verdonnert zum Wohlstand?

Talleyrand ⌂, Freitag, 06.03.2020, 15:06 (vor 2169 Tagen) @ trosinette1926 Views

Guten Tag,

ich habe nichts gegen sinnvolle staatliche Investitionstätigkeit. Hast Du etwas dagegen, und wenn ja, warum?

Ich habe den Verdacht, dass der Staat im Machtwettlauf der Staaten primär in seinen Machterhalt und seine Machterweiterung investiert. Dabei muss der Staat natürlich auch darauf achtgeben, dass ihm das Staatsvolk nicht davonläuft oder auf’s Dach steigt. Deshalb spielen Sozialabgaben auch eine erhebliche Rolle, vor allem, wenn die Ansprüche des Staatsvolkes steigen (Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Teilhabe usw. usf.).


Das spielt sicher eine Rolle. Deshalb sollte jede Gesellschaft auch den staatlichen Wasserkopf so klein wie möglich halten.

Von mir aus gibt es Staaten OHNE Marktwirtschaft, was aber nicht das Thema ist.

Du mogelst Dich dann aber um das Phänomen herum, daß die Diktaturen und sozialistische Staaten, die nicht kapitalistisch wirtschaften, katastrophale Ergebnisse erzielen. Beispiel Nord- und Südkorea, beide 1953 annähernd gleich gestartet. Heute ist Südkorea ökonomisch auf Augenhöhe mit USA, während Nordkorea den Status Quo von 1953 zu halten versucht. Das ist aber nur der ökonomische Teil. Nordkorea ist natürlich auch ein Sklavenhaltersystem, während man von den Südkoreanern vielleicht sagen kann, sie arbeiten wie Sklaven. Aber sie tun es freiwillig, und machen Urlaub wie Könige. Und jeder kann "aussteigen", so er nicht mehr mitmachen will.

Du willst ja Markt ohne Staat bzw. mit Minimalstaat. Und Marktwirtschaft ohne Staat ist nach meinem Wissen in der Geschichte noch nicht vorgekommen.

Ich weiß nicht, ob die Fernhandelsbeziehungen früherer Zeiten den Staat irgendwie als Geburtshelfer oder Ordnungshüter benötigt haben. Müßte man näher untersuchen. Die Regensburger Kaufleute, die im 11. Jahrhundert nach Kiew gezogen sind, haben jedenfalls nicht auf Befehl der Politik (weder der Stadt noch der Fürsten) gehandelt, sie haben auch nicht mit staatlichem Geld bezahlt, sondern mit Gold oder Wechseln (nachdem die Handelsbeziehungen etabliert waren.) Natürlich kamen sie aus einem Staatswesen mit Geldwirtschaft und trafen in einem anderen Staatswesen ein, um dort zu handeln. Das ist mir klar.

Für die Zukunft denke ich, daß es ganz sicher Oasen geben wird, wo sich Menschen ansiedeln, die einen Ordnungsdienst bezahlen und ihre Belange ansonsten untereinander und mit bezahlten Schiedsgerichten lösen. Gibt schon einige Beispiele dafür. Es wird dort kapitalistisch gewirtschaftet, aber mit konkurrierenden Währungen statt einer Zwangswährung.

Wohlstand

ausschließlich in kapitalistischen Staaten entstanden ist.


Weil uns die Geldwirtschaft dazu verdonnert.

Die Geldwirtschaft "verdonnert uns also" zum Wohlstand? Die meisten Menschen sind sicherlich froh darüber bzw. wären es in den Weltregionen ohne Wohlstand.

Umverteilung ist in der Geschichte der Menschheit vollkommen natürlich und hat immer ohne Kapitalismus und Produktivitätszuwachs funktioniert.

Du redest aber, wenn ich es recht verstehe, von der freiwilligen Umverteilung in Familie, Sippe, Clan. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich meinen Kindern eine gute Ausbildung finanziere, oder ob der Staat mir 50 % Steuern abknöpft, um damit Dinge zu tun, die meinen Interessen oft entgegengesetzt sind.

Sozialverträge sind nicht die primäre Motivation für Überschüsse und den Produktivitätszuwachs. Nach debitistischer Lesart funktioniert Geldwirtschaft und Kapitalismus ohne Überschüsse und Produktivitätszuwachs schlicht nicht. Vom Debitismus abgesehen konnte mir bisher noch niemand halbwegs erklären, wieso die kapitalistisch Welt kurz vor dem Abgrund steht, wenn bei Nullwachstum mal ein paar Jahre genau so viel produziert, wird, wie im Vorjahr. Das wird doch sicherlich nicht ausschließlich an den Sozialverträgen liegen.


Gehe ich völlig d'accord mit.

Ich glaube nur, dass die Zuspitzung, die wir erleben primär den debitistischen Notwendigkeiten geschuldet ist, die die Geldwirtschaft impliziert.

