Voll von Missverständnissen!

Mephistopheles, Freitag, 10.03.2023, 15:51 (vor 403 Tagen) @ Weiner3364 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Freitag, 10.03.2023, 16:17

Lieber BB -

das ist ein sehr schöner und gehaltvoller Text: da hat sich jemand was von der Seele geschrieben ...

Trotzdem, wenn's erlaubt ist, ein paar Anmerkungen bitte!

Nach dem künftigen Ende, dem Kollaps der europäischen Zivilisation,
beginnt einst ganz woanders ein neuer Kulturkreis.
Und dieser ist über Jahrhunderte hinweg per se frei von „Technik“:
Denn „Technik“ gehört erst zur Zivilisation.
Und „Zivilisation“ ist die Epoche, die sich an „Kultur“ anschließt!


Einen neuen Kulturzyklus wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben.

Jeder Kulturzyklus ist ein unvorhersehbares Zufallsereignis ohne Verbindung untereinander.

Wenn man einen Römer gefrgt hätte, welche Kultur auf die seine folgen würde, dann hätte er diese Frage überhaupt nicht beantworten können. Für ihn war Rom, die Antike, die einzig denkbare Kultur.
Die Abfolge von Kulturen war ihm völlig kulturfremd, er konnte sich das nicht vorstellen, da ihm der historische Blick des faustischen Menschen völlig fremd war.

Wenn man ihm, der faustische Mensch als Erklärbär, trotzdem versucht hätte, ihm das zu erläutern, dann hätte er zögerlich als Folgekultur nach der antiken Kultur, unter Umständen die Perser und allenfalls die Gallier benannt; aber unter keinen Umständen das Nomadenvolk der Araber und unter nocjh weniger Umständen die unkultivierten und unkultivierbaren tumben germanischen Barbaren mit ihren Häuptlingen, die am ehesten noch vergleichbar waren mit Indianerhäuptlingen.

Und trotzdem ist es genau so gekommen, auch wenn sich kein Germane und kein Araber der damaligen Zeit, wenn man ihm das erzählt hätte, hätte vorstellen können.

Denn neue Kulturzyklen setzen voraus, dass es Reste einer älteren Kultur gibt, in die man eintreten und von der man 'lernen' will.

Das geht nicht. Verschiedene Kulturen können voneinander nicht lernen. Die Erfindungen der vorangegan Kultur werden vergessen.

Eine Synagoge hat nichts mit einem antiken Tempel und nichts mit einer Moschee und nichts mit einer abendlänischen Kirche zu tun. Auch untereinander haben sie nichts miteinander zu tun.

Da gibt es auch keine Weiterentwicklung. Weder ist die Synagoge, noch die Moschee, noch die abendlämdische Kirche eine Weiterentwicklung des anttiken Tempels.

Das gilt auch für profane Produkte. Eine moderne Waserleitung über zig-Kilometer hinweg ist keineswegs eine Weiterentwicklung des römischen Aquaedukts, eine Autobahn ist keineswegs eine Weiterentwicklung einer römischen gepflastertzen Via, auch wenn antikisierende Stadtväter das meinen und ein paar gepflasterte Straßenstücke bauen, um die Autofahrer zu ärgern.

Die moderne Wasserleitung und die Autobahnen und der Kölner Dom (beispielhaft für viele andere) sind völlige Neuentwicklungen ohne antike Vorbilder. Das gilt auch für die Schrift. Jede Kultur hat ihre eigene Schrift; unsere ist eigentlich die Sütterlinschrift, wenn uns auch ein gewisser antikisierender Führer darum betrogen hat. Gott möge ihn in der Hölle dafür schmoren lassen!
Schriften werden mit dem Untergang von Kulturen regelmäßig vergessen und nie wieder verwendet. Die faustische Kultur mit ihrem eminent historischen Blick ist die einzige Kultur, die sich jemals um die Entzifferung längst vergessener Schriften bemüht hat.

so weit bin ich gekommen.

Sie stzen ferner eine völkische Grundlage mit Herrscherwillen voraus (sowie mit einigen anderen geistigen, seelischen und genetischen Eigenschaften): in der Vergangenheit waren es wandernde Hirten- und Bauernvölker, jederzeit bereit zu Krieg und Eroberung sowie geführt von einer sehr speziellen Häuptlingsklasse. Die haben sich dann die Reste der vorangegangenen Kultur einverleibt, sich an ihr gewärmt und daraus einen neuen Kulturzyklus erschaffen. Die Reste der alten Hochkultur haben wir zwar (bzw. sind wir selbst ...), aber es mangelt an frischem völkischem Blut. Die bisherigen Kulturzyklen waren sämtlich angestoßen worden (einschließlich der chinesischen Zyklen) von so genannten indogermanischen Stämmen bzw. Stammesverbänden, die im weitesten Sinne aus dem eurasischen Raum kamen. Die semitischen und hamitischen (afrikanischen) Wanderer- und Eroberstämme waren bislang nicht begabt genug, um wirkliche Kulturzyklen anzustoßen. Beispielsweise ist der arabische Zyklus (etwa zeitgleich gestartet wie die Merowinger) irgendwo zwischen Larve und Puppe stecken geblieben.

