Kleiner Lagebericht aus Australien (mT)

DT, Sonntag, 20.11.2022, 20:16 (vor 7 Tagen)5808 Views
bearbeitet von DT, Sonntag, 20.11.2022, 20:39

Zum Glück haben die Australier noch den Optimismus und die Kohle, um sich deutsches High-Tech leisten zu können, während die Grünen Khmer bei uns im Land alles kurz und klein schlagen.

In Australien herrscht ein gesunder Optimismus. Man spürt kaum etwas von Energie- oder Klimakrise. An den Tankstellen sind Preise von 1,70 AUD für den Liter Benzin (1,10 EUR) und 2,20 AUD für den Liter Diesel (1,42 EUR) der Standard.

Man sieht hier im Süden Australiens viele echte Geländewagen umherfahren, so vom Typ Toyota Land Cruiser mit Ansaugstutzen bis zum Dachrand, damit man am Wochenende durch die kleinen Flüsse durchfahren kann.

In meiner Zeit hier gab es interessanterweise die kältesten Temperaturen seit Menschengedenken. Der November entspricht auf der Südhalbkugel ja unserem Mai, und Temperaturen von 5°C nachts und nur 12-13°C tagsüber sind für Melbourne, das ja im Januar durchaus Hitzewellen von weit über 40°C haben kann, sind sehr selten.

Wenn man von den Flughäfen wie Melbourne oder Adelaide in die Städte fährt, sieht man, daß nach wie vor überall gebaut wird. Melbourne hat seit meinem letzten Besuch gefühlt die doppelte Anzahl von Wolkenkratzern im Stadtzentrum (CBD – central business district) um den Yarra River herum bekommen. Es sieht allerdings auch so aus, als könnte jeder, der es bezahlen könnte, bauen, das ganze sieht sehr ungeordnet und zum Teil sogar häßlich aus.

Victoria, der Bundesstaat mit Melbourne als Hauptstadt, bezeichnet sich aus seinen Nummernschildern als Education state, was auch auf jedem Nummernschild zu sehen ist:

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Neben Mining und Bodenschätzen und Tourismus sowie der Bauindustrie ist der Bildungssektor die Haupteinnahmequelle von Australien.

Die chinesischen, indischen und anderen asiatischen Studenten zahlen hohe Preise, um eine „Bildung“ an der australischen Unis zu bekommen, und entsprechend sind um die 4-5 Universitäten, die in den großen australischen Städten zu finden sind, von privaten Investoren riesige Hochhäuser mit kleinen Apartments hochgezogen worden, die von den reichen Eltern der Studenten gekauft werden, damit sie dort während des Studiums wohnen können.

Allerdings ist durch die strengen Covid-Regularien in Australien (Melbourne hatte 2021 zB über 200 Tage am Stück Lockdown) sowie die Probleme mit Visa für Chinesen dieses Geschäftsmodell stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Trotzdem boomt auch die High-Tech-Szene in Australien, und aufgrund des vielen Platzes und der einfachen Bauvorschriften sind Gebäude wie eine Fabrikhalle mit angeschlossenen Büros leicht zu bekommen und relativ günstig zu mieten.

Da die Autoindustrie in Südaustralien ziemlich platt gemacht wurde, sind auch entsprechende Mechaniker und Elektroniker/Elektriker relativ leicht zu haben. Meine Kontakte dort loben auch die Verfügbarkeit von staatlicher und privater Investorenförderung, die leicht in die Millionen gehen kann, wenn man eine gute Idee hat.

Die Infrastruktur ist hevorragend, sauber, die Straßen sind locker 3-spurig für JEDE Seite, mitten in der Stadt, nicht nur im Zentrum, und die Kombination aus Zügen und Bussen ist für Melbourne und Adelaide ebenfalls gut.

UBER ist recht teuer, so kostet eine Fahrt vom Flughafen in Melbourne ins Stadtzentrum über 100 AUD am Nachmittag (nicht während der Stoßzeit), was etwa 60 EUR entspricht.

Auch die Lebensmittel und das Essen sind auf einem sehr hohen Niveau und entsprechen meiner Erfahrung nach etwa amerikanischen Preisen in Kalifornien. Es wird Wert darauf gelegt, „buy Australian“ zu kaufen. Bei einer Literflasche Orangensaft aus Australien legt man daher gerne umgerechnet 4 EUR auf den Tisch. Auch sind Äpfel und andere Früchte relativ teuer.

Die Stimmung im Land ist gut, jeder träumt davon, sich ein kleines Haus zu kaufen, und da praktisch beliebig viel Platz ist und auch sehr freigiebig neues Bauland ausgewiesen wird, da dies ja einer der Wachstumsmotoren Australiens ist, sind Einfamilienhäuser mit Garten drumrum für etwa 400-750 kAUD (also im Bereich zwischen 250 und 500 kEUR) durchaus machbar. Solche Häuser sind dann natürlich nicht von europäischem Standard, eher solche Holzhütten mit Einfachverglasung wie im Süden der USA, aber dann steht ein SUV vor dem Haus und ein Grill dahinter im Garten und man hat seine Ruhe. Das Gegenteil der Hühner/Hasenkäfige im Hongkong oder der Grünen Hölle Berlin.

