Dann erklär mir doch bitte mal, warum die Vorfinanzierung für den Staat ein Problem ist, für den Häuslebauer jedoch nicht

Morpheus, Montag, 05.09.2022, 17:32 (vor 1263 Tagen) @ MausS4320 Views

Lieber MausS,

Du kannst/willst nur nicht zugeben, dass beim Debitismus einiges einfach nicht zusammenpasst.

Wenn ein Häuslebauer seinen Kredit beantragt, wird genau durchgerechnet, er hat monatliche Einnahmen E und Ausgaben A, wobei sich aus A den Zinsen Z, der Tilgung T, den Betriebskosten B und den Lebenshaltungskosten L zusammensetzt.
Wenn E - B - L > T + Z ist, wird der Kredit genehmigt, und wenn nichts unvorhergesehenes dazukommt, warum soll der Kredit nicht regelmäßig bedient werden.
Warum soll das beim Staat anders sein? Er hat auch seine Vorfinanzierungskosten, die Jahr für Jahr, wenn die Ausgaben nicht steigen würden, jedes Jahr genauso finanzierbar wären. Das die Ausgaben Jahr für Jahr ansteigen, liegt an den politischen Notwendigkeiten, die Herrschende erfüllen müssen, aber es gibt keine mathematische Notwendigkeit. Die lässt sich beim besten Willen nicht konstruieren.

Weil genau wie der Häuslebauer, würden bei Staat die Steuerzahler jedes Jahr für dieselben Einnahmen sorgen und der Staat könnte seine Aufgaben erfüllen.

Die Notwendigkeit die Ausgaben zu erhöhen ist eine politische, keine wirtschaftliche. Und da lag der Fehler von dottore. Er hat an der falschen Stelle gesucht und man kann nichts konstruieren, wo nichts ist.

Klar kommen die westlichen Volkswirtschaften aktuell alle in riesige Probleme, aber wenn die USA ein Außenhandelsdefizit von 50 Mrd pro Monat haben, dann verschwinden 600 Mrd pro Jahr aus dem Geldkreislauf der USA. Diese fehlen natürlich für die Tilgung. In zehn Jahren sind das 6.000 Milliarden, natürlich muss da immer mehr Geld nachgeführt werden, damit Kredite noch bedient oder Banken nicht pleite gehen können. Gerade weil es innerhalb der USA selbst auch noch ein innerstaatliches Verteilungsproblem gibt. Es gibt also schon Gründe für diese Krisen, auch in Europa. Denn auch aus Griechenland ist viel Geld nach Deutschland geströmt. Die Target2-Salden zeigen das deutlich. Dass die Griechen ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil das dafür erforderliche Geld in Griechenland nicht mehr kursiert, sondern in Deutschland, ist doch wohl einfach zu erfassen.

Die Krise, die dottore in der Quantität der Schulden, gesucht hat, ist kein quantitatives Problem des insgesamt umlaufenden Geldes oder der Gesamtschulden sondern ein Problem der räumlichen Verteilung des Geldes. Die Probleme treten in den Regionen auf, die wirtschaftlich abgehängt sind, wo die Menschen durch den einheitlichen Währungsraum zwar die Kaufkraft behalten, aber keinen Geldrückfluss mehr bekommen. Früher, wo die Drachme oder die Lira bei Geldabfluss stark abgewertet hatten, machten die Deutschen dann in großer Zahl billigen Urlaub in Italien und Griechenland. Diesen Billigurlaub machen heute alle Europäer nur noch in der Türkei oder anderen Nicht-Euro-Ländern.
Und so floss aus GR und IT immer weiter Geld ab, bis es zum Kollaps der Banken kam, die alles kursierende Geld ja immer durch Kreditvergabe bereitgestellt hatten. Denn bis 2008 gab es nur Kreditgeld.

Vielleicht kannst Du ja zu diesen konkreten Argumenten mal etwas gegenteiliges sagen oder mir erklären, warum die Target2-Salden etwas ganz anderes erklären, als den Abfluss der Gelder aus dem Süden nach Deutschland. Und wie die Menschen/Firmen dort ihre Kredite tilgen sollen, wenn dort eben regional nur noch viel zu wenig Geld vorhanden ist.

Erklär mir bitte, wo mein Argumentationsfehler liegt. Und bitte nicht wie bislang immer in der Form: dottore hat das aber 2005 alles schon für die Sammlung beschrieben. Formuliere bitte mal ein eigenständiges inhaltliches Argument/Gegenargument, um die ich mich im Sinne des allgemeinen Erkenntnisgewinns auch bemühe.

Grüße
Morpheus

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