Vorsicht mit Erklärungen zu Karma!
Hallo NST,
Karma zu erklären ist im Allgemeinen ganz einfach und in Bezug auf den Einzelnen sehr komplex.
Im Allgmeinen ist Karma die Summe aller Handlungen immer und überall und zwar - und das ist wichtig - im Rahmen der bedingten Welt. Im buddhistischen Kontext ist die Bezeichnung Samsara (Kreislauf der bedingten Welt).
So bald man eine hohe Stufe der Geistes-Klarheit erreicht hat unterliegt man diesem Gesetz nicht mehr (bereits vor der vollen Erleuchtung). Das ist aber kein Freifahrtschein, sondern bedingt, dass man aufgrund der positiven Eindrücke im Geist dann sowieso nicht mehr anders kann als zum Besten aller Wesen zu handeln.
In Bezug auf die Handlungen von uns Nicht-Erleuchteten sollte man sich daran halten anderen kein Leid zuzufügen (Theravada) und im nächsten Schritt möglichst Positives für die Wesen zu tun (Mahayana).
In Thailand ist der Theravada-Buddhismus vorherrschend. Die Ethik im Theravada ist der im Christentum sehr ähnlich. Das Konzept der "Schuld" gibt es im Buddhismus im Grunde nicht. Es ist eine grobe Vereinfachung um den Leuten klar zu machen, dass alles Negative wieder auf einen zurückschlägt.
Zu Deinen Beispielen mit konkreten negativen Taten wie bspw. Mord. Karma funktioniert nicht ganz so grobschnittartig, dass wenn man mordet, man irgendwann selbst ermordet wird. Es kann so sein, weil eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass man mit dem Eindruck der Handlung eines Mordes im Speicherbewusstsein in Situationen kommt in denen Gewalt vorherrscht. Es geht aber letztendlich darum, dass man die Grundlage für diese Art von Handlungen mit sich herumträgt.
In dem man sich dessen bewusst wird und wünscht es nicht mehr wieder zu tun lassen sich diese Eindrücke im Speicherbewusstsein ausflösen. Die Bewusstwerdung von negativen Handlungen geschieht in der Meditation. Da der Geist wenn er zur Ruhe kommt seiner Natur nach dem erleuchteten Zustand entgegen strebt wird man verstehen welche leidbringenden Handlungen man mit sich herumträgt. Frühere Handlungen tauchen in der Mediation spontan im Geist auf und man kann sie dann auflösen. Im Vajrayana haben wir speziell dafür die Diamantgeist-Meditation. Dort reinigt man den Geist und löst so negative Eindrücke auf.
Auf der Ebene des Tagesbewusstseins nutzen wir die "Sechs Befreienden Handlungen" (sanskrit, Paramitas) Die Paramitas sind die praktische Umsetzung des achtfachen Pfades.
1. Großzügigkeit
2. sinnvolles Verhalten
3. Geduld
4. freudige Anstrengung
5. Meditation
6. Weisheit
Alle sechs müssen kombiniert werden. Die ersten fünf Paramitas geben die Struktur, die man aufbaut und Weisheit ist das Ergebnis.
Die letzten beiden beziehen sich auf die Praxis der meditativen Konzentration und die Praxis des höchsten Wissens oder vollständigen Verstehens, also der Weisheit. Paramita ist ein Sanskrit-Wort, das wörtlich bedeutet "etwas, das vervollkommnet wurde". Hier sprechen wir davon, dass die beiden Qualitäten der Meditation und der Weisheit ihre volle Verwirklichung erreicht haben. Die transzendentale, voll verwirklichte meditative Konzentration, die fünfte Paramita, hängt mit der zuvor erklärten Meditation der Geistesruhe zusammen. Durch das Training unseres Geistes und die allmähliche Entwicklung unserer Erfahrung kommen wir zur völligen Verwirklichung der Qualität von geistiger Stabilität, bzw. meditativer Konzentration.
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beste Grüße
mabraton