Hier ist der Dissens. Ich glaube, daß die "debitistischen Notwendigkeiten" für unseren Wohlstand gesorgt haben, sogar für die technischen Erfindungen bzw deren Einsatz und Weiterentwicklung.
Die Zuspitzung wäre rein debitistisch (noch) nicht vorhanden. Es gibt noch unberührte Felder, wo neue Berufe und Arbeitsplätze geschaffen werden würden, wenn nicht die erstickende Präsenz des Staates dieses verhindern würde.
Und es gibt Milliarden von Menschen, die auf Waschmaschinen und medizinische Versorgung warten.
Hans Rosling und der Zauber der Waschmaschine
https://www.youtube.com/watch?v=BZoKfap4g4w

Alles spitzt sich immer weiter zu, der Druck auf dem Kessel steigt, das Hamsterrad muss sich zunehmend schneller drehen, Wohlstandsprünge wollen in der fortgeschrittenen Wohlstandsgesellschaft nicht mehr gelingen, die Schere geht auseinander usw. usf.

Die Zuspitzung in Europa und USA führe ich auf Politikversagen zurück, angefangen mit der Einführung des Euro, den politisch erzwungenen Billigkrediten in USA für Hauskäufer (auch so eine quasi-sozialistische "Wohltat") bis hin zur gegenwärtigen Notenbankpolitik, die z.B. auch die Hauspreise und Mieten treibt, also in vielfacher Hinsicht die Reichen bevorzugt und die Armen benachteiligt (obwohl man es gutgemeint hat...)

In den Dörfern Perus, Indiens oder der Philippinen spitzt sich übrigens gar nichts zu.
Falls jemand die Zuspitzung und den Wohlstand nicht mehr sehen kann, besorge ich gerne Quartiere. Wie wärs mit einer 6-monatigen Kur unter dem Motto: Wegkommen vom kapitalistischen Wirtschaften, raus aus dem Hamsterrad, rein ins Reisfeld, hinter dem Pflug.

Die Geldwirtschaft lässt sich nach meinem Glauben nicht zum ewigen Gemeinwohl hin nachjustieren, in dem man an ein paar Schrauben wie Staatsquote, Marktwirtschaft, Rothschild oder scheixx Besatzer und EUdssr schraubt.

Die Geldwirtschaft sorgt für Ungleichheit, aber ein stetig steigendes Wohlstandsniveau ALLER. Wenn die Politik nicht dazwischenfunkt. Es gibt auch jetzt noch Beispiele dafür (China, Vietnam, Thailand, Korea, Chile, Kanada). Einfach zu behaupten, die Politik funkt immer dazwischen - Stichwort Staatsbastard, ist defätistisch.

Geldwirtschaft ist wider die Natur und das hat seinen Preis.

Wider die Natur sind dann auch Brillen, medizinische Geräte und selbst Faustkeile.

Natur ist das, was am Leben bleibt. (es in die nächste Generation schafft.) Nach dieser Definition ist Geldwirtschaft Natur, weil sie sehr erfolgreich ist.

Weil die Demokratie zu einer Politik der ständigen Wählerbestechung führt.


Als ich mich mit den Problemen der Demokratie halbwegs vertraut gemacht habe, wurde ich Monarchist. Bringt aber auch nichts.

"In den Monarchien gab es wenigstens noch Glücksfälle." (Ernst Jünger)
Hans-Hermann Hoppe würde übrigens auch eine liberale Monarchie bevorzugen, gegenüber dem jetzigen Staatsmodell.

Es würde mich aber wundern, wenn die zufällig ausgewählten Bürger zufälligerweise einhellig auf einen Nenner kommen, das für nötig halten, was Du auch für nötig hältst, mit ihrer plötzlichen Machtfülle nicht überfordert sind, ihnen die Machtfülle nicht zu Kopf steigt und sie die Machbarkeit und Seiteneffekte aller Maßnahmen auf dem Schirm haben.


anderer Vorschlag:
- (wie Krall fordert) sehr hohe "Diäten" (z.B. 1 Mio im Jahr) um auch die beruflich Erfolgreichen für Parlament und Regierung zu gewinnen
- Begrenzung auf einmalige Mitwirkung im Parlament (4 Jahre) und einmalige Möglichkeit des Ministeramtes (wieder 4 Jahre). Damit würde man bereits den Parteiensumpf austrocknen. Und auch die Möglichkeiten "befreundeter Staaten" minimieren, den politischen Nachwuchs in ihrem Sinn zu formen. Die Leute würden aus den Berufen für 4 jahre ins Parlament wechseln.
- keinerlei Pensionsansprüche
- (wie Krall fordert) Wahlrecht (aktiv und passiv) nur für Bürger, die keine Subventionen und staatliche Alimentierung erhalten. Natürlich auch kein Wahlrecht für Beamte.

Der Schweizer Liberale Nef schlägt vor, daß wie in der Schweiz die Regionen in einen Wettbewerb der Besteuerung treten. Nicht nur bei Gewerbesteuer, bei Einkommenssteuer u.a. genauso. Und die Bürger entscheiden per direkter Demokratie über die Steuerhöhe in ihrer Region. Wem die Mehrheitsentscheidung nicht paßt, der kann in die Nachbarregion wechseln. Nach einiger Zeit wird man sehen, welche Region es besser macht als die andere.

Die Gefahren der direkten Demokratie. Robert Nef im KRAZ-Gespräch.
https://www.youtube.com/watch?v=81TYUjXsnLI

Gruß
Talleyrand

--
https://talleyrandssudelbuch.art.blog


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