Nahtoderfahrung eines Angehörigen im persönlichen Umfeld

Plancius, Montag, 24.04.2023, 10:13 (vor 1042 Tagen) @ mabraton5052 Views

Vor einigen Jahren habe ich auf einer Familienfeierlichkeit einen Verwandten wiedergetroffen, den ich etliche Jahre nicht gesehen hatte. Er war seinerzeit Mitte 50.

Ich wusste, dass er im Krankenhaus im Koma lag und seitdem Dialysepatient ist und bat ihn, darüber zu erzählen, was ihm widerfahren ist.

Er war beim Zahnarzt wegen eines geeiterten Zahns. Einige Stunden später wurde ihm übel, er war allein und rief den Notarzt an. Schon auf dem Weg ins Krankenhaus verlor er das Bewusstsein, er hatte eine Sepsis. Er wurde in die Intensivstation eingeliefert und an die ganzen medizinischen Apparate angeschlossen. Die Ärzte diagnostizierten ein mehrfaches Organversagen, bis auch Herzstillstand eintrat.

Mein Verwandter konnte die Ärzte, wie sie um sein Leben rangen, von außen wahrnehmen. Er sagte, seine Augen waren oben an der Decke und er konnte deshalb den ganzen Raum überblicken. Plötzlich wurde er in ein ganz helles Licht hineingezogen und er fand sich am Ufer eines Sees wieder, über den Nebelschwaden waberten.

In der Ferne kamen sein Vater und sein Großvater auf einem Boot näher. Plötzlich hielten sie an, deuteten ihm mit den Händen an, er solle wieder gehen, entfernten sich von ihm und verschwanden wieder im Nebel. Dann wurde er wieder vom weißen Licht aufgesogen und fand sich auf der Intensivstation wieder in seinem Körper wieder.

Die Ärzte haben ihn mittels Reanimation wieder ins Leben zurückgeholt. Seine Organe haben seitdem jedoch einen dauerhaften Schaden davongetragen, seine Nieren arbeiteten nicht mehr, so dass er immer zur Dialyse musste. Äußerlich war er um mindestens 20 Jahre gealtert.

Warum ist seine Geschichte so glaubhaft?

Er war einfacher Arbeiter, hat nie Bücher gelesen, ist völlig materialistisch, hat sich nie mit Spiritualität beschäftigt, Gott, Jesus Christus, die Bibel, Religion waren für ihn Hirngespinste. Selbst sein Nahtoderlebnis hat nicht dazu geführt, sich tiefer mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen oder sich näher mit Leben und Tod zu beschäftigen.

Vielmehr wartete er sehr ungeduldig auf den Tod eines Menschen, der ihm 2 Spendernieren vermachen kann. Sein Nahtoderlebnis führte noch nicht mal dazu, sich näher mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen.

Er hakte das Thema Nahtod als persönliche Erfahrung ab, schüttelte sich den Staub von seinem Leib und ging weiter seiner Wege als ob nichts gewesen wäre.

Ich war natürlich sehr neugierig über seine Erlebnisse und wollte einige nähere Details wissen, worauf er sehr verärgert reagierte. „Niemand will so was wissen wie du“ entgegnete er mir. „War das nicht genug, was ich dir erzählt habe. Warum willst du immer alles so genau wissen?“ Er ging fort und sprach denn den ganzen Abend nicht mehr mit mir.

Ich kann hierzu nur sagen, wenn mir sowas widerfahren wäre, dann würde ich höchstwahrscheinlich ein anderer Mensch werden. Alles was die Literatur zu diesem Thema zu bieten hätte, würde ich verschlingen. Jedes Jahr würde ich mein Nahtoderlebnis als Tag meiner Wiedergeburt feiern.

Aber – so unterschiedlich sind eben die Menschen. Die meisten leben so in den Tag hinein, kümmern sich um nichts, zeigen auch keinerlei Neugier und dann gibt‘s eben andere, die von einem faustischen Wissensdrang angetrieben werden. Wieviel Nahtoderlebnisse fallen aufgrund des Desinteresses der meisten Menschen wohl einfach aus dem Raster und werden nicht erforscht.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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