Übrigens: In 4 Wochen ist Schluss in den Raffinerien Schwedt und Leuna. Bekommen sie den Erdölboykott genauso gut in den Griff wie den Erdgasboykott?

Plancius, Sonntag, 20.11.2022, 16:34 (vor 10 Tagen) @ Ankawor3675 Views

Man muss ja den Europäern und insbesondere den Deutschen eines zugute halten: Den Erdgasboykott haben sie bisher ganz gut in den Griff bekommen.

Was haben wir doch vor einigen Monaten hier alles geschrieben:

- Das Pipelinegas aus Russland lässt sich kurzfristig nicht ersetzen. --> LNG strömt in die EU wie nie zuvor.

- Die Erdgasspeicher können vor dem Winter nicht im erforderlichen Umfang gefüllt werden. --> Die Erdgasspeicher sind viel früher als sonst zu 100% gefüllt.

- Das verfügbare LNG ist langfristig an Abnehmer, vornehmlich gebunden. --> Selbst russisches LNG wird (über Umwege) so viel wie nie zuvor in Europa angelandet.

- Die LNG-Schiffskapazitäten sind langfristig alle verplant. Es gibt kurzfristig keine LNG-Schiffskapazitäten. --> Vor den Küsten Westeuropas liegen LNG-Tanker seit Wochen auf Reede. Es fehlen Kapazitäten, sie zu entladen oder sie sind derart unterausgelastet, dass sie es sich erlauben können, auf Reede auf höhere Preise zu spekulieren.

- In Wilhelmshaven wurde in Rekordzeit ein LNG-Terminal gebaut.

Irgendwie hat man es geschafft - zwar zu wesentlich höheren Preisen als zuvor - russisches Pipelinegas kurzfristig durch LNG zu substituieren. Zusammen mit einem bereits um 20% verringerten Verbrauch könnte man es tatsächlich schaffen, sich von russischer Pipeline-Versorgung mehr oder weniger abzukoppeln.

Ob das zum Jahresende mit dem Kappen der Erdölleitung Druschba auch klappen wird? Schließlich fallen 2 bedeutende Raffinerien in wesentlichen Teilen aus der Produktion, nämlich die in Schwedt und Leuna. Zwar gehen massig Arbeitsplätze verloren, aber vielleicht schafft man es, ohne große Preissprünge, Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff zu importieren.

Ich bin da mal gespannt.

Übrigens, was den Arbeitsplatzverlust anbetrifft. Im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern hat allein Rostock in den vergangenen 2 Jahren viele Arbeitsplätze verloren. Nordex, Caterpillar und die 2 Werften haben zugemacht oder Personal zum großen Teil abgebaut. Und das waren die bestbezahlten Industriearbeitsplätze hier in der Region. Und es ist praktisch nichts Neues hinzugekommen.

Trotzdem schießen in und um Rostock nach wie vor teure Eigenheime in die Höhe, die Immobilienpreise wachsen rasant und es gibt einen eklatanten Mangel an Arbeitskräften.

Ob die Uckermark den Verlust vom PCK Schwedt auch so leicht auffangen kann?

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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