Zur Verortung der grünen Khmer

Miesepeter, Montag, 03.05.2021, 12:45 (vor 15 Tagen) @ NST402 Views
bearbeitet von Miesepeter, Montag, 03.05.2021, 12:50

Wenn diese Welle im Westen anlandet und das wird sie, da bin ich gespannt was hier getextet wird, falls dann überhaupt noch jemand textet. Ich habe die Asienkrise hier überlebt - das heute ist um Faktoren extremer. Damals konnte ich noch zurück nach D - inzwischen weiss ich durch gelernte Erfahrung, wenn ich es hier nicht schaffe - dann würde ein Zurück, der direkte Abstieg in den Höllenschlund bedeuten .... folglich ist das Überleben hier absolut alternativlos ... hier geht das Leben zu Ende, im Normalfall durch einen natürlichen Abgang durch den Kamin im Tempel Krematorium ... oder eben anders.

PS: die ganzen Diskussionen, welche ich nur noch am Rande mitverfolge - würde ich inzwischen unter Grüne Khmer Visionen verbuchen und deren speziellen Befindlichkeiten einordnen ..... offenbar haben die schon hier übernommen. Grüne Khmer ist eben Sozialismus pur - und der Vorläufer war der klassische Sozialstaat. Wie sagte schon sinngemäss @Oblomow - was runter will ... soll man nicht aufhalten - sondern stossen --- genau so ist es.

Die grünen Khmer sind keine puren Sozialisten. Es sind Bürgerliche, die anderen den Sozialismus predigen, aber selbst davon profitieren möchten. Im politischen Koordinatensystem sind sie zwischen den Sozialdemokraten ("demokratischer Sozialismus") und echten Sozialisten angesiedelt. Sie wollen einen autoritäreren und regulierenderen Sozialismus als die Sozialdemokraten, aber - im Gegensatz zu echten Sozialisten - unter Beibehaltung privaten Eigentums an den Produktionsmitteln.

Genau das war natürlich auch die politische Verortung der NSDAP: Mehr Sozialismus und Regulierung für die Massen als die SPD, aber Beibehaltung der Privatwirtschaft und deren Aufrechterhaltung durch staatlich gelenkte Nachfrage.

Es ist der erwartbare Versuch, das System aufrechtzuerhalten, indem man die wirtschaftlichen Folgen der Überschuldung/Überverguthabung für die (potentiell revolutionäre) breite Masse solange wie möglich abfedert - bis es eines Tages eben gar nicht mehr geht, auch nicht mit Notstandsgesetzgebung und unter Waffenzwang. Die möglichen Haltbarkeiten von Kommandowirtschaften sollte man aber nicht unterschätzen, die DDR hat sich über 40 Jahre lang gehalten.

In Thailand lässt man die Dinge offenbar lieber laufen, die Thais sind vermutlich leidensfähiger und an den Überlebenskampf als Teil des Lebens gewöhnt. Der Europäer ist das nicht, und es bestehen doch wenig Zweifel daran, dass in Europa, im Falle katastrophaler Wirtschaftsfolgen für die Mehrheit der Bürger, relativ zügig "revolutionäre" Parteien an die Hebel der Macht gehievt würden, welche dann alle Machtmittel des Staates dafür einsetzen werden, der Masse die notwendigen Lebensmittel zuzuteilen. Wie gesagt, der finale Zusammenbruch erfolgt erst, wenn dies auch unter Einsatz aller möglichen Gewalt nicht mehr machbar ist.

Die Grünen sind dabei noch weit weg von dem, was zu erwarten ist, mit ihrem Versuch, das System zu erhalten, indem sie sowohl Verzicht wie auch marktfremde Wachstumsoptionen durch massive positive Propaganda und gesetzgeberisches "Nudging" irgendwie konsensfähig machen. Die Grünen sind erheblich bürgerlicher als die NSDAP, die sich in der gleichen Situation befand. Vermutlich sind sie selbst nur eine Übergangspartei, und es werden sich im weiteren Verlauf noch radikalere Retter ("Khmer") vorstellen.

Gruss,
mp


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