Eben nicht

Mephistopheles, Mittwoch, 29.01.2020, 17:40 (vor 2204 Tagen) @ Tempranillo4883 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Mittwoch, 29.01.2020, 17:45

Sagt bereits Oswald Spengler. Die verschiedenen Kulturen verstehen
einander untereinander nicht. Es ist unmöglich, eine fremde Kultur zu
verstehen. Aber das wird in betäubender Oberflächlichkeit heute nicht
mehr vestanden.


Damit sagt Spengler, der sich lang und breit über uralte Kulturen
ausläßt, die Sumers, Babylons und Ägyptens, daß man sein Werk auf den
Müll schmeißen kann.

Quod erat demonstrandum!

Diese Aussage ist potenzierte Spengler-Sch...! Erstens schießt er sich
damit selbst ins Bein, und zweitens ist sie kapitaler Blödsinn.

Selbstverständlich ist es möglich, fremde Kulturen zu verstehen,
vielleicht nicht zu hundert Prozent, aber annäherungsweise ganz sicher,
wobei Fremdsprachenkenntnisse das Verständnis wesentlich erleichtern.

Tempranillo

oh Mann, ich kann mich nicht jetzt auch noch mit Sprachwissenschaft beschäftigen: Nur so viel: Jede Übersetzung ist ein neues Werk, ein Kunstwerk. Wir verstehen nicht, was der ursprüngliche Autor meinte. wir übersetzen nur das, was wir meinen. Die Klügeren wissen das. Warum glaubst du, dass es 100e von Übersetzungen der Bibel gibt und jedes Jahr ein paar Neue? Warum verstehen wir heute die erste Lutherbibel kaum mehr, obwohl der Autor aus demselben Kulturkreis stammt wie wir?
Kein Mensch kann die Offenbarung übersetzen, weil wir das Weltbild, das dahinter steht, nicht kennen. Ohne dieses Weltbild ist aber jede Übersetzung Murks.Das gilt auch für die Evangelien. Was wir übersetzen, spiegelt allenfalls unser - vorgegebenes - Weltbild wider; niemals aber das des Autors.
Konotationen. Jedes Wort ist mit einer Wolke von Nebenbedeutungen verknüpft, die alle aus der Kultur des Autors stammen, und ohne Kenntnis sämtlicher Nebenbedeutungen ist ein volles Verständnis unmöglich. Jedes Wort hat in unterschiedlichen Zusammenhängen eine unterschiedliche Bedeutung. Aber wenn man da tiefer einsteigt, dann kann man mit Noam Chomsky um den nächsten Nobelpreis konkurrieren.
Bei Übersetungen aus unserem Kulturkreis wie Don Qichote oder Ulysses haben wir unsere Schwierigkeiten, kein ernstzunehmender Übersetzer wird behaupten, diese beiden Werke vollständig verstanden zu haben. Genau so geht es natürlich ausländischen Autoren, welche sich bemühen, das Werke des slawischen Untermenschen[[zwinker]] Robert Musil oder Goethes Faust in eine andere Sprache zu übersetzen. Es fehlt immer was.

Gruß Mephistopheles


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