Ad Schopi

Oblomow, Leipzig, Sonntag, 02.08.2020, 22:06 (vor 10 Tagen) @ Diogenes Lampe309 Views
bearbeitet von Oblomow, Sonntag, 02.08.2020, 22:20

Schopenhauer war in Sachen Geld überaus clever und rettete sein Erbe, das er von seinem Vater, der den Freitod gewählt hatte, erhalten hatte, über Crashs hinweg. Er stritt sich darüber mit seiner Mutter und handelte klug für seine Schwester. Ich finde das gut, genügend clever zu sein, aber Geld nicht zu wichtig zu nehmen. Das sagt auch Gracian, dass man sich einen kaufmännischen Anstrich geben solle, aber nicht mehr und auch Aristoteles mit seiner Mesoteslehre hat eine realistische Vorstellung. Und Schopi sehnte sich nach Anerkennung in Berlin und auch für sein Hauptwerk. Eitel ist jeder, der veröffentlicht. Als er nach Italien fuhr und dachte, er wird der neue philosophische Held, passierte nur nichts. Insofern ist seine theoretische Erörterung in den Aphorismen zur Lebensweisheit eben doppelbödig, wenn er meint, es gelte nur, was einer sei. Ich habe nicht moralisch, sondern logisch geurteilt und da hat sich nichts eingeschlichen. Man muss sich zu allen drei Lebensformen verhalten und sie in einer Art coincidentia oppositorum zusammenbringen, was das Schwerste ist. Ich habe das Werk von Schopenhauer, dass Sie empfehlen, vor 30 Jahren gelesen, aber wohl alles vergessen, nur die Sache mit dem Mitleid ist mir geblieben. Meine Beschäftigung mit F.N. hatte vor allem damit zu tun, mir klar zu werden, ob Mitleid wirklich trägt. Bin mir noch nicht im Klaren. Der Kutschergaul in Turin spricht dafür. Darauf rekurrieren sie ja auch. Mir scheint eher, bei Ihnen hat sich sowohl eine Teleologie als auch eine Moral eingeschlichen, insofern sogar klitzekleiner Hegelianismus. Mir war nicht bekannt, dass Jaspers katholisch war.

Herzlich
Oblomow

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"Der Geist wird erst frei, wenn er aufhört, Halt zu sein."


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