Hallo Rybezahl

Jacques, Samstag, 12.09.2020, 18:47 (vor 7 Tagen) @ Rybezahl505 Views
bearbeitet von Jacques, Samstag, 12.09.2020, 19:45

Deine Überlegungen zur Schuldenkette stimmen natürlich.

Nüchtern betrachtet schätze ich bei uns ca. 5-10% aller privaten Unternehmungen diesbezügl. als gefährdet (bezogen auf die Leistungsfähigkeit aller Unternehmungen = 100%)

Es sind das neugegründete Unternehmungen, die mehr oder weniger von der Hand in den Mund leben, noch keine Reserven angelegt haben etc. Weiter sind das Gaststätten, FitnessClubs, Freizeitanlagen etc. etc. mit Publikumsverkehr, wenn man "Geld übrig" hat.

Viele der kleineren und mittleren Unternehmungen existieren aber schon 10,20,30 Jahre lang. Die haben in anderen Zeiten schon arges durchgemacht: Von der CHF Aufwertung, über 9/11, Oelschock in den 70ziger etc. etc. Die haben erstens Reserven und zweites meist auch ein erprobtes Krisenmanagement. Ingesamt schätze ich den Einfluss der Schuldenkette als gegeben, aber weder systemkritisch noch zukunftsbestimmend. Allerdings unter der Annahme, dass ein zweiter LockClown (...) nicht kommt.

Der wird in der Schweiz mit Sicherheit NICHT kommen. Der Bundesrat ist erstens überrascht, welche fin. Forderungen nun im Zuge der Covid-19 Nachwehen kommen (oft unbegründet) und zweitens sind die Wirtschaftsverbände in der CH relativ stark und mit hohem Einfluss auf die Politik. Das Parlament wird einen zweiten Alleingang des Bundesrates nicht dulden, ebenso übertriebene oder auch unterlassene Massnahmen (Grenzschliessung Italien wäre essenziell gewesen).

Nochmals zur Schuldenkette: Der Bund springt grosszügig für private Unternehmungen mit Kredithilfen ein. Die sind mit einer relativ grosszügigen Rückzahlungsfrist ausgestattet. Ein systemrelevantes reissen der Schuldenkette schliesse ich in der CH aus: Was aber nicht heisst, dass andernorts tatsächlich zur grossen Schwierigkeiten führen kann. Ich denke da an ehemalige Oststaaten aber auch etwa an Spanien.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass bei uns der Bundesrat und ALLE grossen Player in unserem Land exzellente Arbeit geleistet haben. So hat der Bundesrat z.B. genau dein geortetes Problem der Schuldenkette frühzeitig erkannt: Und mit den Grossbanken sehr unbürokratisch ein Lösung für UN mit Liqui Schwierigkeiten gefunden:
Der Bund gab Darlehen und als administratives Vehikel für die Abwicklung benutzte er die Grossbanken resp. deren Kreditabteilungen. Stell dir diese Massnahme in anderen Ländern vor: Der Bundestag würde vermutlich heute noch darüber palavern. Diese Lösung wurde innert 2 Wochen geboren und umgesetzt. Und sie funktioniert.

Ich will unser Land nicht über den Klee loben: Aber eines muss man unserer Exekutive und einigen sehr sehr fähigen Chefbeamten in Bern lassen. Wenn der Schaden schon angerichtet wurde, man geht bis jetzt über alles gesehen recht gut damit um. Einige Chefbeamte (vor allem aus Justiz und Wirtschaft) sind besser als 2/3 der Bundesräte. Eine Feststellung, die mich recht beruhigte. Und: Mit unserem förderativen System hat der Bund rechtzeitig das Notrecht aufgerufen um LANDESWEIT über die Kantone hinweg, zu bestimmen und durchzusetzen. Auch das war eine Meisterleistung und sorgte in Wirtschaftskreisen sprich für Unternehmer und Arbeitnehmer für Sicherheit. Der Schweizer lehnt zentralistische Tendenzen per se ab, aber hier waren sie nötig und wurden geduldet.

Abgeschweift - aber das Thema Schuldenkette ist enorm wichtig und wurde frühzeitig erkannt.

Beste Grüsse

--
Wer denkt, kann lenken. Wer nicht denkt, wird gelenkt.


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