Geld-Theorie im Gelben
Hallo,
in diesem Faden begann im Verlauf der Zeit die Diskussion, wie ich dazu komme, den Debitismus und dottores Macht-Theorie in Frage zu stellen oder umzudefinieren. Hier im Faden unter dem Film OECONOMIA, gab es auch ein paar sehr interessante Diskussionen. Ich würde diese Diskussionen gerne noch einmal zusammenfassen.
Prinzipiell beruht Geld auf Macht. Diese Erkenntnis von dottore war bahnbrechend. Er konnte dies an vielen historischen Beispielen belegen. Auch die Erkenntnis, dass es heute kein Kapital gibt, sondern nur Schulden, sowie dass Geld kein Tauschmittel ist, können nur als revolutionär betrachtet werden. Dass die Machtausübung der Herrscher nur schädlich ist für die Gesellschaften, sehe ich heute, anders als dottore und z.B. @MausS, nicht mehr. Geld ist eine historische Entwicklung und es haben sich beständig Geld und Beherrschungsformen durchgesetzt, die günstiger waren für die gesellschaftlichen Entwicklungen. Gesellschaften bilden eine eigene Form von Ökosystem, die sich ökonomisch und durch Kriege bekämpfen.
Heute sehe ich den Machtaspekt von Geld deshalb deutlich anders. Die Beherrschung der Menschen mittels Geldes war das hilfreichste System, um die Entwicklung der Menschheit voranzubringen. Denn die Bewirtschaftung der Menschen mittels Geldes, erlaubte den Bewirtschafteten ein Leben in Freiheit, was sich, wegen seiner Leistungsfähigkeit gegenüber allen anderen Beherrschungsformen durchgesetzt hat. Überall dort, wo die Beherrschung der Menschen verloren ging oder geht, sind die Gesellschaften danach untergegangen. Das ist mit meiner Sicht leicht zu erklären: Geld erzeugt 1) einen Arbeitszwang und 2) einen Vorausplanungzwang. Wenn diese beiden Aspekte in einer Gesellschaft verloren gehen, weil ihre Einhaltung nicht erzwungen wird, gehen die Gesellschaften unter und danach prägt sich dann stets wieder das von dottore als widernatürlich angesehene Machtsystem erneut aus. Was nach meiner Überzeugung sich ausprägte, weil es für die gesamte menschliche Population günstiger war und ist. Dottore und ich sehen ein Zweiklassen-System. Beide sind wir der Meinung, die Herrscher verhalten sich parasitär. Ich erkenne zusätzlich einen Konsens, zwischen Herrschern und Beherrschten, der sich bis heute fortsetzt. Der Konsens lautet, Führung ist notwendig, Steuern müssen sein. Dafür setzt sich auch der Beherrscher erheblichen Risiken aus, die seine Untertanen so nicht kennen. Herrschaft kann sinnvoll sein, wenn sie Maß halten würde. Für mich entstand der Konsens zwischen Herrschern und Beherrschten mit Beginn der neolithischen Revolution. Damals wurden in erheblichem Umfang Menschen von Menschen getötet, beraubt und versklavt, weil die menschlichen Populationen zu groß wurden. Diese Form der Aggression innerhalb einer Spezies kann man auch bei Ratten beobachten, wenn die Populationen zu groß werden.
In dieser Zeit wurde die Grundlage des Systems gelegt, nach dem wir alle heute noch leben:
1. Feste Territorien, weil nur so das Konzept Schutz funktioniert, was die Sesshaftwerdung erklärt
2. Starke Menschen (Räuber) die schwache Menschen (Beraubte) schützen. Die Räuber werden statt der willkürlichen Wegnahme der Beute mit vordefinierten Leistungen versorgt. Die Schwachen dürfen dabei (im Idealfall) ihre Freiheit behalten, wenn sie nur ihre Abgaben stets leisten. Falls sie das nicht tun, sind Willkürstrafen (Gewalt) notwendig.
Das dieser Konsens auch für die Schwachen klar von Vorteil ist. Das ist der Grund, warum diese, für dottore negative Form des Zusammenlebens, nach jedem Untergang stets wieder auflebte. Aus verständlichen Gründen konzentrierte sich die Frage hier im Forum stets darauf: wie lange kann das Spiel noch laufen? Dottore warnte seit den 1980er Jahren vor dem Untergang und konzentrierte seine Betrachtungen sehr stark auf das Thema Schulden, zusätzliches Geld für den Zins und Staatsschulden.
