Reisebericht China
"Am Flughafen Pudong in China sieht man langsam, wie auch hier der Verfall beginnt."
Meines Erachtens ist die staatlich gebaute Infrastruktur okay – Flughäfen, Bahnhöfe etc., alles in Ordnung. Auch die alten U-Bahn-Stationen in Peking, die nach Ostblock aussehen, sind vergleichbar mit den Berliner Stationen aus der DDR-Zeit: Old School, aber die Qualität stimmt.
Was zerbröselt, ist die private Infrastruktur. Die Häuser in Shanghai zum Beispiel: Die Metallzäune sind von so minderwertiger Qualität, dass sie zu Pulver zerfallen. Alle gefliesten Flächen platzen auf; manchmal gibt es eine Wellenbildung wie am Strand, als ob der ganze Scheiß unterspült wäre. Wasserspiele inmitten der Hochhäuser sind längst kaputt und abgeschaltet. Von der Innenausstattung will ich erst gar nicht reden – egal ob Lichtschalter, Steckdose oder Toilette, alles zerfällt.
Die zeitlich begrenzten Besitzansprüche auf Grund und Boden dürften derzeit wirklich das geringste Problem der Bewohner sein.
Und allem Hype zum Trotz: Es herrscht massive Jugendarbeitslosigkeit, das Nachtleben ist langweilig geworden und fast alle Westler sind weg. Denn das Stadtbild an Westlern wurde vor 2021 vor allem von Leuten geprägt, die dort einfach illegal mit einem Business- oder Touristenvisum gelebt haben. Die sind alle weg. Die Chinesen sind derzeit in erster Linie eines: unzufrieden.