Kultur ist kein Erbe, sondern Wischiwaschi
Guten Tag,
Das Erbe kann man allerdings ablehnen. man sollte dann sich aber nicht
beschweren, wenn man von den Leistungen der Vorfahren nichts mehr erhält
und diese anderen zugute kommen.
Ich verrenne mich auch gerne mal in meinen kruden Thesen. Zum Wohl der eigenen intellektuellen Redlichkeit und einer gehobenen Diskussionskultur muss man aber auch mal die Reißleine ziehen, andernfalls bleibt nur Dogmatik.
Ein Erbe ist etwa, was mir als Gesamtpaket zum Zeitpunkt x aufgesack wird. Kultur wird nicht ererbt, sondern erlernt. Ich werde als deutscher geboren und lerne die deutsche Sprache kennen, „Der kleine Wassermann“ oder „Mein Kampf“ als Gutennachtgeschichte, mit Messer und Gabel zu essen, Mozart und die Rolling Stones, Weißwurst und Bier, den Schulbetrieb, das Berufseben usw. usf.
Das ich mir vieles davon nicht aussuchen kann, spielt Deiner Erbschaftgeschichte für meine Begriffe nicht hinreichend in die Karten.
Werde ich nach meiner deutschen Geburt von Franzosen adoptiert, lerne ich Französisch und den weiteren französischen Kulturkrempel kennen. Werde ich mit 12 Jahren von Franzosen adoptiert werde ich mich nach 30 Jahren garantiert mehr dem französischen Kulturkreis zugehörig fühlen als dem deutschen Kulturkreis. Und wen es mit 40 Jahren beruflich für 20 Jahre zu Samsung ins wunderschöne Seoul verschlägt, wird sich garantier etliche koreanische Kulturtechniken einverleiben wie z.B. koreanische Unternehmenskultur.
Vielfach ist der Kultur auch nur ein aufgesetzter Egotrip um sich von anderen abzuheben. Der Spandauer hält sich nicht für einen Berliner und der Bayer für was besonders, dem kann man sich hingeben oder man lässt es bleiben.
Kultur ist in der Regel keine klar abgegrenzte Enklave, sondern Wischiwaschi.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider