Klarstellungen

Weiner, Mittwoch, 30.03.2022, 09:32 (vor 1414 Tagen) @ Andudu1989 Views

Hallo Andudu, ich danke für Deine Antwort.

Ich mag schon das Wort "Staat" nicht, was und wer soll das sein?

Du hast das Wort "Staat" selbst gebraucht, sogar im BETREFF Deines Ausgangsbeitrages!!?? Diskutieren wir nun über das Phänomen des "Staates" - oder habe ich das Thema verfehlt?


Die Macht geht zuvorderst von den Netzwerken der Machtsäulen aus, die ich beschrieben habe. Sie lenken das, was du "Staat" nennst und nutzen das Volk für ihre Zwecke. Dass sie es dafür i.d.R. erhalten und sich kümmern müssen, ergibt sich automatisch

Die Frage erhebt sich, ob das, was Du hier beschreibst, überhaupt ein STAAT ist. Es könnte auch eine Sklavenplantage sein, dessen Land und Landarbeiter sich jemand mit Gewalt angeeignet hat.

Nach meiner Beurteilung setzt ein Staat neben den üblichen Merkmalen (Gebietskörperschaft etc.) immer einen inneren Diskurs voraus, der zwischen den Bürgern stattfindet. Der 'echte' Staat ist für mich eine Genossenschaft bzw. Gemeinschaft. Das bedeutet, dass ich diejenigen, die die Macht haben, herausfordern kann. Selbst der mächtigste Mann im Staat ist immer noch und nur ein Bürger, im umfassenden Sinne ein Mit-Mensch (mit eigener Würde, die von mir respektiert wird).

In Deiner Auffassung wird diese Grenze des Dialogs unter Gleichen überschritten. Bei Dir ist der Mensch nur noch ein Objekt, eine Sache - ein Gegenstand der konzentrierten Macht (deren Herrschaftsinstrumente Du aufzählen wolltest).

Selbstverständlich darfst Du die Sache so sehen. Ich selbst räume jedem das Recht ein, Löwe oder Hyäne oder Wolf zu sein und die Herde zu schlagen. Ich bin halt der Auffassung, dass derartige Räuber keine Chance haben, wenn die Herde sich organisiert. Der Grund für diese meine Haltung ist ein 'philosophischer': der Mensch ist bzw. wird für mich nur Mensch in einer Menschengemeinschaft.

Gefahr droht [für den Staat?] durch konkurrierende Netzwerke, die organisierte Kriminalität würde ich dazu zählen, wobei deren politische Interessen i.d.R. überschaubar sind und ihre Eliten ins bestehende System assimiliert werden können, wie es in vielen Dritt-Welt-Ländern geschieht. Der Übergang ist sowieso fließend und höchstens am Geschäftsbereich festzumachen...

Organisierte Kriminalität gibt es nur in/mit Staaten. Sie konkurriert nicht mit dem Staat, sondern sie setzt ihn voraus. "Kriminalität" außerhalb des Staates ist Piraterie.

Zu meinem Ursprungsbeitrag zurückkehrend erwähne ich auch das Böckenförde-Diktum, dass der Staat auf Voraussetzungen basiert, die er nicht selbst garantieren kann:

https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6ckenf%C3%B6rde-Diktum

Auch das Grundgesetz sieht das so, insofern es das Recht und die gute Sitte als Voraussetzung des Staates ansieht (Recht und Gesetz sind nicht identisch!). Oder es räumt dezidiert dem Menschen Grund-RECHTE und eine Würde ein, an denen der Staat sich eigentlich nicht vergreifen sollte. Auf der Sklavenplantage gibt es solche Grenzen nicht.

Ich darf zum Schluß noch bemerken, dass jeder Mensch auf dieser Erde gegenwärtig die Luft irgendeines Staates *) atmet - und er selbst dann politisch handelt, wenn er meint, das nicht zu tun oder nicht tun zu müssen.

Oder, wieder philosophisch gesehen: ein Nichthandeln gibt es nicht. Wenigtens nicht, solange man lebt. Vermutlich auch davor und danach nicht ...

Weiner

*) Rein theoretisch ist man in der Mitte des Ozeans oder etwa auch am Südpol staatsfrei. Jedoch gibt es diverse (völkerrechtliche) Konventionen auch über diese Gebiete oder etwa auch zum Luftraum und Weltraum.


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