Wie funktioniert denn eigentlich die Mobilisierung und Einberufung von Wehrpflichtigen in Deutschland für einen Bündnis-/Verteidigungsfall?

Plancius, Dienstag, 10.01.2023, 11:06 (vor 22 Tagen) @ Ankawor4597 Views
bearbeitet von Plancius, Dienstag, 10.01.2023, 11:13

Je mehr wir in den Ukrainekrieg hineingezogen werden, desto eher stellt sich auch die Frage nach der Einberufung von deutschen Soldaten für den Kampf in der Ukraine. In Polen sollen ja schon mehrere 100.000 Soldaten für einen Einsatz in der Ukraine bereitstehen.

Wie würde das ganze aber in Deutschland ablaufen?

Wir haben ja die Wehrpflicht schon seit etlichen Jahren abgeschafft. Die paar Berufssoldaten in der Bundeswehr reichen ja bei weitem nicht aus, um ein schlagkräftiges Expeditionskorps in die Ukraine zu entsenden. Außerdem werden ja die meisten Berufssoldaten in Deutschland selbst für einen eventuellen Verteidigungsfall benötigt.

Wie würde denn eine Mobilisierung von wehrfähigen Männern, die noch nie eine militärische Ausbildung genossen haben, bei uns überhaupt aussehen?

Ich habe mal meinen Großvater vor vielen Jahren gefragt, wie es denn bei ihm ablief, als er 1941 eingezogen wurde. Er sagte mir, dass er auch keinen Wehrdienst in der Reichswehr/Wehrmacht gelistet hatte und auch kein Reservist war. Ihn hat man einberufen, er wurde eingekleidet, er bekam eine 4wöchige Ausbildung in einer Kaserne in Wohnortnähe, wie man ein Flak-Geschütz bedient, ihm zeigt man die Dienstgrade anhand der Schulterstücke, wem er zu gehorchen habe und dann gings ab an die Ostfront, bis man ihn dann in der Schlacht vor Moskau gefangen nahm.

Heute heißt es immer, dass Soldaten eine mehrmonatige oder mehrjährige Ausbildung für einen Einsatz an der Front benötigen. Wenn ich aber all die kleinen Videos aus dem Kriegsgebiet sehe, dann hausen die Soldaten in provisorischen Unterständen und bewegen sich mit der Kalaschnikow in der Hand durch irgendwelche Schützengräben. Im Hinterland befinden sich Artilleriestellungen, die remote (vielleicht sogar aus Ramstein) bedient werden und dann ihre Stellung wechseln. Die Masse an Soldaten kämpft aber wohl noch Mann gegen Mann wenige Hundert Meter entfernt im Schützengraben wie im ersten Weltkrieg.

Ich kann mir vorstellen, dass das dann bei einer Mobilisierungswelle hier genauso ablaufen wird wie bei meinem Großvater. Man wird eingekleidet, bekommt eine MPi in die Hand, man übt ein paar Würfe mit der Handgranate und dann geht's ab als Kanonenfutter in ein feuchtes Erdloch vor Bachmut. Alles praktisch so wie vor mehr als 100 Jahren. Nur dass dieses mal die Verabschiedung auf dem Bahnhof mit der Blasmusikkapelle fehlt.

Aber welche Motivation und welchen Kampfgeist hätte denn eine solche zusammengeschusterte Armee? Das wären ja wirklich nur irgendwelche Bauern auf dem Schachbrett, die ein etwas besser motivierter oder ausgebildeter Gegner mühelos vom Brett fegen kann. Noch dazu, wo man weiß, dass zur selben Zeit die Millionen von Ausländern, flüchtigen Ukrainer usw. hier in Deutschland in warmen Wohnungen sitzen und gemütlich Kaffee vor dem Brandenburger Tor trinken.

Kann aber auch sein, dass es gar nicht so läuft und wir praktisch gar nicht mehr in der Lage sind, überhaupt ungediente Männer für einen Krieg zu mobilisieren. Vielleicht fehlts ja schon an Socken, Stiefeln oder Stahlhelmen.

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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