Reißerischer Titel. Ähnliches schon heute legal ohne Genehmigung möglich

Echo, Freitag, 30.06.2023, 08:46 (vor 977 Tagen) @ Olivia3387 Views
bearbeitet von Echo, Freitag, 30.06.2023, 09:23

Erst einmal: Es gibt nirgends eine belegbare Quelle für diese Nachricht. Deine Quelle zitiert Giga, Giga zitiert Golem. Golem erwähnt die 2000W mit keinem Wort.

Wozu auch, du darfst schon heute legal 3000+Wp Solarplatten aufs Dach schrauben und einen 600W Wechselrichter anklemmen, brauchst trotzdem keine Genehmigung . Die Krux: Nur wenige Geräte sind technisch darauf ausgelegt. Limitierende Faktoren für die Realisierbarkeit sind Spannungsbereiche und maximal erlaubte Kurzschlussströme. Beispiel für ein Gerät, welches das ab Werk kann ist der Stringwechselrichter Growatt MIC 600 TL X. Mit etwas basteln kann man auch sämtliche Hoymiles Mikrowechselrichter dazu bringen, maximal 600W durchzulassen, sie vertragen aber typischerweise maximal eine Solarplatte pro Eingang und sind anteilig je Eingang abgeregelt, nicht global, das schränkt bei der Leistungsfähigkeit etwas ein.

Die Anhebung von 600W auf 800W Wechselrichterleistung ist begrüßenswert, macht aber keinen großen Unterschied, denn bei schlechtem Wetter erreichst du die derzeit erlaubten 600W auch mit 3000Wp an Solarpaneelen nicht. Immerhin liefern sie genug Strom, dass auch um Mitternacht bei Lichtverschmutzung noch wenige Watt rauskommen.

Eine Drosselung des Wechselrichters war meiner Rechtsauffassung nach auch bisher schon immer erlaubt, wurde aber nicht von allen Netzbetreibern anerkannt. Das ist allerdings irrelevant, denn man braucht keine Genehmigung zum Betrieb, man muss ihn nur anzeigen. Manche Förderbedingungen untersagten ebenfalls die Drosselung größerer Wechselrichter, das ist aber ein privatrechtliches Problem, kein gesetzgeberisches.

Dass sich die Netzbetreiber illegal verhalten ist nichts neues. Es hat auch erst eine offizielle Rüge gebraucht, bis die nötigen Zähleranpassungen kostenlos geworden sind. Zu viel bezahltes Geld kann jetzt ganz einfach zurück gefordert werden, weil alles offiziell bestätigt ist.

Eine weitere Neuigkeit ist das vereinfachte Verfahren. Eine Anmeldung ist weiterhin nötig, nur nicht mehr beim Netzbetreiber. Das Marktstammdatenregister soll außerdem vereinfacht werden, dort haben viele Bürger Müll eingetragen weil sie die Eingabemasken schlicht nicht kapiert haben.

Soweit ich das verstanden habe treten die Regelungen aber (teilweise?) erst zum Neujahr in Kraft. Die Gesetzgebung geht in die richtige Richtung, hinkt aber auch weiterhin schwer hinterher und übersieht auch weiterhin jede Menge Chancen. Meiner persönlichen Meinung nach sind die Kleinkraftwerke ohnehin Bullshit, denn ein einziges leerstehendes 800m² Grundstück auf der grünen Wiese brächte die Kraft von 200 Haushalten mit je 800W, wäre aber viel effizienter zu errichten und zu betreiben und regeln und wäre auch mit dem Denkmalschutz vereinbar. Der einzige Grund, warum es so nicht gemacht wird sind die hohen Gebühren auf eingekauften Strom (ca die Hälfte der berechneten Kosten?), da macht man es sich lieber selbst.

Dubios: Ein Zählerwechsel muss drei Monate vorher angekündigt werden (wird allerdings oft missachtet). Bislang darf man die Kleinstkraftwerke aber nur betreiben wenn der Zähler bereits eine Rücklaufsperre eingebaut hat, soll durch die neue Regelung dann aber vorübergehend geduldet werden. Das führte bislang einfach dazu dass geschätzt zwei Drittel der Anlagen gar nicht angemeldet wurden.

Disclaimer: Aus Gründen der Verständlichkeit wurde von Watt ("W") geredet, technisch handelt es sich bei der Wechselrichterleistung aber um VA.

PV-Anlagen sind eine komplexe Angelegenheit. Aber das sollte einen nicht abschrecken. Eine kleine 800Wp Anlage auf unverschattetem Süden oder Westen reicht für die meisten Haushalte um einfach mal loslegen zu können, nach wenigen Jahren hat sich die Sache bezahlt gemacht. Dank Förderregelungen einiger Kommunen und Länder sogar noch viel schneller.


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