Von der Energie- oder Klimakrise war nichts zu spüren und auch im Fernsehen war das kein Thema. Auch der Ukrainekrieg oder die Klimakonferenz in Ägypten wurden nicht thematisiert. Eher waren die Fluten im Osten Australiens (durch hatte es stark geregnet) und die Fußball WM 2022, an der die Australier auch teilnehmen, ein Thema.
Als ich in Frankfurt losgeflogen bin, wurde neben meinem Checkin-Schalter gerade das Gepäck des DFB auf ca 10 großen Gepäckwagen verladen. Ganz oben drauf eine große Kiste von van Laack, ich vermute mit den Hemden.

Da die Australier sehr freundlich sind und da die Landschaft und Natur unheimlich schön ist und da die Leute relativ laid back und relaxt sind, verliebe ich mich jedes Mal wieder in das Land. Allerdings hatte ich ja schon vor ca 15 Jahren einen längeren Besuch dort und dabei habe ich durchaus auch die Schattenseiten des knallharten Kapitalismus kennengelernt, zB bei Hausmieten oder bei Arztbesuchen für die Kinder. Da ist jeweils als erstes Cash auf den Tisch gefragt. Ein Kinderarzt schaut sich zB die vereiterten Ohren des Sohnemannes nicht an, ohne daß erstmal 50 AUD auf dem Tisch liegen.

Bisher war Australien eines meiner Traumländer, aber mit den Aktionen während Covid und den brutalen Ein/Ausreisesperren (zT kamen die Australier selbst nicht mehr ins Land rein und auch nicht raus) und den KZs waren die Aktionen wesentlich drastischer als zB in eher vergleichbaren Bundesstaaten in den USA wie Montana.

Masken werden in Australien hauptsächlich von Asiaten getragen im öffentlichen Nahverkehr und in Vorortzügen, auch zT in Bahnhöfen. Draußen spielt es keine Rolle mehr, in den Betrieben auch nicht mehr und in den Restaurants ebensowenig. Auch in den Supermärkten habe ich keinen mehr mit Maske gesehen.

Fazit: momentan ist Australien die bessere USA, vielleicht auch das bessere Kanada. Wenn ich mich recht erinnere, ist doch der White Eagle nach Neuseeland ausgewandert und wir haben doch auch noch einen Kollegen hier bei den Kanadischen Ölsanden in der Nähe von Calgary oder Edmonton. Wäre schön, mal wieder was zu hören. Nach der Ölkrise mit dem Preisverfall bis 2020 sollte es sich dort ja wieder lohnen.

In Australien jedenfalls gehen der Kohle- und Erzboom mit dem Export nach China und der Bauboom weiter, und aufgrund der Kohle sind auch kaum steigende Strompreise zu beklagen. Geheizt oder gekühlt wird dort oft mit Wärmepumpe/Klimaanlage. Auch in meinem Hotelzimmer hatte ich so ein Teil von Samsung drin, was in beide Richtungen laufen kann.

In der Zeit im Aussieland habe ich übrigens keinen einzigen Cent oder Schein australisches Geld ausgegeben, alles nur komplett digital.

DT

PS: In Singapur habe ich gemerkt, daß die auch sparen bzw. Arbeitskräftemangel haben, zumindest am Airport. Bei mehreren Klos waren auch Schilder dran, daß sie repariert werden müssen (wie in D bei der Bahn, bei Rolltreppen oder bei Klos ebenfalls), bei einigen Klos auf dem Airport stand sogar Wasser unter der Schüssel, was ich noch nie erlebt habe, und im Airportgebäude war es ganz schön warm und sogar ein bisschen schwül. Also werden wohl die Klimaanlagen etwas runtergefahren und die Entfeuchter nicht mehr so stark betrieben. Dabei hat Singapore doch sein eigenes Öl.

Bei der Lufthansa gibts noch nicht mal mehr Snacks auf der Reise, und auch bei Singapore Airlines habe ich das Gefühl, daß gespart wird. Eine weltweite Kontraktion ist im Gange.

Und die Städte Asiens wie Hongkong und Singapore, die ich so sehr geliebt habe, sind hart davon betroffen, denn dort macht nicht ausreichend Energie das Leben zur Hölle. In Hongkong gab es zu britischen Zeiten ja überall diese Deckenventilatoren, aber Singapore direkt am Meer und direkt am Äquator ist natürlich nochmal eine härtere Nummer. Daher glaube ich nach wie vor, daß die Palz ein Paradies auf Erden ist, wo seit über 7000 Jahren schon Menschen leben. Guter Boden, gutes Wetter, nicht zu kalt im Winter, einigermaßen gemäßigt im Sommer. Es könnte ein bisschen mehr regnen, es war schon verdammt trocken die letzten Jahre, und wenn es etwas weniger oft über 35 Grad würde wäre mir das auch nicht unrecht. Daher wird das wohl doch nix mit dem Auswandern werden...


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