Also doch die Systemfrage

Morpheus, Mittwoch, 20.04.2022, 13:58 (vor 1392 Tagen) @ nereus3042 Views

Hallo nereus,

ich danke Dir für diese Diskussion und insbesondere dafür, dass Du nicht aufgibst. Denn ich denke, wir stoßen jetzt unter Schmerzen doch zum Kern vor.

Die ganzen vorgebrachten Argumente gehen genau an diesem Kern vorbei. Deshalb kamen wir nie weiter und drehten uns irgendwie im Kreis.

Also ich denke wir können festhalten, betrogen wurde bisher niemand. Der Staat hat immer schön geleistet, wie es die Regeln vorgeschrieben haben.

Und ich behaupte, anders als bei einer Goldwährung kann der Staat heute nicht mehr bankrott gehen, weil er stets alle Schulden in seiner Währung über die Zentralbank begleichen kann. Bei Goldwährungen hat man etwas sehr ähnliches gemacht, man hatte dafür die Münzverschlechterung oder hat den Goldstandard, wie im dt. Kaiserreich einfach aufgegeben.
Ich sage auch, dass am Ende dieses Prozesses stets Geld entwertet wird und die Versorgung der Bevölkerung gefährdet ist, weil Steuern erdrückend hoch sind und die Einnahmen der normalen Menschen nicht mehr mit den Ausgaben schritthalten. Und die Menschen leiden, weil sie kein Geld haben und es einen Mangel an essentiellen Waren gibt.

Das was Du mit den Aussagen wie "der Staat betrügt", "der Staat leistet nicht", "der Staat geht bankrott" eigentlich sagen willst ist, dass das gesamte System Staat irgendwie nicht mehr funktioniert oder besser nicht mehr zu funktionieren droht. Und dieses "nicht mehr funktionieren" zeichnet sich seit Mitte der 1970er Jahre ab.

Dazu kann ich Dir sagen, dass Herrschaft von Menschen über Menschen immer nur für eine beschränkte Zeit funktioniert. Das hat einen systemischen Grund, der sich nicht vermeiden lässt, solange wir dieses Herrschaftssystem weiter nutzen. Dieser Aspekt war sehr positiv. Hat er doch dazu geführt, dass die Gesellschaften sich regelmäßig erneuern konnten/mussten und so eine Weiterentwicklung stattfinden konnte.

Das was Du als Betrug siehst, ist für mich ein "Feature" eine eingebaute Eigenschaft der bisherigen Zivilisation. Eine geniale, sinnvolle Disfunktionalität, die eben diese ständige Erneuerung und Verbesserung, dieses Leben und Sterben was eine Evolution benötigt sichergestellt hat.

Unsere Gesellschaft wird auch kollabieren, weil jede Form von Herrschafts-Gesellschaft immer kollabiert ist.

Nur haben wir unsere Lebensweise in den letzten 80 Jahren stark verändert. Die meisten Menschen sind vom Land in die Städte gezogen. Die dezentrale Redundanz, die auf dem Land existieren musste, wurde eliminiert, was uns enorme Gewinne brachte. Nur sicherte dieses Redundanz auch das Überleben bei existentiellen Gesellschaftskrisen.

Weil das so ist, müssen wir dieses bisherige Modell der Zivilisation abstellen. Nur so können wir die zyklischen Zusammenbrüche zukünftig vermeiden. Zwei der in der Vergangenheit auf städtischer Arbeitsteilung basierenden Kulturen (Maya, Caral) sind mit plötzlich eintretender Nahrungsmittelknappheit und Stadtflucht komplett untergegangen. Genau das was sich gerade wieder abzeichnet. Wenn wir schnell reagieren, können wir das hoffentlich für uns noch abwenden.

Ich könnte das noch deutlicher ausführen, aber will erst einmal fragen, ob wir jetzt eine gemeinsame Basis haben. Ich möchte Dich nicht mit ständig neuen Themen nerven.

Grüße
Morpheus

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