Es gibt Mutanten, Gottseidank!

Weiner, Samstag, 15.01.2022, 10:21 (vor 128 Tagen) @ NST892 Views

Hallo NST,

Du liegst mit Deinen Auffassungen (fast) immer richtig, so auch hier. Zu einem gewissen Prozentsatz schlagen aber auch in der Schlafschafherde die Wildformen durch oder es bilden sich Mutanten.

Was geschieht, wenn der Freiheitsdrang übermächtig wird? Ganz eigenartig: diese Wildformen und Mutanten wollen Leithammel, Schafhirten oder gar Herdenbesitzer werden. Denn ihr Freiheitsdrang hat kein anderes (Vor-) Bild, an das er sich halten könnte. Sie sind genauso konditioniert wie die Schafe, die nach unten aufs Gras schauen, wiederkauen, gemolken, geschoren und geschlachtet werden. Nur dass die Wilden und Mutanten nach oben wollen, den Aufstieg in die Riege der Schafhirten - die aber auch nur Schafe sind. Das bedeutet dann Rangkämpfe und Spaltungen, Vernichtungen und Fusionen der Herde. Und das macht dann die menschliche Weltgeschichte aus.

Deshalb: wer wirklich die Freiheit geschmeckt hat und sucht, der strebt nicht nach der Schafsfreiheit sondern nach Wandlung. Er wird die Herde, die Schafhirten und die Eigentümer, ja das Schafsein an sich verlassen. Das ist der wahre Weg der Freiheit, und er ist bei Weitem anstrengender, als Du es beschrieben hast.

Es gibt dabei aber ein Kuriosum: man kann die Herde einerseits komplett verlassen und doch andererseits ganz unauffällig in ihr weiterleben. Schafe dieser Art erkennt man, wenn überhaupt, nur an ihren Augen und ihrem besonderen Blick (oder, wenn man seine Augen schließt, an ihrer Ausstrahlung). Man sollte sich vor ihnen sehr in Acht nehmen, denn sie sind gefährlich.

Und das ganz Kuriose ist: man findet diese unsichtbaren, gewandelten Wilden sowohl in der Schafherde, wie auch bei den Schafhirten - ja sogar bei den Herdenbesitzern ... die ja auch nur Schafe sind.

Mit rätselhaften Grüßen vom Planet der Affen, Weiner


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