Schuldner oder Gläubiger - Henne oder Ei.

nereus, Dienstag, 19.04.2022, 10:28 (vor 1393 Tagen) @ Morpheus3237 Views

Hallo Morpheus!

Du schreibst: also, das was da entscheidendes geändert wurde, muss man wirklich verstehen. Es ist nämlich offensichtlich nicht so einfach. Denn auf die Geldmenge insgesamt kommt es doch wohl nicht an.

Zur Geldmenge hatte ich bislang noch nichts gesagt, daher überspringe ich das jetzt einmal.
Zur Unmöglichkeit die Anleihen am Markt zu veräußern schreibst Du:

Ja, das ist die Ursache für die Maßnahme. Ja, das System ist am kollabieren. Das ist schon klar. Die Anleihen lassen sich NICHT zu den Zinsen am Markt platzieren, die man anbietet, anbieten will.

Puh, dann sind wir uns zumindest hier schon mal einig.
Das ist doch schon mal ein Anfang. [[zwinker]]

Wenn eine Anleihe gezeichnet wird, dann mit "gespartem Geld", also Geld was vorher über Bankkredite entstanden war.

Einverstanden, doch ist das wirklich das echte Problem?
Geht es um den Anleihekauf mit zuvor Erspartem oder geht es um den Willen des Schuldners die Anleihe letzten Endes auch zu bedienen?

Ich schrieb dann, daß als Markt-Ersatz nun die FED tätig wird, was ebenso für die EZB gilt.
Du schreibst dazu: Ja, genau dieses "anders" erklärt, warum es keine Nachfrage mehr nach dem Geld gibt.

Noch stehe ich auf dem Schlauch.

Der bisherige Schuldner, mit dem das Geld entstanden war, der muss sich kontinuierlich um Tilgung und Zinsen seines Kredits kümmern und dafür musste er sich Geld beschaffen, also Leistungen anbieten.

Der bisherige Schuldner war die US-Regierung.
Das ist sie, seit dem sie Anleihen ausgeben läßt.
Wie sich der Anleihe-Käufer refinanziert, spielt in diesem Fall erst einmal keine Rolle, auch wenn ich diese Beschaffung nicht unter den Tisch fallen lassen will.
Das NEUE Geld ist das, welche die US-Regierung gerade über die Schuldverschreibung entstehen läßt.
Das Kaufgeld war ja schon da, wie Du selbst schreibst, weil es zuvor erspart wurde.

Die FED muss nicht tilgen, sie hält die Anleihen dauerhaft in der Bilanz.

Das sehe ich nicht unbedingt so.
Sie wird versuchen die Anleihen wieder am Markt zu verkaufen.
Aber selbst wenn sie die Papiere behalten würde, wäre das nicht das echte Problem.
Das Problem ist der Schuldner dieser Papiere.
Hier haben wir einen offenkundigen Dissens.

Deshalb sinkt die Nachfrage nach Geld. Und wenn die Nachfrage nach Geld sinkt, entsteht die Inflation.

Die Nachfrage nach Geld interessiert erst einmal keinen Menschen, um es etwas salopp auszudrücken.
Viel entscheidender ist es, ob der Schuldner bereit ist seinen Schuldendienst zu leisten.

Was die FED stets nur gesehen hatte, und was am Anfang auch so war, dass die Deflation, durch den zuvor erlebten Mangel an Geld besser wurde.

Vergessen wir einmal die In- und Deflationen.
Das sind alles Folgeerscheinungen des Betrugs oder der Fehlallokationen.
Die Krankheit ist das nicht bedienen-wollen der Kredite und den Unwillen die Betrüger aus dem System auszusondern.
Inflation und Deflation sind dann nur noch Fieber und Durchfall. [[freude]]

Jetzt aber scheinen wir zum Casus Knacksus zu kommen, denn Du schreibst:

Nein, ich spreche von dem Schuldner, über den das Geld ursprünglich in Umlauf kam. Dieser Schuldner, dessen Geld beim Sparer landete, der dann früher (über den Markt) die Anleihe gezeichnet hat. Hier liegt das Missverständnis.

Ganz offensichtlich, aber liegt hier wirklich das Problem?

Dieser Schuldner muss Leistungen anbieten und er gibt dem Geld nach wie vor seinen Wert. Mit der Anleihe wird dieses Geld das zweite (oder dritte) Mal verliehen.

Nehmen wir mal an, das Deine Mehrfach-Verleih-Theorie stimmig ist, damit wir endlich eine Gesprächsbasis finden.
Du verortest das Problem beim Gläubiger, ich dagegen verorte es beim Schuldner.
Du sagst, das Geld, mit dem die Anleihe BEZAHLT werden soll, muß „ehrlich“ verdient worden sein.
Meinetwegen.

Doch bis dahin wäre ja auch alles in Ordnung.
NUN aber kommt ein neuer Schuldner ins Spiel, welcher Geld benötigt.
Wer sorgt dafür, daß sich dieses alte (mehrfach verliehene) Geld oder zusätzliche (neu entstandene) Geld jetzt VERSCHLECHTERT?

Sorgt der Käufer mit seinen „ehrlichen“ Ersparnissen dafür oder ist es der Staat, der die Schulden nicht bedienen will?

Du schreibst auch, ..daß die Zeit irrelevant wäre.

Um Gottes Willen, das ist sie ganz und gar nicht.
Gerade der Zeitfaktor ist der heimliche Helfer beim großen Betrug.
Wenn sofort geleistet werden müßte, würde die ganze Problematik offenbar.

Kurzum: Habe ich Dich richtig verstanden, daß das Problem der ZB-Anleiheverkäufe das ist, weil die Staatspapiere nun einen neuen Käufer (FED) finden, der keinen Schuldendienst mehr leisten kann/will/muß? [[hae]]

Ich dagegen behaupte:
Das Problem war schon immer da, aber nicht weil der Käufer mogelte, sondern weil der Staat betrügerisch agierte und die alten Schulden mit neuen maskierte, was zwangsläufig zu einem Bankrott führen muß.
Das aktuelle Problem ist nur das, das der Betrug neu organisiert werden mußte, weil der Markt jetzt keine Lust mehr hatte mitzuspielen.

Du schreibst dann noch: Ja, wenn die FED die Anleihe direkt kauft ist der Staat Erst-Schuldner, wenn Anleihen am Markt platziert werden ist der Staat der Zweit-Schuldner.

Hier dreht es sich wieder nur um die Käufer, ich verstehe das nicht.

UPDATE: Und NUR dann oder DESHALB macht sich das NICHT-LEISTEN des Staat bemerkbar. Diesen Unterschied bei der Auswirkung des NICHT-LEISTENS hat dottore niemals erkannt. Deshalb kamen wir an dieser Stelle nie weiter.

Ich weiß jetzt nicht auf welche Debatte Du Dich dabei beziehst, aber den mangelnden Willen die Staatsschulden zu bedienen, hat @dottore schon Anfang der Achtziger kritisiert und dazu seine Bestseller geschrieben.

Und das Nicht-Leisten-Wollen ist an jeder Staatsschuldenkurve deutlich zu sehen.
Das konnte man schon vor 30 Jahren erkennen.

mfG
nereus


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