Kleiner Lagebericht aus Hongkong (mT)

DT, Mittwoch, 16.11.2022, 12:52 (vor 10 Tagen)6043 Views

Mußte nach 3 Jahren Abstinenz endlich wieder einmal die Lage in Asien checken.

Konnte tatsächlich nach Hongkong rein, obwohl die noch voll 3G und ziemlich strikte Covid-Vorschriften haben. Nicht nur Transitbereich des Flughafens, sondern rein in die Stadt.
In China wurden ja letzte Woche die Quarantänevorschriften etwas gelockert, man muß jetzt bei Einreise nur noch generell 3 Tage in Quarantäne, nicht mehr eine ganze Woche.

Die Hongkonger haben es geschafft, einen ganzen vollen Airbus nach der Landung innerhalb von 15 min (!) komplett PCR zu testen. Hier herrscht noch das 100% Prinzip. Was unsere Dx und ihre Schergen angeblich an den Grenzen nicht schaffen, ist hier alltägliche, super effiziente Realität.

Vor der Einreise mußte man sich bereits online mit dem Smartphone registrieren und die 3 Impftermine und die Impfstoffe angeben. Man mußte eine Handy-SMS Nummer angeben und eine Emailadresse. Ebenso mußte man einen self-administered Antigen-Test durchführen und das Ergebnis fotografieren und eingeben. Das wars. Dann bekam man einen „green code“, der analog zum QC Code der Corona-App überall in Hongkong gebraucht wird.

Noch vor de Immigration-Schalter am Hongkong International Airport bekam man direkt nach der Gangway einen grünen Umhänger mit QC Code um den Hals, man mußte dazu seinen „Green Code“ auf dem Smartphone vorweisen, dann gab es 20 Kabinen in einer Reihe, und sehr sanfte asiatische Ladies haben einem mit einem Stäbchen im Mund rumgefahren (nicht im Hals, nicht in der Nase) und dann hat man seinen Swab in einem kleinen Plastikcontainer bekommen und mußte ihn ein paar Meter weiter hinten abgeben. Das wars. Die ganzen Bediensteten dort trugen blaue Kittel sowie Mundmasken und Face Shields sowie solche Werkstatt-Schutzbrillen.

Alle Bediensteten an den Checkin-Schaltern trugen alle Zeit ebenfalls medizinische Masken und diese Werkstattbrillen. Sie könnten also jederzeit zum Beispiel mit einem Winkelschleifer ein Stück Stahl durchtrennen und ihre Augen wären geschützt.

Vom Touchdown über den PCR Test bis zur Immigration und bis zum Gepäckband und durch Zollkontrolle durch bis raus in die Ankunftshalle dauerte es für ALLE Passagiere zusammen weniger als 1h.

Wenn ich dran denke, daß es die Amis nicht mal schaffen, einen vollen A340 oder A380 oder eine B787 in San Francisco in 2-3 h durch Immigration zu bringen, geschweige denn Gepäckauslieferung und Zollkontrolle… die könnten sich eine Scheibe von den Chinesen abschneiden, das war nochmal effizienter als in Singapore (dort geht es genauso schnell ohne PCR Test).

Ich war dann mit dem Expresszug binnen 25 min drüben in Kowloon und hab mir mal angeschaut, wieviel auf der Nathan Road und in den Seitenstraßen los ist, wo es normalerweise wie in einem Ameisenhaufen zugeht. Hongkong ist leer geworden, in vielen Gegenden wie ausgestorben, dort um die Nathan Road rum gibt es noch einigermaßen ein paar Leute draußen. Mit dem green code kommt man in die Restaurants rein und dort ist dann keine Maske mehr nötig.

In der Gegend um die Kowloon Station, wo auch das Ritz-Carlton ist mit dem größten Hochhaus in Kowloon ist eine Menge neu gebaut worden in den letzten Jahren. Das neue Hongkong Palace Museum hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ebenso das „Elements“ und das M+. Sie sind dabei, um den neuen „Art Park“ herum ein weiteres Gebäude zu bauen, einen Palast für „Lyrics“ oder „Lyric Art Complex“ wenn ich das richtig gesehen habe.
Auch die große Baustelle dieses Lyrics Art Complexes habe ich mir genauer von außen angeschaut, dort gibt es Eingänge ähnlich zur Pariser UBahn mit Schranken und Drehkreuzen, täglich wird auf Covid getestet und ohne Schutzhelme, Sicherheitsschuhe und angemessene Arbeitskleidung kommt niemand rein. Ganz anders als auf den Baustellen in Deutschland, wo keiner mehr darauf achtet, ob die Sub-Subunternehmer aus Weißgottwoher ihre Sicherheitskleidung und -ausrüstung tragen. Das ist mir beim Bahnfahren besonders unangenehm an der S21-Baustelle in Stuttgart aufgefallen.

