Es geht überhaupt nicht darum, Spengler zu verstehen

Mephistopheles, Datschiburg, Mittwoch, 03.06.2020, 00:20 (vor 37 Tagen) @ Tempranillo262 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Mittwoch, 03.06.2020, 00:43

sondern ausschließlich darum, seine Prognose zu verstehen.

Du wirfst Spengler vor, die Demokratie (bzw. ihre Verfassungen) als "volkstümlich" zu bezeichnen.


Ich stelle das zunächst wertfrei fest. Im nächsten Schritt bemerke ich, daß Spengler über die Demokratie schreienden Unsinn schreibt.

Demokratie ist für Spengler eine Phase in der Geschichte einer Kultur und zwar eine Phase kurz vor ihrem Ende.

Anscheinend meinst Du, daß nur eine wirklich aus dem Volke stammende Verfassung "volkstümlich" wäre, und interpretierst damit Spengler durch die Brille Deiner eigenen Begriffsvorstellungen und natürlich zwangsläufig falsch.


Ich meine gar nichts und halte mich an die von Spengler verwendeten Ausdrücke.

Ausdrücke ändern sich, in Phasen von political correktnes sogar recht schnell, der Gehalt aber bleibt.
In meiner Jugend war "Fräulein" noch eine ganz neutrale Anrede für eine unverheiratete Frau, heute ist es eine kennzeichnende Differenzierung zu einer Schlampe.

"Volkstümlich" ist bei Spengler, was beim Volke sozusagen "gut ankommt", und wird von ihm durchaus "von oben herab" verwendet.


Beim Volk kommt alles gut an, jedes Gesetzeswerk, nicht nur das demokratische, auch monarchische, faschistische oder kommunistische. Spenglers Feststellung hat also null Aussagekraft. Er verbreitet wieder mal nur Phrasennebel.

Volk ist heutzutage eine Phrase; Spengler würde das kaum bestreiten. Früher, vor wenigen Jahrhunderten war "Volk" ein bewaffneter Haufe, der sich um einen Anführer scharte. Wenn es mehrere Anführer gab, dann sprach man auch von mehreren Völkern.

Du wirfst Spengler vor, die Demokraten als "Herrennaturen" zu bezeichnen.


Ich halte diese Aussage für abenteuerlichen Unsinn.

Nicht die Demokraten sind Herrennaturen, sondern diejenigen die die Demokratie dem Volk aufgezwungen haben sind Herrennaturen. Das Volk wäre aus sich heraus niemals auf diese Idee gekommen.

Dabei mißverstehst Du "Herrennaturen" als gleichsam höherwertige Herrenmenschen, die im positiven Sinne für das Volk wirken (müssen). Demokraten können also per se keine Herrennaturen sein.


Ich verstehe unter einem Herren jemanden, der sich zu beherrschen weiß, nicht von niedersten Instinkten geleitet wird und auch nicht dazu neigt, sich mord- und raubgierigen Rudeln anzuschließen. Ein Herr ist für mich das Gegenteil einer (demokratischen) Hyäne.

Das hört sich nach einer Wunschvorstellung aus einer ideologischen Mottenkiste an.

Für Spengler sind das schlicht die Machtmenschen, die ihre Natur nach zum Herrschen geboren sind. Das bewertet Spengler freilich positiv, aber abseits jeglicher billigen Moral.


Damit kann man auch die Herrschaft des organisierten Verbrechens rechtfertigen, mit dem Recht des Stärkeren und Machtmenschen, der sich, mit welchen Mitteln auch immer durchsetzt und seine Macht, wieder mit welchen Mitteln auch immer aufrechterhält.

Die Herrschaft rechtfertigt sich immer aus sich selbst heraus und braucht dazu keine moralischen Klassifizierungen. Solche benötigen nur die loser ==> die, die unfähig waren, sich zu organisieren.

mo>

Ausgehend von den Begriffen, wie Du sie zu verstehen scheinst (man korrigiere mich), kann die Demokratie nicht zugleich "volkstümlich" sein und von "Herrennaturen" beherrscht werden.


