Die Unterschiede zu 89 werden gross sein

Miesepeter, Donnerstag, 10.09.2020, 16:03 (vor 12 Tagen) @ Rybezahl1632 Views
bearbeitet von Miesepeter, Donnerstag, 10.09.2020, 16:17

Hallo,

der größte Unterschied zum "friedlichen Reset" 1989 wird wohl der sein, dass sich damals dem Kapitalismus neue Märkte und damit weiteres Aufschuldungspotential erschlossen hat. Jetzt ist das nicht mehr so.

Hi Rybezahl,

es gäbe schon noch ein paar Möglichkeiten:

1) Russland und China haben noch grosses Verschuldungspotential. Wenn die ihre Märkte aufmachen würden, so dass sich US Unternehmen verschulden könnten, um dann dort alle Assets aufzukaufen zb. Nur leider spielen die Chinesen und Russen nicht mit.

2) Auch Afrika ist unbelastet. Leider gibt es dort keine Rechtssysteme, welche Eigentum ausreichend garantieren könnten. Aber vielleicht könnte man die von aussen einführen und aufrechterhalten?

Ob man es noch schaffen wird, solche Expansionsversuche zu intensivieren, steht in den Sternen. Momentan sieht es eher nicht so aus.

In einem Krieg werden die Assets einer Wirtschaft zerstört (bei den Verlierern) - somit die Beleihungsgrundlagen. Bei grossflächiger Zerstörung muss bzw. kann dort der Verschuldungskreislauf wieder bei Null begonnen werden.

Die USA als Kriegssieger haben es nach dem 2. Weltkrieg geschafft, durch finanzielle Repression über 30 Jahre (1945 - 1975, Höchststeuersätze bis zu 93%) zb die Staatsverschuldung gemessen am BIP von 120% auf 40% zu senken, ohne dass es zu einer deflationären Depression gekommen ist oder die Bevölkerung sich als versklavt empfunden hat: im Gegenteil, heute trauert man den Zeiten nach.


Durch eine scharfe Ökogesetzgebung könnten die Assets auch virtuell zerstört werden: sie werden für zerstört erklärt und müssen nun umweltfreundlich saniert oder wiederaufgebaut werden. So wie die Zerstörung hierbei grösstenteils in der Ideenwelt stattfindet, so könnte auch die Nullsetzung des Verschuldungskreislaufs in die Ideenwelt verlegt werden, indem man zb per Moratorium (oder ewigen Nullzins für Altschulden) die heutige Basis einfach als Stunde Null / neue Ausgangsbasis erklärt.

Die Betrachtungen der Vergangenheit haben alle ein Schwäche: sie übersehen, dass die Akteure aus der Vergangenheit gelernt haben, und so wie ein kommender Weltkrieg nicht mit den Waffen und Strategien des vergangenen Weltkriegs ausgetragen werden wird, so wird ein kommender Reset mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mit den Instrumenten vergangener Resets bewirkt werden. Es ist auch unwahrscheinlich, dass er überall gleich ablaufen wird, oder überall erfolgreich sein wird. Es wird mit Sicherheit einige Gesellschaften geben, die statt eines Resets auf eine staatliche Wirtschaftslenkung (Sozialismus) setzen werden, welcher ja eigentlich ein Reset auf sehr lange Raten ist, ein langsamer Abbau der Assets über Konfiszierung, Abnutzung und Verschleiss.

Nirgendwo ist das mE wahrscheinlicher als in Westeuropa, auch wenn viele Leute im Westen vordergründig Angst vor dem Sozialismus haben. Im Osten gibt es nicht wenige, die ihn noch erlebt haben, die ihn sich zurück wünschen. Für die Mehrheit der Bevölkerung ändert sich dabei nicht viel: ein bisschen weniger Konsum, ein bisschen mehr Ideologie. Interessant wird es sein zu sehen, wo dann in 20 Jahren die neuen Mauern zwischen den sozialistischen und den kapitalistischen Gesellschaften stehen werden.

Gruss,
mp


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