Eben auf Reddit gesehen.
Berufsschule in Peking, 4 Uhr morgens – über 1.000 Familien stehen Schlange. Vor zwei Jahren wäre das undenkbar gewesen.
Im Mai standen mehr als 1.000 Familien um 4 Uhr morgens vor einer Berufsschule in Peking Schlange. Eine Familie fuhr 20 km an, kam um 3 Uhr an und stellte fest, dass bereits 500 Menschen vor ihr warteten.
Früher war dies die Schule, die niemand wollte. Heute konkurrieren Eltern um Termine für Aufnahmegespräche.
Die Zahlen dazu: 12,9 Millionen Menschen legten dieses Jahr die Gaokao-Prüfung ab – ein Rückgang um 450.000 im zweiten Jahr in Folge. Hochschulabschlüsse sind mittlerweile allgegenwärtig; jeder zweite junge Mensch besitzt einen, verglichen mit jedem dritten im Jahr 2012. Die Folge ist die sogenannte „Entwertung des Bildungsabschlusses“ (auf Chinesisch: *xueli bianzhi* / 学历贬值): Der eigene Abschluss ist weniger wert, weil ihn jeder hat. Manche Absolventen kehren an Berufsschulen zurück, um sich umschulen zu lassen. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: *huilu* (回炉) – wörtlich „zurück in den Ofen“.
Was sich geändert hat, ist der öffentliche Diskurs darüber. Früher schickten Familien ihre Kinder stillschweigend auf die Berufsschule und sprachen nicht darüber. Heute sagen Eltern offen, dass dies die klügere Wahl ist. Dieser Wandel in der Frage, was man offen aussprechen darf, ist hier wahrscheinlich die eigentliche Geschichte.
Wer Chinesisch lernt, findet in dieser Geschichte einen guten Anlass, sich die Begriffe *xueli bianzhi* (学历贬值) und *huilu* (回炉) anzueignen – beide tauchen derzeit häufig in chinesischen Medien und Gesprächen auf.