Bei den zusätzlichen Geld für die Zinsen sehe ich die Sachte genau so wie @Beo2 das hier unter „Erstens“ darstellt. Die zeitlichen Probleme bei der Geldbeschaffung gibt es nicht, solange genug Geld im Umlauf ist. Diese Finanzierungslücke hat zwar auch mit dem Zeitablauf zu tun, aber ist primär räumlich bedingt ist. Weil sich Geld in bestimmten Regionen konzentriert und in anderen Regionen ein regionaler Geld-Mangel entsteht, kommt es dort zu Deflation und Zahlungsausfällen. Dieser räumliche Geldmangel ist die Ursache aller Geldprobleme, die wir heute haben. Der entsteht nur, weil die Gebiete, in denen man dasselbe Geld verwendet, zu groß sind. Wenn in einem kleinen Gebiet, wie sagen wir die Stadt Dortmund, 1 Mrd „Fantasius“ als Geld umlaufen würden, die das Dortmunder Stadtgebiet nicht verlassen würden, dann läge der monatliche Tilgungsbedarf (ein bis drei Prozent der Geldmenge, bei 10 bis 30 Millionen Fantasius. Warum sollten so viele Schuldner das Fantasius nicht zusammenbringen, dass es eine Bank gefährden kann. Das könnte nur dann passieren, wenn es innerhalb des Stadtgebiets extrem viele Geld-Horter gäbe, die Geld dem Kreislauf dauerhaft entziehen. Wenn man davon ausgeht, dass der Schuldenstand und mit ihm die Geldmenge nicht dauerhaft sinkt, sollten das Geld durch neue Kredite (die nur die Tilgung ausgleichen) und das aus den Zinsgewinnen zirkulierende Geld der Banken ausreichen, um sehr langfristig die Mehrheit der Kredite bedienbar zu halten. Ganz anders sieht es aus, wenn Dortmund 1Mrd Euro verwendet und die Euros Dortmund völlig unbemerkt verlassen können, weil Steuern nach Düsseldorf und Berlin abfließen sowie Millionen von Produkten mehr von auswärts gekauft werden, als in Dortmund selbst hergestellt und „exportiert“ werden. Wenn darüber jedes Jahr netto 50 Millionen Euro verschwinden, wären in 10 Jahren 500 Millionen aus der Region verschwunden. Die Menschen wären jetzt bereits deutlich ärmer und pro Jahr würden dann vielleicht nur noch 20 Mio Euro Dortmund verlassen können. In 10 Jahren wären so wieder 200 Millionen weg. Wenn nur noch 300 Mio Euro an Guthaben der 1 Mrd an Schulden gegenüberstehen, bekommen die Dortmunder Schuldner sicher inzwischen Schwierigkeiten ihr Geld für die monatlichen Tilgungen zusammen zu bekommen. Denn das wären jetzt bis zu 10% der gesamten lokal vorhandenen Geldmenge, die monatliche über die Schuldner an die Gläubiger fließen müsste. Und mit jedem weiteren Geld-Abfluss und jeder Insolvenz zieht sich die Schlinge um den Hals der Schuldner weiter zu.
Hier im Forum und seitens der Zentralbänker wurde und wird stets der gesamten Währungsraum als eine Einheit betrachtet. Sogar ohne Währungsabflüsse ins Ausland zu beachten. Das ist allenfalls gesamtwirtschaftlich vielleicht richtig, aber bezogen auf das Tilgungs- und Einkaufsvermögen einzelner Gruppen definitiv falsch. Wenn es einzelne Berufsgruppen trifft, die gleichmäßig über das Währungsgebiet verteilt auftreten, macht sich das nicht störend bemerkbar. Dann sind die betroffenen Menschen sehr arm und vielleicht können die Schuldner der betroffenen Branchen ihre Kredite nicht bedienen. Das gefährdet aber in der Regel keine Bank. Wenn solche verarmten Gruppen aber regional gehäuft auftreten, sind von dem sich entwickelnden Geldmangel alle Gewerbetreibenden der Region gleichermaßen betroffen. Dann kann die Mehrheit der dortigen Menschen nur wenig und nur zu niedrigsten Preisen kaufen. Was in ländlichen Regionen Ostdeutschland sehr gut zu beobachten ist. Z.B. die Bäcker bieten ihre Produkte extrem günstig an, zahlen aber auch nur sehr wenig Lohn. In solchen Regionen tätige Banken sind relativ stark gefährdet.
