Du ziehst die 1970er Jahre im Westen Deutschlands als Vergleich heran. (mT)

DT, Montag, 11.07.2022, 08:27 (vor 1448 Tagen) @ solstitium2120 Views
bearbeitet von DT, Montag, 11.07.2022, 08:40

Sprichst auf der einen Seite von "dem Haus", einem Alleinverdiener, Urlaube, Kur etc.

Auf der anderen Seite prangerst Du die Verschuldung an.

Genau das, was Du so lobst, hat zur großen Verschuldung geführt.

Diejenigen, die vorher noch keines hatten, mußten sich verschulden, um in den 70ern ein Haus zu bekommen. Und zwar zu Zinsen von zT über 6%. Natürlich ist die Anfangssumme auch durch die Inflation weniger geworden, aber wenn die meisten behaupten "oh, wir haben das Haus gekauft und das hat grade mal 120 000 DM gekostet", dann vergessen sie, daß ein Kredit über 30 Jahre Laufzeit mit 6% Zinsen eben keine 120 000 DM gekostet hat, sondern eher das doppelte oder sogar dreifache!

Und Du vergißt die Tatsache, daß in den von Dir gelobten 70ern viele Bürger noch in wirklich prekären Situatationen gelebt haben, wie man sie heute tatsächlich nur noch selten vorfindet, zB ein Klo im Treppenhaus oder eben keine Dusche mit Zentralheizung in der Wohnung, sondern nur ein Waschbecken und vielleicht eine Badewanne für 1x samstags.

Und beim Hausbau vergißt Du, daß diejenigen, die sich das nicht leisten konnten, daß die mit Freunden und Kollegen samstags jahrelang in Eigenarbeit gebaut haben. So wie ich das heute noch hier bei den Rußlanddeutschen sehe, die selber die Maschinen haben und wo viele fleißige Hände sich gegenseitig beim Hausbau helfen, und die Häuser sind relativ bescheiden.

Viele dieser Häuser waren jahrelang nicht verputzt, weil das Geld nicht mehr gereicht hat, bei vielen wurde erstmal kein Vorgarten angelegt, weil nicht genug Geld dafür da war. Da sah man noch jahrelang die Hohlblocksteine, da lag noch jahrelang das Brett am Eingang und die beiden Drähte für die Außenbeleuchtung haben rausgeguckt, ohne daß eine Lampe installiert war. Und daneben lag der Haufen mit Sand. Und innen waren manche Zimmer noch im Rohbau und das Haus war jahrelang eine Baustelle und die Kabel haben rausgeschaut.

Auch besser gestellte wie zB Lehrer haben ihre Häuser aus den 70ern nur bezahlen können (wenn die Frau nicht gearbeitet hat), wenn sie einen Nebenjob gemacht haben wie zB Volkshochschule oder andere Kurse abends.

Und für alle hat dieser Wohlstand zu massiver Aufschuldung geführt und somit genau zu dem Problem, das Du anprangerst.

Du hingegen stellst das so dar, als hätte man in den 70ern als einfacher Arbeiter ein Haus haben können, ohne daß die Frau gearbeitet hat und man sei schuldenfrei (!) gewesen. Das Gegenteil war der Fall.

In den 2000er Jahren hingegen war es möglich, aufgrund recht ordentlicher Löhne im IG Metallbereich und aufgrund kluger Investments an den Börsen durchaus 50% und mehr Anzahlung für ein Haus oder eine Wohnung anzusparen und dann mit relativ moderaten Zinsen zu finanzieren.

Das güldene Zeitfenster war zwischen 2010 und 2015, als zum einen aufgrund der Lehmannkrise die Hauspreise wirklich niedrig waren und zum anderen auch die Zinsen tief. Momentan befinden wir uns im Gegenteil davon, überteuerte Preise, keine Wachstumsaussicht und hochgehende Zinsen. Aber diese Krise und dieses Heulen und Zähneklappern ist erst, was zu wieder günstigen Immopreisen führt, für diejenigen, die klug vorgebaut haben was ihre Investments angeht.

Ich bin mir sicher, daß unsere Kinder zB in 10-20 Jahren sehr günstige Preise für hochwertige Immos vorfinden werden, denn die Speckgürtel werden mit 1.5 Mio Toten pro Jahr (Ableben der Boomer) entvölkert werden so ab 2025 bis 2050 und dank der Drecksgrünen wird Immobilienbesitz hoch besteuert werden und unattraktiv gemacht werden. Das sind genau die Ingredienzen für günstige Immos. Wenn man dann ein Auge für value hat und zuschlägt, kann man das ein oder andere Schnäppchen machen in Top Lage Lage Lage.

Momentan ist solch eine Lockup Situation eingetreten, daß praktisch keiner eine Immo verkauft und so gut wie nichts auf den Markt kommt. In anderen Zeiten ändert sich das auch wieder. Und dann gilt's. Das muß man als langfristiges Szenario über viele Generationen sehen und planen.

DT

PS: Die Jahre nach 2008 bis 2010/11 waren solche Jahre in den USA, wo man schon für 300 000 USD und ein wenig mehr eine nagelneue Luxuswohnung in San Diego am Hafen bekam, die heute nicht unter 1.5 Mio EUR weggeht. Wenn man das ganze in Gold umrechnet, haben wenige kg Gold damals diese Wohnung gekauft. So wie es immer behauptet wird wie es 1923 in Berlin gewesen sei (das mit der Unze und Wohnung und "ganze Straßenzüge" ist eine unbelegte Behauptung). Aber 2011 hatten wir schon einen Goldpreis von über 40000 EUR pro kg, und 2011 stand der Dollar bei 1.43 USD für 1 EUR, da gab es also für 1 kg Gold 56000 USD, und 6 kg Gold haben das Apartment locker gekauft. Interessanterweise steht das Gold immer noch bei 56000 USD das Kilo.


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