Spengler verstehen, geht das überhaupt?

Tempranillo, Dienstag, 02.06.2020, 23:42 (vor 42 Tagen) @ Taurec283 Views
bearbeitet von Tempranillo, Dienstag, 02.06.2020, 23:45

Du wirfst Spengler vor, die Demokratie (bzw. ihre Verfassungen) als "volkstümlich" zu bezeichnen.

Ich stelle das zunächst wertfrei fest. Im nächsten Schritt bemerke ich, daß Spengler über die Demokratie schreienden Unsinn schreibt.

Anscheinend meinst Du, daß nur eine wirklich aus dem Volke stammende Verfassung "volkstümlich" wäre, und interpretierst damit Spengler durch die Brille Deiner eigenen Begriffsvorstellungen und natürlich zwangsläufig falsch.

Ich meine gar nichts und halte mich an die von Spengler verwendeten Ausdrücke.

"Volkstümlich" ist bei Spengler, was beim Volke sozusagen "gut ankommt", und wird von ihm durchaus "von oben herab" verwendet.

Beim Volk kommt alles gut an, jedes Gesetzeswerk, nicht nur das demokratische, auch monarchische, faschistische oder kommunistische. Spenglers Feststellung hat also null Aussagekraft. Er verbreitet wieder mal nur Phrasennebel.

Du wirfst Spengler vor, die Demokraten als "Herrennaturen" zu bezeichnen.

Ich halte diese Aussage für abenteuerlichen Unsinn.

Dabei mißverstehst Du "Herrennaturen" als gleichsam höherwertige Herrenmenschen, die im positiven Sinne für das Volk wirken (müssen). Demokraten können also per se keine Herrennaturen sein.

Ich verstehe unter einem Herren jemanden, der sich zu beherrschen weiß, nicht von niedersten Instinkten geleitet wird und auch nicht dazu neigt, sich mord- und raubgierigen Rudeln anzuschließen. Ein Herr ist für mich das Gegenteil einer (demokratischen) Hyäne.

Für Spengler sind das schlicht die Machtmenschen, die ihre Natur nach zum Herrschen geboren sind. Das bewertet Spengler freilich positiv, aber abseits jeglicher billigen Moral.

Damit kann man auch die Herrschaft des organisierten Verbrechens rechtfertigen, mit dem Recht des Stärkeren und Machtmenschen, der sich, mit welchen Mitteln auch immer durchsetzt und seine Macht, wieder mit welchen Mitteln auch immer aufrechterhält.

Ausgehend von den Begriffen, wie Du sie zu verstehen scheinst (man korrigiere mich), kann die Demokratie nicht zugleich "volkstümlich" sein und von "Herrennaturen" beherrscht werden.

Sage ich nicht und habe ich nie gesagt. Ich repetiere dauernd, daß Demokratie in meinen Augen eine globalistische Gelddiktatur darstellt.

Spengler kann nicht zugleich eine (echte) Volksherrschaft mit einer vom Volk selbst formulierten Verfassung gemeint haben, wenn bei ihm die herrschenden Demokraten dem Volke übergeordnete Herrennaturen wären. Beides schließt einander aus. Da diese Begriffsbedeutungen aus Spenglers Werk in keiner Weise hervorgehen, bedeutet das, daß Deine Auffassung des Sinnes des spengler'schen Textes offensichtlich einen inneren Widerspruch aufweist (was Dir gar nicht auffällt), Du ihn nicht begriffen hast und ihm nur mißverstandene Schlagwörter vorwirfst.

Kann man Spengler überhaupt verstehen, seinem Werk einen nachvollziehbaren Sinn entnehmen?

An Meph und Dir fällt mir auf, daß ihr mir laufend vorwerft, ich hätte Spengler nicht verstanden. Aber was genau, welche Aussagen ich nicht begreife, wird nie deutlich.

Die ganze Diskussion läuft in sich leer, dreht sich um Definitionsfragen d.h. Spenglers Begriffsbildung, aber die Kernthesen, um die es doch gehen sollte, werden nie dargestellt, abgesehen von hohlem Zeug wie Beschreibungen von Werden und Vergehen, die ich schon verstehe, nur halte ich sie für banal und inhaltsleer; sie dürften sogar ein Ablenkungsmanöver sein.

bedeutet das, daß Deine Auffassung des Sinnes des spengler'schen Textes offensichtlich einen inneren Widerspruch aufweist (was Dir gar nicht auffällt), Du ihn nicht begriffen hast und ihm nur mißverstandene Schlagwörter vorwirfst.

Meine Auffassung weist bestimmt keine inneren Widersprüche auf, sie bestätigt sich sogar laufend, zunehmend seit Januar diesen Jahres.

Was natürlich sein kann, daß ich Spengler nicht richtig verstanden habe, wozu er jedoch mit seiner schauerlichen Begriffsgebung und einer entsetzlich verdrehten Gedankenführung regelrecht einlädt.

Tempranillo

--
*Die Demokratie bildet die spanische Wand, hinter der sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen eine etwaige Empörung des Volkes*, (Francis Delaisi).


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