Freiheit bedeutet NICHT auf Gesellschaft verzichten zu müssen

Morpheus, Freitag, 02.09.2022, 03:21 (vor 1267 Tagen) @ Beo24732 Views

Lieber Beo2

wenn man Freiheit richtig definiert:
Menschen sind frei, wenn sie einen Konsens erleben, nach dem jeder die unbeschränkbare Selbstbestimmung aller anderen Menschen anerkennt.

Das ist wohl unzweifelhaft eine richtige Definition von Freiheit, oder?

Dann kannst Du diese Freiheit beibehalten und sie durch gesellschaftliche notwendige/sinnvolle Regeln erweitern, OHNE das die Freiheit eingeschränkt wird.

Wird der Konsens erweitert, indem wechselseitig (in freiwilliger Ausübung der Selbstbestimmung) auf einen kleinen Teil der individuellen Freiheit verzichtet wird, gewinnen sowohl der Einzelne als auch die Gemeinschaft an Sicherheit. Beide sparen auf diese Weise Ressourcen und können ihre (Handlungs‑)Freiheit erweitern.

Denn niemand schränkt die Freiheit eines anderen ein, was eine Verletzung der Freiheit darstellen würde. Wenn aber alle auf freiwillig auf einen (kleinen) Teil ihrer eigenen Selbstbestimmung verzichten, dann tun sie das in Ausübung ihrer Selbstbestimmung also innerhalb ihrer Freiheit, natürlich OHNE selbige zu verletzten.

Deshalb könnte man Dein folgendes Szenario wählen, aber

Es ist doch ganz einfach : Ziehe dich aus der menschlichen Zivilisation zurück. Gehe in den abgelegenen Regenwald .. dort findest Du deine "Freiheit". Es gibt noch genug davon für Dich, und auch die steinzeitlichen Waldvölker, die dich aufnehmen werden. Und überlassen "uns", die gesellschaftliche Herrschaft neu zu gestalten.

es ist eben unnötig und es wäre dumm. Weil Herrschaft prinzipiell niemals dauerhaft funktionieren kann. Herrschaft ist ohne "Gehorchen" unmöglich. Gehorchen führt zu einem Ungleichgewicht, bei dem die Herrschenden ihre Interessen gegen die Untertanen durchsetzen können. In der Folge beanspruchen die Herrschenden zu viele Ressourcen für die Erfüllung ihrer Interessen oder denen ihrer Freunde. In der Folge werden die für die Untertanen bereitstehenden Ressourcen zu knapp. Und die Gesellschaft kollabiert früher oder später. Das kann durch Eroberung seitens einer Nachbarmacht erfolgen, durch eine Revolution der Untertanen, durch interne Rivalen der Herrschenden, durch gemeinsames Verhungern, oder oder. Wie ist letztlich egal.

Das Problem, was wir heute haben ist, dass die Autonomie unserer Bevölkerung nicht mehr gegeben ist, wie das bis um das Jahr 1950 noch gegeben war. In den USA vielleicht nur bis 1945. Danach hat sich durch die Welle der Verstädterung eine Eliminierung der auf dem Lande vorhandenen Redundanz ergeben und die Arbeitsteilung hat sich dramatisch erhöht, so dass die Mehrheit der Menschen einen gesellschaftlichen Kollaps, der solange es Herrschaft gibt unvermeidbar ist, nicht überleben würde.

Ich hoffe das ist verständlich ausgedrückt. Wie dieser Kollaps immer wieder anbahnt bzw. sich bemerkbar macht, ist im Geldsystem. Dazu kann ich Dir diesen Blog-Beitrag zu Deflation und Inflation nahelegen.

Jedesmal, wenn ich derartige Diskussionen führe gelingt es mir den Inhalt meiner Botschaft weiter zu Kürzen. Ich danke Dir für Deinen Beitrag. Wenn Du einen Fehler siehst, oder etwas nicht verstehst, weil ich mich vielleicht schlecht ausgedrückt habe, wäre ich Dir für eine erneute Rückkopplung sehr dankbar.

Wie die Menschen ihre Freiheit ausgestalten, wird kommunal vielleicht sehr unterschiedlich werden, weil die Voraussetzungen ja auch sehr unterschiedlich sind. Es bleibt sehr sinnvoll für bestimmte Aufgaben-Gebiete eine Zusammenarbeit in größeren Einheiten zu organisieren. Das ist auch nicht unmöglich. Heute gibt es zwei Rechtssysteme, ein Verwaltungsrecht und ein Recht für die freie Wirtschaft, was Menschen und Wirtschaft spaltet. Diese Unterschiede wird es zukünftig nicht mehr geben. Die Gesellschaft wird gleicher, gleichberechtigter und damit gerechter werden.

Was jedoch unverzichtbar sein muss, dass wir uns in angemessener Höhe Steuern abverlangen, um uns gemeinsam zum Arbeiten zu zwingen. Würden wir das nicht tun, würden wir unsere Gesellschaften dem Untergang durch Mangel aussetzen. Denn daran ist der Kommunismus, dem ähnliche Ideen zugrunde lagen, untergegangen. Weil ohne angemessene Steuerforderungen bekommt Geld keinen Wert und es kann seine Funktion als Motor der menschlichen Entwicklung nicht mehr übernehmen.

Für Feedback möchte ich mich bereits vorab bedanken.

Grüße
Morpheus

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