Russland ist doch aber sicher nicht ein passiver Spielball "westlicher" und evtl. chinesischer Schachzüge und Intrigen?

Miesepeter, Donnerstag, 04.08.2022, 20:09 (vor 12 Tagen) @ Weiner628 Views
bearbeitet von Miesepeter, Donnerstag, 04.08.2022, 20:18

Hi Weiner,

vielen Dank für Deine interessanten Überlegungen, wiewohl sie auch nur Spekulationen ohne Gewähr sein können. Wenn ich nun dieses Gedankengebilde näher betrachte, fallen mir einige wenige Aspekte auf, die ich so nicht nachvollziehen kann.


Ganz offensichtlich ist der "Ukrainekrieg" plus Sanktionen zu wenig, um Putins Russland zu erschöpfen und zu überdehnen (zu letzterer Strategie siehe etwa die Vorschläge der RAND-Corporation). Also muss man dafür Sorge tragen, dass Putin in den Glauben bzw. in die Einschätzung kommt, dass China hinter ihm stehen werde. Denn dann ist er eher bereit, weitere Risiken einzugehen - die ihn früher oder später in Schwierigkeiten bringen werden. Also machen die USA China ordentlich Stress und hoffen, dass diese den wahren Grund nicht erkennen - und die Allianz mit Russland im militärischen Bereich ausbauen (plus Lieferung von Rüstungsgütern etc. nach Moskau).

Wir dürften uns doch wohl einig sein, dass Putin als russischer Staatschef, ein mit allen Wassern gewaschener noch dazu, die historische Lage Deutschlands in Zeiten des 3.Reiches besser kennt als wir hier alle zusammen, und sich ebenso bewusst ist, in welcher Situation er sich heute befindet, und wie gross die Parallelen sind.


So wie ich die Chinesen kenne, werden sie aber das Spiel der Amerikaner durchschauen und nur so tun, als ob sie Russland unterstützten, während sie in der Hinterhand sich alle Optionen frei halten werden. Inklusive sehr diskrete Gespräche mit "Amerikanern", die eigentlich gar keine Amerikaner sind ...

Auch das wird den Russen mindestens bewusst, wenn nicht sogar bekannt sein.

Weil das Schattengeboxe von Pelosi schnell wieder verpuffen wird, werden die Strippenzieher die USA weiter in den Bürgerkrieg schlittern lassen - denn dann werden die Entscheidungsträger in Russland noch viel unvorsichtiger werden (normale Denke ist, dass ein Land mit innenpolitischen Schwierigkeiten außenpolitisch schwach bzw. manöverierunfähig ist - eine Denke, die heute nicht mehr gilt).

Warum also gehst Du davon aus, dass Putin oder seine Nachfolger - die aus dem gleichen Stall kommen werden, aus dem auch er gekommen ist - sich ebenso aufs Glatteis führen lassen, bis sie sich einer Übermacht an allen Fronten entgegen sehen?

Ist es nicht sogar so, dass dies die unwahrscheinlichste aller möglichen Konstellationen ist, da Russland alles unternehmen wird, um sich nicht genau dort wiederzufinden?


In der dritten Stufe dann werden sich "die USA" kurzfristig bis plötzlich aus Europa zurückziehen, das bis dahin ohnehin nur noch ein Haufen Chaos sein wird.

Russland hat sich bereits in den 90er Jahren aus Europa zurückgezogen. Warum sollten sie den Fehler machen, sich nun wieder in den Kontinent des Chaos hineinziehen zu lassen?

Und dann wird es in die heiße Phase gehen, inklusive atomar bestückter Mittelstreckenraketen und taktischer Atomwaffen. Es werden mühsame Jahre werden, bis es so weit ist.

Diese Möglichkeit, sogar Wahrscheinlichkeit sehe ich auch. Allerdings nicht aufgrund eventueller Unvorsicht und falschen Überlegenheitsfantasien auf russischer Seite.

Russland hat in Europa nichts zu gewinnen. Es braucht, ebenso wie China, nur zuwarten, denn es hält alle Trümpfe (Energie, Rohstoffe, Land, Temperatur). Es ist der Westen, der diese Dinge von Russland benötigt, aber er will sie nicht von den russischen Eliten erhandeln.

Wie aber soll ein von den USA verlassener Kontinent, der "nur noch ein Haufen Chaos sein wird" ein Russland, das aussen bleibt, in einen heissen Krieg verwickeln können? Selbst heute, wo die Fassade noch nicht ganz zusammengefallen ist, glaubt doch niemand, sicherlich auch in Russland nicht, dass Europa Russland in einem erneuten Angriff existentiell gefährden könnte, es sei denn in einem Harakiri-Manöver zum Zwecke der Reduktion der Weltbevölkerung?

Gruss,
mp


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