Sehr interessant, danke für den gelinkten Artikel

sensortimecom ⌂, Samstag, 20.11.2021, 12:56 (vor 13 Tagen) @ Weiner859 Views
bearbeitet von sensortimecom, Samstag, 20.11.2021, 13:31

Es gäbe viel darüber zu schreiben, ich mache es kurz:

Bis in die 90er-Jahre hinein gab es auch im rein technischen Bereich (Bio-Patente gabs damals noch kaum) solche Patente, die "alles blockierten". Da wurde eben eine besonders wichtige Neuheit gefunden und als "Core" patentiert. Also vom Techniker bzw. Interessenten (Firmeninhaber, Manager, Anwalt etc.) aus gesehen, der NICHT auf die Idee selber drauf gekommen war, und sich mit der Existenz solcher Patentrechte zu ärgern hatte, war das ein Problem, klar. Der sagte dann: "dieses Patent blockiert alles". Den Interessenten fiel nicht im Traum ein, sich mit dem Erfinder zusammen zu setzen und zu diskutieren, welche Anwendungen damit erschlossen werden könnten, welche finanziellen Möglichkeiten sich aus der Kooperation mit dem Erfinder/Patentinhaber ergäben usw. usf. Nein. Der Erfinder "blockiert", also muss sein Patent weg. Wenn es nicht zu umgehen oder nichtig zu erklären ist, musste es also "enteignet" werden, wo es dann dem Staat zu fiel. So waren damals die Usancen, und das hat zu unvorstellbaren Kapriolen geführt, s. www.sensortime.com, siehe Willimczik, und unzähligen anderen, u.a. Erfindern, die nicht einmal wissen, wie ihnen mitgespielt wurde, weil sie die Augen zugemacht haben und alles verdrängen und vergessen wollten. Erst Anfang der 90er mit den neuen WTO-Abkommen, die die Enteignung verbot und auf Zwangslizenzen setzte, änderte sich dann die Szene.

Aber jetzt kam erst recht der Überhammer. Inzwischen war im technizistischen Bereich dermassen viel kaputt gemacht worden (und oft auch ein unüberwindlicher Stand der Technik erreicht worden), dass man neue Monopolisierungs-Instrumente brauchte. Und die fand man im Bio-Bereich, bei Software-Patenten, Geschäftsmethoden, Medizin, Gentechnik, Tiere, Pflanzen usw. Selbst ein indigener Volksstamm ist zum Patent angemeldet worden...

Nun gibt es aber unsäglich viele Leidtragende aus dieser Entwicklung. Man sehe nur zb. auf die Patente bei Corona-Impfstoffen. Die machten es unmöglich, dass sofort, d.h. von Beginn des Ausbruchs von Covid-19 an, mit voller Intensität am GEEIGNETSTEN Impfstoff und Medikament geforscht und entwickelt wurde. Nein, der das vermeintlich fortschrittlichste und breiteste Patent hält und am frühesten dran war, mahlte zuerst. Das Ergebnis sehen wir. Von einer weltweiten Kooperation kann man nur träumen.

Im Rahmen der UNO entwickelt sich nun eine Gegenbewegung, da viele ärmere Staaten am meisten unter dem Patentsystem leiden. Ich wage die Prophezeiung, dass diese Länder immer mehr werden, und, wenn sie stark genug sind, gegen das GESAMTE Patent- und Copyright-System global vorgehen und es zu Fall bringen werden. Auch das Uni- bzw. Dissertations-System könnte dann unter die Räder kommen. Sie kriegen die Unterstützung der Linken, obwohl gerade Letztere an der mangelnden Effizienz (sprich: lockeren Titel-Vergaben) der Uni am meisten profitiert haben. Sollte das passieren, bleibt kein Stein auf dem andern.


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