Nigel Farage ist ein Dekonstruktivist, kein Konstruktivist

Miesepeter, Sonntag, 14.03.2021, 13:24 (vor 1754 Tagen) @ Olivia2825 Views
bearbeitet von Miesepeter, Sonntag, 14.03.2021, 14:01

Nigel Farage hat sich aus der Politik zurückgezogen. Der Brexit ist vollbracht. Der Rest ist Tagesroutine. Farage widmet sich jetzt dem "Sprech- uind Denkverbot" der Gegenwart, das es den Kindern und Jugendlichen nicht mehr "erlaubt", logisch und analytisch zu denken, These und Gegenthese abzuwägen und dann eine Entscheidung zu treffen.

Bezugnehmend auf Dein Motto "Das Destruktive meiden - Das Konstruktive suchen!" will ich also hier eine Gegenthese anbieten.

Alexander Dugin - der russische Klaus Schwab der Antiglobalisation - schreibt folgendes in seinem sehr lesenswerten, wenn auch wie bei Schwabs Konsorten auch völlig überdrehten Texts:

https://katehon.com/en/article/manifesto-great-awakening-against-great-reset

However, the most fatal thing about European populism is not so much its de-ideologization as the persistence of the deep, mutual rejection between left and right that has persisted since previous historical eras.

The emergence of a European pole of the Great Awakening must involve the resolution of these two ideological tasks: the final overcoming of the boundary between the left and the right (that is, the obligatory rejection of contrived "anti-fascism" by some and of contrived “anti-communism" by others) and the elevation of populism as such - integral populism - into an independent ideological model. Its meaning and its message should be a radical critique of liberalism and its highest stage, globalism, at the same time combining the demand for social justice and the preservation of traditional cultural identity.

In this case, European populism will, first and foremost, acquire a critical mass that is fatally lacking as right-wing and left-wing populists waste time and effort on settling scores with each other, and, secondly, it will become a most important pole of the Great Awakening.

Er beobachtet richtigerweise, dass in den europäischen Bevölkerungen Trennlinien existieren, die verhindern, dass sich genügend Masse bilden kann, um sich dem Treiben der globalistischen Eliten entgegenzustemmen. Was er nicht erwähnt, ist, dass es exakt die Aufgabe der Populisten ist, diese Trennlinien zu schärfen und aufrechtzuerhalten, denn solange die Bevölkerung in aufgepeitschte, unversöhnliche Lager gespalten ist, solange kann das Establishment schalten und walten, wie es ihm beliebt. Der älteste Trick.

Was hat das mit Nigel Farage zu tun?

Nigel Farage ist m.E. eben einer dieser Rattenfänger, welcher das Protestpotential auf der rechten Seite einsammelt, um es dann dem elitären Tory-Flügel zu Füßen zu legen. Bisher hat er noch jedes Mal, wenn er auf einer Welle des Erfolgs ritt und eine fighting chance hatte, um das Establishment aus den Sitzen zu jagen, stattdessen seinen Angriff abgebrochen, seine Unterstützung den Tories übergegeben und sich daraufhin "zurückgezogen".

Das unabhängige UK betreibt einen Coronatotalitarismus, der den der EU noch einmal in den Schatten stellt, eine antirussische Hetze, die ihresgleichen sucht, das Land ist von der Bevölkerungsstruktur längst durchglobalisiert. Was aber übernimmt Nigel Farage als nächstes Projekt? Nimmt er sich eines dieser kontroversen Themen an? Nein, er springt auf einen Anti-Victimhood-Zug, wo er weiss, dass 2/3 der Bevölkerung bereits stark ablehnend positioniert sind und schwingt sich zu deren Sprachrohr auf. He preaches to the choir. Er versucht, das Protestpotential, das dort brodelt, zu kanalisieren und wird es, wenn es ihm gelingen sollte, ganz zweifelsohne wieder dort abgeben, wo es bisher immer gelandet ist: bei den Establishment-Tories.

Nigel Farage ist ein begnadeter Prediger, und als solcher tritt er an, um die Spaltlinien in der Bevölkerung zu vertiefen, damit seine Buddies in aller Ruhe ihr Spiel weiterspielen können.

Gruss,
mp


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung