Humankapital haftet für Produktion, nicht für Gläubiger

Miesepeter, Sonntag, 02.08.2020, 21:34 (vor 12 Tagen) @ Mephistopheles927 Views
bearbeitet von Miesepeter, Sonntag, 02.08.2020, 21:47

Hi Meph,

eine kleine Unaufmerksamkeit:

Sie können zwar, nach dem klassischen Zitat von Talleyrand, verbieten, dass niemand mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstpreis verlangen kann; sie können aber nicht gebieten, dass einer seine ware zu diesem Preis auch anbietet.

Das ist von Talleyrand vielleicht etwas zu sehr durch die humanistische Brille betrachtet: Stalin oder Hitler konnten das ganz gut. Gerade las ich auf dem Blog des Inventors über seinen Vater, in einem Brief an die Heimat:

Vor ein paar Tagen hatten wir 2 Schwarzhändler, die Öl zu teuer verkauft hatten, aufgehängt. Da war ich wieder mit meinen Lautsprecherwagen unten in den Straßen. Die Kommune hat uns sogar Beifall geklatscht und wollte am nächsten Tag wieder 2 aufgehängt haben. In dem Stil wird es wohl so weiter gehen. –

Das ist nun ein dreiviertel Jahrhundert her, und die Metoden waren, der Zeit geschuldet, grobschlächtig. Ohne Zweifel gibt es auch elegantere Möglichkeiten, den Produzenten Angebote zu machen, die sie nicht ablehnen können.

Fatal wird es für eine Volkswirtschaft erst dann, wenn trotz allen Geldes und allen Zwanges nicht mehr produziert werden kann. Weil vielleicht die vorgelagerten Lieferketten gerissen sind. Weil vielleicht die Produktionsanlagen zerstört sind. Weil vielleicht Fellachen die Produktionseinheiten übernommen haben, und sie nicht effektiv zu bedienen wissen.


ca. 100 Milliarden (nach einer Schätzung). Aber ich weiß, den Rest deckt der Staat mit seinem Humankapital. [[rofl]]
Ach ne, das ist ja nicht lustig, sondern ernst. Im Endeffekt haftet das Humankapital, über das der Staat verfügen kann.

Ja, aber anders als ein Gläubiger sich die Haftung vorstellt. Sie haften nicht für die Rückzahlung eines Kredits, sondern für die Aufrecherhaltung der wirtschaftlichen Maschine. Der sogenannte Gläubiger interessiert letztendlich einen Staat nur dann, wenn er ihm gefährlich werden kann.

Ob ein Staat überschuldet ist, misst sich nicht nur daran, ob er dem Schulden- und Tilgungsdienst nicht mehr nachkommt.


Der Staat wird sein Humankapital einsetzen zur Deckung der Schulden.

Nein, sondern zur Aufrechterhaltung des Staates. Die Schulden und Guthaben sind nur ein Instrument, der Staat wird sie jederzeit umdimensionieren, wenn es ihm nötig erscheint. Wenn er das nicht kann, wird ein anderer Staat es für ihn machen.

Der Sinn einer debitistischen Geldwirtschaft ist, die bewirtschafteten Bürger dazu zu bringen, möglichst viel zu leisten (und möglichst viel der Leistung abzugeben). Solange ein Geldsystem das bewirkt, wird es aufrechterhalten. Wenn es das nicht mehr bewirkt, kommen früher oder später andere Massnahmen zur Anwendung, mit dem gleichen Ziel.

Gruss,
mp


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