Natürlich gibts beim Begriff "Urlaub" und "Freizeit" sehr unterschiedliche Sichtweisen

helmut-1, Siebenbürgen, Montag, 05.10.2020, 19:09 (vor 1943 Tagen) @ helmut-12718 Views

Da gibts z.B. die Pauschalreisenden, da gibts aber auch die Individualisten. Also, in ein Reisebüro zu gehen, da irgendwohin eine Reise zu buchen, wo ich mich dann inmitten von vielen anderen Gleichgesinnten wiederfinde, - das wäre für mich das Letzte, einfach nur ein Horror.

Wenn ich irgendwohin fahre, und weiß, dass ich übernachten muss, dann kläre ich das vor Ort ab, oder vielleicht schon vorher, oft geht das ja bereits über Internet. Das aber ,was ich als Urlaub bezeichne, das ist mein Gespann. Ein alter LT 28 vornedran als Wohnmobil, und dahinter ein Doppelachser-WW-Anhänger, alles zusammen so mit ca. 18 m Länge. Mit sowas gehe ich nie auf einen Campingplatz, da wird schon das Einparken schwierig.

Ich gehöre zu den Leuten, die zur Erholung sowohl Freiraum als auch Ruhe brauchen. Da habe ich alles dabei, vom Stromgenerator bis zur Dusche, voll ausgebaute Küche, usw. Wildcampen ist halt eine Art der Lebenseinstellung. Der Hund ist meist auch mit, der liegt dann unterm Wohnwagen und meldet, wenn sich jemand bis auf 200 m dem Gespann nähert.

Nun, diese Form des Tourismus wird offensichtlich nun mehr in Anspruch genommen, - man hört ja auch in den Medien, dass die Kontrollen zunehmen. O.k., dann fährt man über die Bundesstraßen und das meistens nachts, - wenn da wieder die Paragraphenreiter die zul.Ges.Gewichte nachmessen wollen.

Warum spreche ich das an: Es geht natürlich in erster Linie um einen Wirtschaftszweig, aber es geht auch um das, was man persönlich unter Tourismus versteht. Und das unterscheidet sich bei mir gewaltig von dem, was sich da Otto Normalo denkt.

Ich erinnere mich noch gut, da gings um einen Flug nach Florida, meine erste (verstorbene) Frau wollte da unbedingt hin, mit Reisebüro usw. Ich war zum Glück im Betrieb angebunden, - ich hatte sowieso keinen Bock darauf. Was sie mir nach der Rückkehr da erzählt hat, - was sich während des Fluges abgespielt hat, - ich war froh, nicht dabei gewesen zu sein.

Da gabs eine Gruppe von Männern, lauter Wiener. "Nobelbezirke" wie Meidling, Simmering, Favoriten. Echte Wiener Hausmasta-Mentalität. Jeder Wiener weiß, was damit gemeint ist. Da hatten die wahrscheinlich einen Bausparvertrag zur Auszahlung bekommen, oder sonst was an Geld, und dann wurde die Sau rausgelassen. Was die im Flugzeug aufgeführt haben, es war ein Wunder, dass die Stewardess das mitgemacht hat. Meine Frau hat nicht zu erkennen gegeben, dass sie mit einem Wiener verheiratet ist und den Dialekt versteht, sie wusste nicht, ob sie sich über die Leute ärgern oder sich für sie schämen sollte. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob das dann noch Urlaub für mich wäre, wenn das schon so anfängt.

O.k., nun werden also die Flüge teurer. Sowieso bin ich kein Fan vom Fliegen, - die ganzen Sicherheitsvorschriften, wo man nicht einmal einen Rasierschaum im Handgepäck haben kann, gehen mir auf den Keks. Von Kreuzfahrten hält meine Frau nichts, - sie will auf kein Schiff. Lassen wir mal die Kreuzfahrten für die Urlauber auf der Seite, - stellt sich die Frage, was mit den Handelsschiffen und den Matrosen passiert. Dürfen die auch nicht mehr im Hafen an Land gehen?

Einen Flug hätte ich mir noch gewünscht, und dafür habe ich auch schon angefangen, Geld auf die Seite zu legen. Für meine Frau und meinen Jüngsten, und für mich natürlich, wären das letztes Jahr so ca. 12 T € gewesen, mit regulären Fluglinien. Unterkunft etc. so zwei Wochen, also 14 T € mit Taschengeld. Billigflüge mit 2 Stopps und 30 - 50 Std. Flugdauer sind natürlich wesentlich günstiger, sofern man was zum Festivaltermin bekommt. Die Rede ist von Valparaiso, und zwar zum Festival Vina del Mar in der zweiten Februarhälfte.

Wie das nun aussieht, aufgrund der Verteuerungen im Flugverkehr sowie der Einreisebeschränkungen, das steht auf einem anderen Blatt. Aber dazu kommt die gesellschaftliche Entwicklung, die mir noch zusätzlich einen Strich durch die Rechnung macht.

https://www.dw.com/de/demonstranten-attackieren-musikfestival-in-chile/a-52497050

Da will man mal in seinem Leben etwas Schönes erleben, und was ist? Flugverteuerung, Einreisebestimmungen, Demos, - es ist einfach zum Kotzen. Immer wieder werde ich mir dessen bewusst, dass ich meinem Schöpfer auf Knien danken muss, meine Jugendzeit in einer Phase erlebt zu haben, die einzigartig in der Zeitgeschichte der letzten 100 Jahre war, nämlich in den 70er Jahren. Wie schön war das, mit einem alten Ford-Taunus (die "Badewanne", - https://ibb.co/hWyzL2r) über Norwegen bis ans Nordkap zu fahren und über Finnland wieder zurück. Flüge konnten wir uns damals nicht leisten, aber mit dem Auto waren wir Jungs an vielen Stellen in Europa und haben auch viel gesehen.

Und heute? Nun ja, ich hab wenigstens meine Erinnerungen, aber meine Kinder und die Generation, die nachkommt, die tun mir irgendwie leid. Ich kann beim besten Willen nichts erkennen, woraus man schließen könnte, dass es irgendwann wieder besser wird.


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