Was es aber in Hongkong immer noch gibt und mich überrascht hat sind die Bambusgerüste, die mit schwarzen Plastikfäden zusammengebunden sind. In Mainland China habe ich nur Stahlrohrgerüste mit gußeisernen Rohrverbindern gesehen, stets von einem grünen Fangnetz umgeben. Das fehlt auch in Hongkong.

In den Bereichen um den West Kowloon Cultural District herum habe ich ein paar Jogger gesehen und mit dem ein oder anderen auch kurz gesprochen. Sie hatten keine Maske auf und auf die Frage, ob man in HK immer noch eine Maske draußen braucht, verneint. Trotzdem haben praktisch alle Leute trotz der 24°C und schwülen Luft abends eine aufgehabt, wahrscheinlich aus Gewohnheit. Im Flughafen, im Einkaufszentrum und im öffentlichen Nahverkehr ist immer noch strenge Maskenpflicht. Auch verlangt die Cathay Pacific als Hongkong-basierte Airline komplettes Maskentragen auf ihren Flügen.

In den Gegenden nahe des Wassers waren ein paar Spaziergänger mit Hunden unterwegs. Um das M+ Museum herum sah man auch ein paar Jugendliche mit Skateboards, etwas, das mir früher in HK nie aufgefallen ist. Auf den Außenstühlen der Restaurants saßen kaum Leute, Besetzung ca 3-5% maximal.

Von dort aus bin ich dann über die Austin Road bis zur Nathan Road und Jordan Road gelaufen, wo normalerweise früher ein Gewusel war wie in einem Ameisenhaufen. Die ganzen Electronics Stores sind Immobilienstores gewichen, Dutzende davon. Dort werden Wohnungen Wohnungen Wohnungen verkloppt, für absurde Preise von weit über 10000 EUR pro m². Sogar Wohnungen in Wohnkomplexen in Malaysia, direkt nördlich von Singapure Island, werden dort verkauft.

Man sieht auch Teslas, BMWs, ein paar Maseratis rumfahren. Generell gesprochen war aber überraschend wenig Verkehr. Manche Straßen waren wie ausgestorben, unfaßbar.

Bei den Restaurants hängt überall der „Green Code“ außen, man kommt nur mit dem Green Code QC rein. Drinnen sitzen dann die Leute ohne Maske dicht gedrängt und essen. An vielen Restaurants sieht man Schilder „Staff wanted – kitchen chef, kitchen helper, bartender, waiter/waitress“.

Auf den Märkten auf der Straße, wo man allen Schnickschnack bekommt wie Koffer, Schuhe, Klamotten, Handtaschen und Gürtel, Plastik-Krimskrams etc., war auch nicht so viel los wie früher, dort war ja normalerweise gerade abends ein Gedränge wie früher in Italien auf den Marktplätzen.

Einer der Jogger sagte zu mir, nachdem ich ihm sagte, daß mir Hongkong ausgestorben vorkommt: „After three years of Covid we have changed our lifestyle“.

Trotzdem wird noch überall gebaut, gerade auf der Kowloon-Seite, die ja immer noch alte Gebäude aus der britischen Besatzungszeit aufweist, ich sage voraus, daß es in 20 Jahren dort genauso aussehen wird wie auf Hongkong Island, wo sich Hochhaus an Hochhaus schmiegt, nachdem dort am 8.8.1988 die Bank of China den Startschuß gegeben hatte.

Es kam mir so vor, als wäre der ganze Bauwahn und die ganzen öffentlichen Gebäude (natürlich sehen die UBahnen und SBahnen ähnlich geleckt wie in Singapore aus) momentan total überdimensioniert. Man muß sich das einmal vorstellen, dort gibt es Stationen, in denen täglich mehrere Zehn- oder Hunderttausend Fahrgäste umsteigen, darauf ist das System ausgelegt, sauber, effizient, pünktlich, und plötzlich sind da nur noch eine Handvoll.

