Die schönste Reise meines Leben

Oblomow, Dienstag, 06.10.2020, 09:18 (vor 1941 Tagen) @ Realist2552 Views

war, als ich kurz nach dem Mauerfall durch Europa trampte, von wildfremden Menschen eingeladen wurde, in Porsches und Ladas, Last- und Sportwagen, mitgenommen von armen und reichen Menschen durch die Weltgeschichte kam und frei von Zeit und Geld mich ganz den Zufällen des Lebens überließ.

Das macht heute niemand mehr, aber nicht, weil es Corona gibt, sondern weil es Flixbus gibt und vor allem, weil die jungen Menschen jetzt schon früh ein eigenes Auto haben oder per Internet Mitfahrgelegenheiten nutzen. Ich hatte mir immer vorgenommen, später, wen ich selbst ein Auto habe, Tramper mitzunehmen, nur es gibt sie nicht mehr. Die Menschen sind einfach zu bequem und wollen z.B. in diesen Campern mit Sack und Pack reisen, was ich persönlich eher grotesk finde.

Wenn ich reise, möchte ich die Menschen in anderen Ecken kennenlernen, deren Essen schmecken, auf den Festen dort beobachten, wie man dort feiert, ins Gespräch dort kommen über das Leben. Der ganze Massentourismus kann mir gestohlen bleiben. Venedig ohne diesen Mist zum Festa del Redentore zu erleben, gehört zu den Schätzen meines Lebens in diesem Jahr. In den kleinen Läden zu fragen, was die Venezianer über das Leben mit Corona denken, darum geht es mir viel mehr als alles andere!

Mein Sohn war diesen Sommer in Südfrankreich und sie haben den tollsten Urlaub ihres Lebens verbracht, musikmachend auf den Straßen von Bordeaux und eingeladen von fremden Menschen und das Leben der Menschen dort geteilt. Kurz, mit Phantasie und etwas Mumm in den Knochen ist es zu jeder Zeit spannend, zu reisen. Ich bin da wie @Realist absolut zuversichtlich, dass zu Pessimismus kein Anlass besteht, was das Reisen betrifft.

Zudem finde ich, dass man erst einmal Deutschland und Europa etwas kennenlernen sollte, bevor man sich dann auf die Weltreise macht, gleichsam, um zu üben. Es gibt für pfiffige junge Menschen so viel Möglichkeiten wie noch nie, auf Abenteuer zu gehen, wenn man mal sein Sekuritätsnetz verlässt. Es ist eben die Neugierde, die antreibt, unterwegs zu sein, nicht das Erholungsbedürfnis. Ich glaube, die ersten "Touristen" waren einfach nur neugierig und nicht Pilger, Krieger oder Geschäftsleute. Kant war neugierig, blieb aber in Königsberg. Durch Lektüre beschrieb er die verschiedenen Orte so gut, das viele glaubten, er wäre dort gewesen.

Herzlich
Oblomow


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