Guten Tag Helmut - zur CH

Jacques, Samstag, 12.09.2020, 09:30 (vor 10 Tagen) @ helmut-11477 Views
bearbeitet von Jacques, Samstag, 12.09.2020, 09:55

Danke für deine Nachfrage nach einem Stimmungsbild.
Etwas unhöflich von mir, aber im Sinne einer Abgrenzung des generellen Meinungsbildes nötig, bestreite ich zuerst den von dir angeführten "Niedergang der Volkswirtschaften".

Was klar ist: An den Börsen rund um den Globus erholten sich die Börsen relativ rasch (V Erholung, das habe falsch eingeschätzt). Gemessen an den erwarteten BIP Rückgängen eigentlich viel zu stark. Börse bildet aber nicht den IST-Zustand, sondern eine projezierten/erwarteten Zustand ab.

Zur Schweiz
Die Tourismusbranche nimmt erheblichen Schaden. Es fehlen v.a. die japanischen und chinesischen Gäste. Es sprangen stattdessen zum Teil (notgedrungen) wir Schweizer selbst ein - heisst. "Wir" machen wieder vermehrt im eigenen Land Ferien. Positiv auffallend ist, dass ein Austausch der Regionen stattfindet. Viele Leute aus der Romandie machen plötzlich im Osten der Schweiz z.B. Appenzellerland Ferien. Mit einer sehr raschen Massnahme hat der Bundesrat dafür gesorgt, dass in der Branche und überhaupt rasch Kurzarbeitsentschädigung beansprucht werden kann. Der Lockdown kam allerdings in die Zwischensaison, so dass der Effekt dort nicht so gross ist. Hingegen schreckte der Lockdown vor Buchungen in der Hauptsaison (ab Juli) ab.
In der Investitionsgüterbranche ist zu unterscheiden: Bei sehr langlebigen Gütern (wie etwa Züge) und nicht privaten Bestellern ist der Einbruch deutlich schwächer ausgefallen. Bei langlebigen Gütern (Maschinen, Werkzeuge) in der Maschinenbaubranche brachen die Auftragseingänge weg. Erste Spuren zeichnen sich auch bei den Investitionen für Industriebauten und Büros ab: Der eine und andere Grossbau wird verschoben oder sogar gecancelt.
Die Schweiz erlebt seit Jahren einen ungebrochenen Bauboom. Lockdowns wurden nicht für Baustellen ausgerufen. Dort läuft mehr oder minder als normal resp. auch jetzt noch auf Hochtouren.

Zulieferer von Autozubehör sind auch rasch in Kurzarbeit gegangen. Das wird sich aber wieder normalisieren.

Für Veranstalter und Kleinkünstler ist die Situation eine Katastrophe. Hier sind Konkurse und viele Härtefälle zu erwarten.

In Einkaufszentren ist feststellbar, dass doch relativ viele ältere Menschen sich gut schützen und bewusst andere Einkaufszeiten wählen. Der Konsum ist sogar gestiegen, Baumärkte&Gartencenter (nachdem sie wieder offen waren) sprechen von sagenhaften Verkaufsquoten.

Wo die Covid Sache am meisten Spuren hinterlassen hat: Behörden. Sehr rasch keine persönlichen Besuche mehr, Sitzungen und Termine abgesagt, ewige Wartezeiten. Es hatte fast den Anschein, als komme die Situation nicht ungelegen. Z.T. habe ich Machtdemonstrationen pur erlebt, anstelle dessen gesunder Menschenverstand zu einer guten Lösung geführt hätte.
Mit einem Wort: Die private Wirtschaft paddelt ums Überleben, das Beamtentum produziert(e) auf Sparflamme.

Im öffentlichen Verkehr akzeptieren die Fahrgäste die Auflagen. Es kommt vereinzelt zu Diskussionen. Vorsichtshalber wird in Zügen auch gedroht "Geschätzte Gäste, soeben mussten wir an der letzten Haltestelle einen Passagier aus dem Zug weisen, beachten Sie bitte die Maskenpflicht des Bundesrates).

Banken, Versicherungen, Post funktioniert ohne für mich erkennbare Leistungseinbusse. Dasselbe gilt für die Landwirtschaft, die es vielenorts geschafft hat, rasch Verkaufspunkte mit lokalen Erzeugnissen anzubieten.

Uhren- und Schmuckindustrie leidet (indirekt weggebrochener Tourismus).

Leider ist die öffentliche Meinung immer noch stark von Covid-Zahlen infiziert und schürt weiterhin Ängste.
Man zählt Erbsen und die täglichen Infizierten und nennt das in allen Nachrichten des öffentlichen Rundfunks. Private Sender sind da nicht ganz an vorderster Front. Leider wird zuwenig auf Verhältniszahlen verwiesen, die dem normalen Bürger erlauben, das Ganze besser einzuordnen.

Auf Unternehmerseite ist ein opportunistisches Bild feststellbar: Viele machen den Zauber nach aussen mit, in persönlichen Gesprächen geht man aber Locker damit um. Einige und die man auch persönlich kennt und Vertrauen hat: Da schüttel ich auch die Hand und sitze im normalen Sitzabstand. Es setzt sich aber schon die Meinung fest, dass die Risikogruppen für sich selber verantwortlich sind.

Hoffe, du kannst dir etwa ein Bild machen, was in der CH so geht (wenigstens aus meinem Blickwinkel).

Beste Grüsse

PS: Die Kreditindustrie freut sich, der Bund hat Abermilliarden verteilt.

--
Wer denkt, kann lenken. Wer nicht denkt, wird gelenkt.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.