Auch in meinem Airport Express haben sich weniger als 10 Fahrgäste getummelt, und er ist im 15-Minutentakt zwischen Hongkong und dem Airport auf Lantau Island gefahren.

Wenn das so weitergeht mit der Energiekrise werden die großen Millionenstädte am härtesten getroffen.

Interessant war, daß die Lichtspiele und beweglichen Displays an den Hochhäusern nach wie vor stattfinden, im Kontrast zum Eiffelturm in Paris, der jetzt um 23.45h komplett ausgeschaltet wird, was dazu führt, daß man um Mitternacht vom Trocadero aus nur noch einen dunklen Eiffelturm sieht, ein vollständig ungewohnter und fast schon Angst machender Anblick.

Das einzige was mir aufgefallen ist, waren abgeschaltete Reihen von Ticketmaschinen in den UBahnstationen, bei denen Schilder „Not in use – energy saving“ hingen. Einfach wohl wegen der vielen Leute, die wohl seit 3 Jahren wie Bienen im Winter in ihren Bienenstöcken sitzen, in ihren Hochhäusern, wie in ihrer Bienenwabe, und kaum noch rausgehen.

Am Flughafen sind mir noch ein paar Dinge aufgefallen, die sich die Deutschen im Rahmen von „Benchmarking“ echt mal anschauen sollten.

Beim Gepäckband steht eine Dame, die die Koffer nach dem Ausgeben aufrichtet und quer aufs Band stellt. Dadurch passen viel mehr Koffer aufs Band und der Stau bei der Gepäckausgabe wird vermieden.

Beim Checkin sind genau 6 Leute vor Ort. Es gibt 3 Reihen mit First/Business, Premier Economy und Economy, und vorher geht eine Dame umher und checkt die Tickets, legt sie in den Pässen bereit und sorgt dafür, daß Ordnung herrscht. Obwohl einige Kleinkinder dabei waren habe ich keinerlei Geschrei oder Geheule gehört oder Rumgerenne gesehen. Das nervt mich immer so in den USA, wo die Kinder keinerlei Disziplin zu haben scheinen.

Beim Boarding wurde streng auf die Reihenfolge und auf die Regeln geachtet, Es gab 6 dieser Durchgänge wo man sein Ticket (natürlich zumeist auf dem Smartphone) unter den Scanner gehalten hat, und eine Dame hat die Leute aus der Reihe, die dran waren, äußerst effizient auf diese 6 Durchgänge verteilt.

Wenn ich dran denke, wie oft man in den USA beim Checkin sich sinnlos die Beine in einer Reihe in den Bauch steht, trotz Premier oder Gold oder Senator oder sonstwas, weil die überforderten und anscheinend untrainierten Ladies es nicht gebacken bekommen, 200-300 Leute effizient zu führen.

Die Tatsache, daß es die Hongkonger auch geschafft haben, mehr als 300 Leute in weniger als einer Viertelstunde komplett PCR zu testen, beweist, wie ich schon immer gesagt habe, daß auch das Testen oder Impfen oder was auch immer (Registration der Goldstücke Erikas) effizient möglich wäre.

Und man hat sich nicht wie in einem KZ oder auf einem Kasernenhof gefühlt, sondern wurde die ganze Zeit höflich und zuvorkommend, asiatisch eben, behandelt.

Man muß aber auch sagen, daß anders als bei den Amis die üblichen Fettsäcke komplett fehlen. Wenn ich mir überlege, wieviel Zeit vergeht, wenn sich so ein überfressener, unbeweglicher Fettsack durch einen Flugzeuggang quetscht und bis er seinen überdimensionierten Hintern auf den Sitz gewuchtet hat… das ist bei den zierlichen und noch normal aussehenden Asiaten natürlich komplett anders. Wenn man heute deutsche oder Ami-Filme aus den 70er Jahren ansieht, dann sieht man, daß auch die Leute dort noch ganz normal oder drahtig ausgesehen haben und man denkt „die sehen aber alle gut aus“.

Übrigens kam dann nach ca 1.5h Zeit auf meinem Smartphone eine SMS an, die besagte, daß mein PCR Test negativ war. Hätte mich mal interessiert (aber besser nicht erlebt) was gewesen wäre, wenn ich positiv getestet gewesen wäre, ob ich dann ein Hongkonger Quarantäne-KZ oder ein Quarantäne-Hotel hätte erleben dürfen.

Demnächst dann mehr auf diesem Kanal aus Australien.

DT


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