Geld kauft nie, es bezahlt (edit)

Miesepeter, Donnerstag, 04.08.2022, 12:21 (vor 14 Tagen) @ Ashitaka1690 Views
bearbeitet von Miesepeter, Donnerstag, 04.08.2022, 13:15

Hi Ashitaka,

Es bezahlt/löscht eine Schuld. Das kann es sukzessive durchaus mehrmals tun, ohne dass das Zahlungsmittel/Geld verschwindet.

Erst wenn das Geld eine Schuld bei der Notenbank bezahlt, verschwindet es aus deren Bilanz rund somit auch aus dem Geldkreislauf und kann somit nicht mehr zur weiteren Bezahlung genutzt werden.

In Fragen der zukünftigen Inflation/Deflation und der Preisentwicklung viel entscheidender als die das Gestern abbildende Notenbankbilanz sind jedoch andere Faktoren, und zwar die

- Verschuldungsfähigkeit und -willigkeit der Wirtschaftsteilnehmer (denn diese kauft/fragt nach)
- Leistungsfähigkeit und -willigkeit der Wirtschaftsteilnehmer (denn diese bietet an)

Ich behaupte, wir stehen kurz vor dem ersten Schub. Ob man nun auf die Debt Payment Rates, die Elliott-Wellen-Analysen oder eigene Betrachtungen der Zyklen/Schwingungen im Phasenraum vertraut. Kurzfristige Steilanstiege als letzte Zuckungen nicht ausgeschlossen.

Ohne diesen technischen Kram frage ich ganz einfach: Wie sieht es also aus mit der Verschuldungsfähigkeit und -willigkeit sowie Leistungsfähigkeit und -willigkeit der Wirtschaftsteilnehmer? Ist diese in einem erwartbar langfristig ausgelegten Wachstum begriffen, oder sieht es so aus, als wenn Leistung an allen Ecken und Enden wegbricht?

Das negative Entfaltungspotential im Großen und Kleinen ist seit 1929 nicht so groß gewesen.
Wir können uns nur bedingt vorbereiten. Cash ist King! Das werden die Menschen erst wahrhaben, wenn der Umkehrpunkt im Großen durchlaufen wurde und die ersten Schübe ihre gewaltigen Preiskorrekturen am Finanz- und Immobilienmarkt mit sich bringen. Dass es so kommt steht außer Frage. Das Preis- und Zinsgefüge blockiert global die Auftragspotentiale der industriellen Schwergewichte, macht es den Konsumenten am kreditbasierten Anfang und Ende des Geld-/Machtkreislaufes unmöglich, die Angebote abzuräumen, zu finanzieren, weiter zu träumen.

Das gilt nur solange, bis die Staaten wie jener deutsche Staat in 1933ff mittels staatlicher Nachfrage/Verschuldung die Wirtschaft umbauen und die Produktion auf Dinge auslegen, welche die private Nachfrage vorher nicht hergab, begleitet von einer schönen Erzählung. Das erweckt dann die Konsumträume der Konsumenten nicht zu neuem Leben, diese werden jedoch durch neue Träume ersetzt, und die ehemaligen Konsumenten werden trotzdem glücklich sein, zumindest bis sie irgendwann wieder einmal aufwachen.

So mag Cash nun King sein - das ist durchaus plausibel, denn die Inflation (der Schulden/Guthaben) ist News von gestern, und die nunmehr laufende Teuerung hat viele Ursachen, beruht jedoch (noch) im wesentlichen auf Entwicklungen von essentiellen Gütern, die Monopolen oder (künstlichen) Knappheiten unterliegen. Wenn diese Knappheiten weiter kultiviert werden, werden vielleicht noch Raviolidosen King, oder Antibiotika-Vorräte.

Irgendwann muss dieses Cash jedoch wieder umgetauscht werden in reale Investitionen. Seien es nun Raviolidosen, Levisjeans, Immobilien, Gold oder Aktien von Siemens Energy. Und da liegt die grosse Herausforderung, denn der Staat wird bis dahin viel tiefer in die privaten Eigentumsrechte und die Fungibilität privaten Eigentums eingreifen, als er das bisher getan hat. Eigentum wird wieder mit erheblichen Verpflichtungen einhergehen*. Womöglich wird tatsächlich derjenige glücklicher sein, der dann keines mehr hat [[zwinker]]

* Ausnahmen und Sonderregelungen gelten für Ritter der Wirtschaft und Edelleute mit einem Nettovermögen über 10 Mrd und/oder mit qualifizierendem Stammbaum

Gruss,
mp


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