Dasselbe anders ausgedrückt: Die Geldmenge zu betrachten ist meiner Meinung nach sehr wichtig, wenn man sie richtig und zwar regional betrachtet. Zentralbanken achten nur auf das ständige Wachsen der Geldmenge, weil sie (inzwischen irrtümlich, früher korrekter Weise) hoffen, dass dadurch eine gleichmäßige Geldversorgung entsteht. Weil Geldmengen nicht regional betrachtet werden, kommt es zu einem langsamen Absterben der Wirtschaft in unterversorgten Gebieten (heute landwirtschaftlich und von der Rohstoffgewinnung geprägte Regionen) und zu einer Inflation in überversorgten Gebieten (Finanz- und IT-Wirtschaftsgebiete). Deflation entsteht aus (regionaler) Unterversorgung mit Geld. In unterversorgten Regionen fallen die Preise und natürlich kommen die Schuldner deshalb in Schwierigkeiten, weil das Geld/Gold (regional) fehlt, mit dem Schuldner ihre Schulden tilgen könnten. Sie können nur schwer Geld verdienen, weil kaum jemand welches hat. Geld konzentriert sich dort wo die Reichen und Erfolgreichen leben, die Gewinne machen, und wird von ihnen durch Horten aus dem Kreislauf genommen. Inflation entsteht durch Überversorgung von Personen und Unternehmen mit Geld, also dort wo der Geldbeschaffungszwang nachlässt. Deflation ist eine natürliche Entwicklung, weil sich Geld bei erfolgreichen Unternehmen und Regionen konzentriert, weil dort Gewinne erwirtschaftet werden. Inflation entsteht, wenn der Machthaber versucht einer Unterversorgung entgegenzuwirken und beim Verteilen von Geld zu großzügig ist oder die Besteuerung von Personen/Unternehmen zu ungleichmäßig macht, so dass einige zu viel Kapital akkumulieren können.
Kreditgeld hat sich gegenüber dem Vollgeld durchgesetzt, weil Kreditgeld die anfängliche Verteilung mit Geld optimal organisiert. Denn Vollgeld lässt sich beim besten Willen nicht über große Gebiete verteilen. Und wenn @Beo2 hier die Bank deutscher Länder als Erfolgsmodell anpreist, dann konnte das damals durch die Ausgabe von Kopfgeld einmalig so organisiert werden. Aber leider wäre danach keine Flächendeckende Geldversorgung ohne das Kreditgeld der Banken möglich gewesen. Denn die heutige Geldversorgung der Zentralbanken, führt seit Jahren nur zu einer weiteren Überversorgung des Finanzsektors mit Geld. Was zwar zu inflationierten Aktien- und Häuserpreisen führte, aber in der normalen Bevölkerung nie ankam. Erst mit Corona konnte das geändert werden.
Kredite gab es, zur Zwischenfinanzierung von Abgabeschulden schon seit Ewigkeiten. Kredite beinhalten, wie Abgaben, den Geldbeschaffungszwang der Schuldner, was den Geldwert ausmacht. Sie sind deshalb hervorragend geeignet das dauerhafte Problem der Geldverteilung recht langfristig zu lösen. Vom WEF und anderen wird zwecks Geldverteilung oft von dem Modell des bedingungslosen Grundeinkommens geschwafelt. Dieses Grundeinkommen muss jedoch die eingebauten Selbstheilungskraft des Geldes „Inflation“ aktivieren. Das können wir aktuell gerader hervorragend beobachten. Durch die Corona-Maßnahmen wurde sehr viel Geld gleichmäßig verteilt und sofort wird diese Verteilung durch steigende Preise neutralisiert. Was allerdings sehr gefährlich für die Währungen ist, denn sobald es zum Entsparen oder enthorten kommt, kann sehr schnell eine Hyperinflation starten. Meine Frage an @Beo2 oder andere Vertreter des Vollgeldsystems, wie will ein Staat sein Geld oder vielleicht sogar eine Weltregierung ihr Geld sinnvoll und gerecht verteilen? Es gibt da leider nur sehr wenige und sehr beschränkte Möglichkeiten. Was kann sinnvoller und gerechter sein, als freiwillige Kreditaufnahme? Deshalb hat sich das Kreditgeld nämlich durchgesetzt und mit Recht. Das Verteilungsproblem haben auch globale Krypto-Währungen, die deshalb niemals als Geld funktionieren können. Sie nutzen für ihre Verteilung heute parasitär die vorhandenen Geldsysteme. Gold ist, weil es ebenfalls global verwendbar ist, eine extrem ungünstige Form von Geld, die durch Konzentration und Unterversorgung zu Kriegen führen muss.
Die Lösung muss meiner Meinung nach in einer regionalen Begrenzung des Geldumlaufs liegen, der riesige Vorteile hat, bei einigen (lösbaren) Schwierigkeiten für überregionale Konzerne. Diese Schwierigkeiten sind mMn sogar wünschenswert, denn leider begünstigt das zentrale Geld die Entwicklung von Konzernen, was man an deren seit Jahren zunehmenden Dominanz erkennen kann.
Den Aspekt von Staatsanleihen würde ich gerne ausblenden, weil diese ein nachgelagertes Thema sind. Ansonsten freue ich mich sehr auf eine fachliche Diskussion.
Grüße
Morpheus
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