Sage ich nicht und habe ich nie gesagt. Ich repetiere dauernd, daß Demokratie in meinen Augen eine globalistische Gelddiktatur darstellt.

Das ist nicht auf deinem Mist gewachsen, sondern du hast es von Oswald Spengler geklaut. Das "globalistisch" ist neueren Datums und wurde erst mit dem Ausgang des letzten WK. relevant, den Oswald Spengler nicht mehr erlebte. Vorher hieß das, was heute globalistisch ist, einfach "imperialistisch" und die Globalisierung nannte man früher Imperialismus.

Spengler kann nicht zugleich eine (echte) Volksherrschaft mit einer vom Volk selbst formulierten Verfassung gemeint haben, wenn bei ihm die herrschenden Demokraten dem Volke übergeordnete Herrennaturen wären. Beides schließt einander aus. Da diese Begriffsbedeutungen aus Spenglers Werk in keiner Weise hervorgehen, bedeutet das, daß Deine Auffassung des Sinnes des spengler'schen Textes offensichtlich einen inneren Widerspruch aufweist (was Dir gar nicht auffällt), Du ihn nicht begriffen hast und ihm nur mißverstandene Schlagwörter vorwirfst.


Kann man Spengler überhaupt verstehen, seinem Werk einen nachvollziehbaren Sinn entnehmen?

Spengler braucht dein Verständnis nicht. Wenn du ihn nicht verstehst, dann stehst du den Zeitläuften eben gegenüber wie einem undurchdringlichen Nebel.

An Meph und Dir fällt mir auf, daß ihr mir laufend vorwerft, ich hätte Spengler nicht verstanden. Aber was genau, welche Aussagen ich nicht begreife, wird nie deutlich.

Spengler ist wie ein Gesamtkunstwerk. Die Debatte ist genauso sinnlos wie wenn man mit einem Banausen über Beethoven diskutiert. Entweder versteht es einer intuitiv oder eben nie. Nach Marcel Proust kann man sich dem aber nähern, indem man die Kunst intensiv auf sich wirken lässt.

Die ganze Diskussion läuft in sich leer, dreht sich um Definitionsfragen d.h. Spenglers Begriffsbildung, aber die Kernthesen, um die es doch gehen sollte, werden nie dargestellt, abgesehen von hohlem Zeug wie Beschreibungen von Werden und Vergehen, die ich schon verstehe, nur halte ich sie für banal und inhaltsleer; sie dürften sogar ein Ablenkungsmanöver sein.

Die Kernthese ist, dass Hochkulturen unvorhersagbar entstehen, ihren Ursprung haben, ihre Blütetzeit, ihr Erwachsensein, ihre Reife, ihr Alter, ihr Greisentum und danach ihren Tod. Geschichte ist ausschließlich Geschichte von Hochkulturen. Alles andere ist irrelevant und genau so wie der Ablauf der Jahreszeiten.

bedeutet das, daß Deine Auffassung des Sinnes des spengler'schen Textes offensichtlich einen inneren Widerspruch aufweist (was Dir gar nicht auffällt), Du ihn nicht begriffen hast und ihm nur mißverstandene Schlagwörter vorwirfst.


Meine Auffassung weist bestimmt keine inneren Widersprüche auf, sie bestätigt sich sogar laufend, zunehmend seit Januar diesen Jahreszeiten.

Das stimmt. Die Auffassung des Kulturbanausen ist eben dadurch gekennzeichnet, dass sie keine inneren Widersprüche aufweist, aufweisen kann. Innere Widersprüche kommen erst mit dem Verständnis.

Was natürlich sein kann, daß ich Spengler nicht richtig verstanden habe, wozu er jedoch mit seiner schauerlichen Begriffsgebung und einer entsetzlich verdrehten Gedankenführung regelrecht einlädt.

Spengler ist die Beschreibung der Kultur und ihres Endes. Gerade du bist eigentlich nahe daran, wenn du die Kunstwerke der abendländischen Kultur zitierst. Dann musst du sehen: Es war einmal und ist heute unmöglich. Warum?
Bei Oswald Spengler findest du die Antwort.

Tempranillo

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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