Der nominale Nettoeffekt liegt eher bei ca 7-8%, real macht dies aber den Kuchen nicht grösser

Miesepeter, Montag, 07.11.2022, 11:42 (vor 1203 Tagen) @ DT5230 Views

Arbeitnehmer*innen und Vergütungen der Auszubildenden
werden um insgesamt 6,5 Prozent in zwei Stufen erhöht. Sie steigen um
3,25 Prozent zum 1. Januar 2023 und um 3,25 Prozent zum 1. Januar 2024.
2. In Betrieben mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten können die Erhöhungen
um bis zu drei Monate verschoben werden.

» Tarifliches Inflationsgeld
Arbeitnehmer*innen und Auszubildende erhalten zwei steuer- und
beitragsfreie Einmalzahlungen (tarifliches Inflationsgeld), die spätestens am
31. Januar der Jahre 2023 und 2024 auszuzahlen sind:

Bei Nettolöhnen von gemittelt 30-40.000 Euro kommt die zweimalige Einmalzahlung jeweils einer Erhöhung von 4-5% aus, macht also gesamt 7 - 8,35%.


Diese Einmalzahlungen sind vergiftete Köder, da sie zwar als "Tarifergebnis" dargestellt werden, aber in Zukunft nicht beim Sockelbetrag draufgerechnet sind.
Und die "6.5% in zwei Stufen" ist ebenso vergiftet, denn es sind in Wirklichkeit 3.25% p.a.

Viele Unternehmen belasten ihren Kunden derzeit ebenfalls ähnliche separat ermittelte Energiekostenausfschläge mit der Aussicht, diese im Falle einer (unwahrscheinlichen) zukünftigen Energiekostensenkung wieder auslaufen zu lassen.

Warum sollten die Arbeitnehmer das nicht auch so aktzeptieren. Es ist sachgerecht, eine Rücknahme wird vermutlich nicht erfolgen, und es ist viel leichter zu verhandeln als eine bedingungslose massive sofortige Erhöhung.

Der Trick ist, die Abschlüsse stets auf 2 Jahre zu machen, dann sieht eine Vereinbarung besser aus, zB "6.5% hurra", in wirklichkeit sinds aber nur 3.25%, aber die Inflation schlägt jährlich zu...

Tatsächlich sind es also im ersten Jahr 7-8,35%, im zweiten Jahr fällt die Rate etwas geringer aus.

Da die Teuerung durch Angebotsverknappung bedingt ist, ergibt sich ohnehin kein realer Kaufkrafteffekt aus der Lohnerhöhung, da bei gleichbleibendem Angebot und erhöhter Nachfrage zwangsläufig die Preise um die Steigerung der (monetär erwirkten) Nachfrage anziehen, bzw bei sinkendem Angebot entsprechend um diesen Faktor zusätzlich steigen. Bei einem Nullabschluss wäre die Preissteigerung entsprechend geringer ausgefallen.

Das Ganze ist also reine Zahlenschubserei für die Werktätigen, deren reale Kaufkraft nicht steigen kann, solange das Angebot nicht erhöht wird. Wenn der Kuchen kleiner wird, wird schlussendlich fast jeder weniger auf dem Teller haben - egal was auf dem Konto passiert.

Wo allerdings ein Anstieg des allgemeinen Preisniveaus im Übrigen die grösste Wirkung zeigt, ist in der relativen Entwertung von Altbeständen an Guthaben & Schulden, die beide durch um die Teuerung abgewertet werden. Die können nicht die Vertragskonditionen auf ein neues Zinsniveau von 7-8,35% p.a. umlegen.

Gruss,
mp


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