Vorfinanzierung durch Rheingold
Auch da bin ich dem Forum hier sehr dankbar, weil Vorfinanzierung ein Thema ist, dass so gut wie nirgends zu finden ist. Auch bei Karl Marx ist das Geld einfach da (der Unternehmer-Ausbeuter hat immer einen Sack voll Geld unterm Schreibtisch), bei anderen Geldkritikern ein blinder Fleck.
Hier im Forum aber ein zentrales Thema.
Autobiographisch muß ich gestehen, bei mir anfangs war Vorfinanzierung ein blinder Fleck.
Großbürgerlich aufgewachsen, waren Kredite und Vorfinanzierung nicht so das Thema.
Meine altsprachliche Schule verstand sich traditionell als Kaderschmiede für den Nachwuchs der Verwaltung des preußischen Königs und späteren deutschen Kaiser (deswegen war das Görres zu meiner Zeit noch staatlich, nicht städtisch), die bekommen ihre Apanagen bereits am 1. des Monats. Selbst Konsumentenkredite vertrugen sich nicht mit dem Selbstbild eines aufrechten, unbestechlichen preussischen Beamten.
Meine Klassenkameraden kamen auch aus den ersten Familien der Stadt, alles altes Geld, über Generationen vererbt. Die mußten dann aus Standesdünkel erst Görres, dann Jura-Studium, dann Doktor jur machen, danach bekam man sowieso die Aufsichtsratsposten von Papi zugeteilt, dort warten zugekaufte Fachkräfte mit wirtschaftlichem Sachverstand, die alles unterschriftsreif vorlegen, das Jura-Studium ist allerdings nötig, um das zu Unterschreibende zu verstehen. 
Die Künstlerfreunde kannten auch nicht wirklich Vorfinanzierung. Entweder waren sie als Regisseure, Sänger oder Schauspieler bei Theatern beschäftigt, hatten seinerzeit also fast Beamtenstatus oder es waren bildende Künstler. Bei der bildenden Kunst ist die Wertschöpfung extrem hoch, der Wareneinsatz gering. Ein Kunstwerk eines zeitgenössischen Künstlers konnte im Preis auch damals schon stark variieren, war aber schon damals deutlich im vierstelligen Bereich, da ist die Vorfinanzierung von 1 qm Leinwand plus Rahmen und Farbe nicht wirklich relevant.
Ich habe allerdings schon viele Freunde und Bekannte gehabt, die als Unternehmer mit tollen Ideen, sogar gutlaufenden Betrieben über fehlende oder falsch eingeschätzte Vorfinanzierungen "gestolpert" sind und alles oder fast alles verloren.
Zum Thema der Vorfinanzierung hatte ich mir das so gedacht:
Rheingold verstehe ich als ein empirisches Projekt, also learning by doing. Fertige Lösungen sind nur gedanklich vorhanden und müßten praktisch erprobt und dann verbessert werden.
Durch die Erst-Emission ergibt sich bereits eine Vorfinanzierung, wenngleich in einem äußerst geringen Umfang. Der Bäcker-Emittent kann damit den Druck der Emission "vor"finanzieren plus vielleicht ein Sack Mehl, dann war es das. Aber es zeigt doch auf, dass Vorfinanzierung mit Rheingold praktisch geht.
Ich möchte dabei bemerken, dass Vorfinanzierung einen Kredit voraussetzt, die Erst-Emission ist allerdings kein Kredit, insofern ist das Bild "Vorfinanzierung" sachlich falsch, eine Erst-Emission hat aber den Effekt, den eine klassische Vorfinanzierung erreicht.
Aber man kann ja mal denken, wie Vorfinanzierung bei einer ausreichend großen Anzahl von Teilnehmern günstig und vorteilhaft realisiert werden könnte.
Nehmen wir einfach mal das Beispiel einer privat finanzierten Waldorfschule, dessen Heizung erneuert werden muß.
Lösung beim alten Geld:
Die Waldorfschule geht zu ihrer Hausbank, verpfändet das Grundstück, die neue Ölheizung und die Einnahmen aus Schulgeldern für die nächsten Jahre, daraufhin schöpft die Geschäftsbank neues Geld durch Bilanzverlängerung und berechnet Zins und Tilgung.
Wenn nicht bereits vorhersehend eingepreist, wird die Schule die Schulgelder um Zins und Tilgung erhöhen müssen, um die zusätzliche Belastung zu stemmen.
Lösung beim Rheingold
Die Eltern der Schüler und die Schule selbst emittieren zusätzlich und projektbezogen die entsprechende Summe, die die Schule braucht, um die Ölheizung zu bezahlen und garantieren diese Emission durch ihre Leistungskraft.
Die Gesamtsumme des neu geschöpften Geldes wird in einem klassischen Darlehensvertrag der Schule geliehen.
Die Emission wird ähnlich getilgt wie bei der Bank (Bilanzverkürzung)
Mit jeder Tilgung werden die entsprechenden Rheingold-Scheine wie bei der Geschäftsbank vernichtet, so dass am Ende der Laufzeit wieder mögliche Emissionen zur Verfügung stehen, um weiter Projekte der Rheingold-Gemeinschaft zum gemeinsamen Wohl vorzufinanzieren.
Allerdings verbilligt sich die Vorfinanzierung um den Zins. Je nach Laufzeit und Zinshöhe sprechen wir über recht hohe Beträge, die der Rheingold-Gemeinschaft, die ja auch den klassischen Weg der Euro-Finanzierung durch Geschäftsbanken hätte wählen können, als zusätzliche Kaufkraft erhalten bleiben.