Weil die in Südafrika die Kontrolle über ihre Netze haben - und ich befürchte, wir hier u. U. bald nicht mehr. Flächenabschaltungen könnten wir hier auch, und werden wohl auch kommen, hoffentlich.

Hannes, inmitten des Landes S-A d. BRD in der EU, Sonntag, 31.07.2022, 19:32 (vor 16 Tagen) @ Plancius1341 Views

Hallo @Hannes,

vielen Dank für deine qualifizierten Ausführungen.

Nö, bin kein Verteilungsnetze-Spezialist.

So wie ich dich verstehe, können sie in Deutschland mangels qualifiziertem Personal und fehlendem Management einer solchen Situation auf höherer Ebene rollierende Lastabwürfe und unkontrollierte Blackouts nicht managen.

Das glaube ich tatsächlich. Schuld daran ist aber mangelnde Vorbereitung, also die Politik, verkürzt gesagt.

Was ich mich aber hier frage: Warum funktioniert aber ein unterdimensioniertes Energieversorgungssystem incl. schlechter Wartung in Entwicklungs- und Schwellenländern?

Weil die rücksichtslos Flächen von der Versorgung trennen. Und die Industrie dort (auch "die Leute", Zulus, Stämme eben) damit zu leben gelernt haben. Ich schrieb: Manche werdn hier kalt erwischt werden.

In Südafrika ging der staatliche Energieversorger ESKOM auch nach Ende der Apartheid schnell in schwarze Hände. Hier wurden die Jobs auch nicht nach Qualifikation, sondern politischer Treue zum ANC verteilt. Schon nach kurzer Zeit kam es zu Störungen in der Elektroenergieversorgung und heute sind angekündigte Flächenabschaltungen Routine. Jeder Haushalt hat den ESKOM-Abschaltungsplan neben der Haustür angepinnt.

Na, sage ich doch. Wo sind unsere Zeichen an der Wand?
[[hae]]

Es kommt in Entwicklungsländern aber auch häufig zu unkontrollierten Störungen. Insbesondere bei Gewittern und Blitzeinschlägen bzw. Starkregen/Hurrikans haben die Leute und auch die Industrie stunden- oder tagelang keine öffentliche Stromversorgung. Aber die bekommen es auch immer wieder hin, das Netz wieder ans Laufen zu kriegen.

Manuell. Für deren Netze haben sie genügend Leute. Mirko hat das vorhin beschrieben. Irgendwie funktioniert das dann, die Todesrate ist höher, aber die Geburtenrate auch. Dass Funktionen von: "Nulleiter", "Neutralleiter", "Schutzleiter" und so weiter da in praxi schnurzpiepe sind, beschreibt ja @Mirko für die Tschechei auch. In der DDR hatte ich so einen Fall, da hat ein Freizeitelektiker den gegen Erde spannungsführenden blauen Draht (falsch "Nulleiter", es war ein gegen Erde isoliertes 3x220V-System!) auf den Staberder im Hof gelegt, wo Oma eine Etage drüber ihren Schutzleiter für den Kühlschrank (richtig) auch angeklemmt hatte. Der Strom zu Erde erzeugt einen Spannungsfall, den Oma dann am Kühlschrank merkte. Je nachdem, ob sie in Pantoffeln oder barfuß in Nässe steht. Sie wusste nur, dass es "kribbelt" und hat sich entsprechend verhalten, ich glaube Topflappen, geht also. So ähnich geht das in Südafrika, war aber noch nicht da.

Ein Wunder bei den ganzen Knäueln und dem Drahtgewirr, wie sich die Leute da ihren Strom in ihre Häuser und Blechhütten holen. Sieht aber selbst in Los Angeles so aus.

Die Amis haben ja auch keine Berufsausbildung wie wir. Da latscht der Boy halt mit und guckt zu, anfangs darf er nur Schlitze stemmen, dann Grühbirnen wechseln usw.

Ist übrigens fast überall auf der Welt so. Nur wir Deutschen arbeiten zünftig ... was unser Vorteil war (war?!), diese ganze Handwerkerausbildung und die Vorschriften.

Bitte unterscheiden zwischen:

A) Die regionalen Fachleute beherrschen die Situation und schalten selbst bei Bedarf rücksichtslos ab, und:

B) Die regionalen Fachleute werden von der Situation beherrscht und das Europäische Elektroenergieverteilungsnetz schaltet sich kaskadenartig selber ab, unabhängig vom regionalen Bedarf, rücksichtslos, ohne die Bedürfnisse der Europäer zu beachten, und das dann für längere Zeit und überall. Was meine Sorge ist, ich aber nicht glaube, dass es eintreten wird, weil dafür noch genug Fachleute da sind?

Ich erwarte - wie gesagt - hier und da Polizeiautos mit Lautsprecher und Abschaltung renitenter Wohngebiete, Industrieanlagen sowieso, passiert ja schon heute.

Schoenen Sonntag noch.

H.

Gruß Plancius

Dito

--
Eine Hand für den Mann und eine Hand für das Schiff.


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