waren zusammenklauben und den Laden einfach verlassen, Shoplifting genannt. Die haben keine andere Chance und nichts mehr zu verlieren. Niemand hält sie auf, weil es keinen Sinn macht sein Leben zu riskieren.

Sobald sich der Betrieb der Läden nicht mehr lohnt werden sie geschlossen. Dann muss der Staat versuchen die Versorgung der Bevölkerung zu übernehmen. Die FEMA-Camps sind ja schon da.


Das sind die Symptome eines debitistischen Systems kurz vor dem Ende.

Nein, das sind Probleme jedes Herrschaftssystems. Herrschaftssysteme kollabieren immer. Sie beginnen dann, und das kann scheinbar ohne Unterbrechung sein, neu, mit einem neuen Geldsystem. Das ist z.B. auch nach dem Kollaps in den 1930ern passiert. Damals hatte man in den USA das Gold verboten und war zum reinen Kreditgeld übergegangen. Die angebliche Gold-Bindung, war eine reine Psycho-Krücke und hatte keinerlei Bedeutung, wie man in den folgenden 40 Jahren nach dem Schließen des Goldfensters sehen konnte. In Deutschland hat man damals das System auf die Mefo-Wechsel umgestellt, was nicht so gut funktioniert hatte. Deshalb kam der Kollaps schneller und der Krieg musste her. Ist eine ganz typische Entwicklung.


All das passiert NUR, weil (Kredit-)geld NICHT in großen Gebieten funktioniert. Rohstoffgeld, also Gold, würde noch viel schlechter funktionieren, weil das Gebiet automatisch die gesamte Welt wäre. Das hatte früher gut funktioniert, NUR WEIL das Leben der Menschen zu 99% regional war und der geringe überregionale Austausch nur sehr langsam Probleme erzeugte.


Falsch, das passiert in jedem noch so kleinen Kreditgeldsystem. Nur geht es in großen Systemen bedeutend schneller. Und in kleinen Systemen ist eventuell ein New Deal leichter umzusetzen.

Wie oben beschrieben, du kannst es sozial gerecht durch entsprechende vorher transparent vereinbarte, anteilige Enteignung immer so bereinigen, dass das Gesamtsystem weiter läuft. Zwar geht eine Bank pleite und die Eigentümer müssen bluten und die gesamte Bevölkerung anteilig am Gesamtgeld auch ein wenig, übrigens über die schuldige Pleite-Bank hinaus. Aber das System als solches bleibt stabil und es kann eine neue Bank gegründet werden, die alle Kredite sowie die verbliebenen Guthaben der Pleitebank übernimmt. Diese Guthaben gibt es, weil auch Guthabenhalter aller anderen Banken anteilig an der gesamten Geldmenge zahlen müssen.

Ich könnte noch viel mehr schreiben. Steht alles in meinem Buch. Alles was wir erleben ist einfach und logisch zu erklären. Nur die Vorfinanzierung des Staates ist eben nicht das Problem. Auch das Gelbe hat die Theorie bisher mehrheitlich nicht verstanden. Denn gerade das Zentrum der Macht, schwimmt im Geld. Das Problem ist die dauerhafte und gleichmäßig und Versorgung der Peripherie, um das System am Laufen zu halten.


Vielleicht muss ich erst Dein Buch lesen, aber ich sehe das als non-sequitur: Wie kommst Du denn von "Die Größe ist das Problem." zu "Die Vorfinanzierung ist kein Problem."?

Nein, es ist die Verteilung des Geldes, die die Probleme auslöst. Das Gegenstück zur Konzentration, siehe oben unter "Chicago-New York".

Zum Schluss noch folgendes lustiges Detail: Deutschland wurde nach dem Krieg dezentralisiert, um ein überstarkes Zentrum in Berlin oder sonst wo zu vermeiden. Das hat Deutschland bis heute gestärkt, anstatt es zu schwächen. So kann es laufen, wenn man die Theorie nicht verstanden hat.

Grüße Morpheus


Ja, Dezentralisierung und Regionalisierung sind gute Tendenzen, aber sie lösen nicht das fundamentale Problem, nämlich dass wir alle Schulden zu bedienen haben. Immer. Bis zum Tod. Und dieser Umstand zwangsläufig zu einem verzinsten Geldsystem führt, in dem alles Geld immer dem größten Geldbesitzer zufließt. Und damit jedes Geldsystem ein Ablaufdatum hat. Und es keine nachhaltigen Geldsysteme geben kann, denn wir leben nicht in einem nachhaltigen Universum. Tempus fugit.

Nein, wenn zu viel Geld im Umlauf ist, dann gehen die Zinsen gegen Null. Und das was ich in dem Beitrag eigentlich dargelegt habe, es sind die zu hohen Abgaben, die immer entstehen, die den Kollaps auslösen. Der Staat entzieht der Wirtschaft die Mittel und sie können es durch Mehrarbeit nicht mehr kompensieren. Dann entsteht Deflation durch den Wirtschaftsverlauf oder Inflation durch staatliche Eingriffe überwiegend zur Korrektur der Deflation. Deflation ist immer eine Folge von regionaler Geld-Unterversorgung (Chicago-New York-Problem). Über eine der beiden Formen von Geldkrisen kollabiert jede Herrschaft, wenn es nicht oft wegen der Geldprobleme vorher einen Krieg gibt, um selbige z.B. durch Berauben der Nachbarn zu lösen.

Die zu hohen Abgaben entstehen nur, weil es den Untertanen verboten ist, ihren Egoismus zum wirtschaftlichen Überleben auszuleben. Sie müssen gehorchen und die Herrschenden können ihre Egoismen ausleben und die Wirtschaft/Gesellschaft in die totale Schieflage bringen. Das ist genau das, was man in Deutschland gerade perfekt beobachten kann.

Und die Lösung ist ganz einfach und absolut notwendig. Das Prinzip der Herrschaft von Menschen über Menschen muss abgeschafft werden. Und das geht auch. In meinem Buch steht das alles drin, obwohl ich dabei bin es noch einmal zu überarbeiten, weil man gerade durch solche Diskussionen, immer lernt Dinge besser zu verstehen und auch besser zu kommunizieren.

Wenn es keine Herrschaft mehr gibt und kein Verwaltungsrecht sondern nur noch ein einheitliches Privatrecht, was stets auf Konsens und Freiwilligkeit statt auf Herrschaft und Zwang beruht, dann haben wir ein dauerhaft stabiles System.

Für solche dezentralen Systeme braucht man jedoch einiges an Voraussetzungen und man muss verstehen, dass Steuern für die Bewirtschaftung der Menschen zwingend erforderlich sind. Herrschaftslosigkeit führt sonst zwingend in den Untergang, genau wie der Kommunismus.

Ich hoffe, dass ich ein paar Denkanstöße geben konnte.

Grüße
Morpheus

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Wir - für die unbeschränkbare Freiheit.


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