Und auf „unsere“ Epoche seit Karl dem Grossen.


Unsere Epoche beginnt keineswegs mit dem KARLE sonden mit den Merowingern.

Das waren samt und sonders Analphabeten, während die römische Kultur - vll. nicht mehr zu dieser Zeit! - eine ausgeprägte Schriftkultur war.
Das nährt den Verdacht, das du einen Epochenbeginn konstruierst.
Wir haben ausschließlich Zeugnisse über die Merowinger, aber kein einziges Zeugnis von den Merowingern!

Das waren die Häuptlinge der (westlichen) Franken,

Nö. Die Merowinger waren schon bisschen mehr wie Häuptlinge, wie noch Arminius, "Herrmann der Cherusker", einer war.

die sich den Resten des römischen Reiches bzw. der mittelmeerischen Antike über 200 Jahre hinweg annäherten (zB. indem sie in deren Dienste traten als Leibwächter oder Hilfskontingente zur Grenzverteidigung) - um die römischen Reste, d.h. die gallorömische Zivilisation am Ende ganz zu übernehmen.

Nö!
Das ist das grundlegende Missverständnis überhaupt, sozusagen die Basis aler Missverständnisse.
Da gavb es nichts zu übernehmen! Da war nämlich nichts mehr vorhanden.
(In diesem Sinne sind sogar bürgerliche Historiker realistischer. Es gibt hier in der Gegend ein allemannisches Grab aus dem 7. Jh.. Der Dorfhistoriker sopricht von "Landnahme" der Alemannen.
Recht hat er! Die gegend, in der weiteren Nähe von Augsburg, war nämlich leer! Hier gab es keine Menschen.
(übrigsns auch bezeichnend, was die Geschichte Augsburgs betrifft. Angeblich wurde Augsburg um die Zeitenwende gegründet. Es gibt auch historische Zeugnisse von Augusta Vindelicum. Das wurde ausgegraben.

Aber, etwa ab dem 5. Jh. bis zum 8. Jh. gibt es Nichts! Es sscheint sich um eine Neugründung im 8. Jh. ohne Bezug zu der römischen Geschichte, wie genau so bei den anderen sogenannten Römerstädten, zu handeln.

So geschehne in den letzten Jahren des 5. Jahrhunderts. Die Karolinger, nach den Meroweingern, waren schon der zweite "Jahresring".

Bauern, Städte>Megastädte, Kultur>Zivilisation, >Sittlichkeit>Finanzwelt/Demokratie>Chaos>Imperatur>Ende.


Wir haben die IMPERATUR noch nicht gehabt. Die steht im geschichtlichen Raum (als ein Potential) für die nächsten 300-500 Jahre. Die Ansätze zur Imperatur zeigen sich früh (vor Cäsar gab es schon einen Sulla ...), bei 'uns' etwa ab Napoleon, aber es dauert, bis sich sowas richtig entfalten kann. Die Amis haben über die letzten 100 Jahre versucht, ihr Modell von Imperatur zu errichten. Im Moment sind sie leider etwas verstört bzw. gestört worden. Die Imperatur ist aber so zwangsläufig wie der Schmetterling nach Ei, Larve und Puppe.

EINWAND: es wäre denkbar, dass mitten in der Entfaltung der IMPERATUR ein Unglück passiert, sei es ein Asteroideneinschlag oder eine (selbst verursachte) Entgleisung, die dann den Antrieb zur Formung der Imperatur so stark beschädigt, dass der Prozess unterbrochen wird (möglicherweise sich dann nur noch regional und sozusagen im Kleinen festigt). Solche Vorfälle gab es mehrfach schon bei anderen Kulturzyklen, etwa beim Einfall der Europäer in Mittel- und Südamerika. Es handelte sich dabei um ermordete (Mord-) Zivilisationen. Ist also, wie wenn ein Vogel den eben schlüpfenden Schmetterling fräße ...

Wir werden nie zu den Sternen reisen.


Richtig und falsch zugleich. Mit etwas Witz würde ich sagen: "wir" nicht, aber die Chinesen (zusammen mit ein paar Russen ...). Oder ich könnte sagen: 'wir' (d.h. einige von 'uns') sind schon mal gereist und werden wieder abgeholt. Im Übrigen gilt: wenn man durch diese Materie ganz durch ist, stellt man fest, dass man für Sternenreisen eigentlich gar keine Raumschiffe braucht.

Weiner wünscht dem senioren weis(s)en Mann ein schönes Wochenende!

Gruß Mephistopheles


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