Eckhard Jesse, Symptom des deutschen Wirklichkeitsverlusts

Tempranillo, Samstag, 15.02.2020, 11:32 (vor 226 Tagen) @ Griba1466 Views
bearbeitet von Tempranillo, Samstag, 15.02.2020, 11:36

Hallo Griba,

wegen der hohen Repräsentanz möchte ich Eckhard Jesses Text, in dem ich meine früheren Ansichten wiederfinde, ein wenig kommentieren. Er scheint mir eine ausgezeichnete Darstellung des gehirngewaschenen Deutschen Irrsinns zu sein.

Der drohende Verlust des antitotalitären Konsenses in Deutschland

Schon die Überschrift ist falsch. Es gibt nichts totalitäreres als die westliche Demokratie.

Das „Prinzip der Äquidistanz“ gegenüber Rechts- und Linksextremismus gehe auf das „Konzept der streitbaren Demokratie zurück“. Der freiheitlich-demokratische Verfassungsstaat lehne „extremistische Strömungen von rechts und links außen ab“:

Die Vorzüge der streitbaren Demokratie konnte man seit den Genozidmassakern der Vendée auch in Hamburg und Dresden sowie Hiroshima und Nagasaki erleben.

Der „Kampf gegen rechts“ finde jedoch „keinen Widerpart im ‚Kampf gegen links‘“, während „Rechts“ immer häufiger mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt werde. Die Sozialdemokratie habe sich bereits vor längerer Zeit vom antitotalitären Konsens abgewandt und diesen durch die Forderung nach einem „antirechtsextremistischen“ Konsens ersetzt.

Sehr zutreffende Beschreibung, nur ist das Zwei-Maße-zwei-Gewichte für die Demokratie leider konstitutiv.

In einer offenen Gesellschaft schießt man nicht mit Kanonen auf Spatzen. Diese Form der Äquidistanz kann angewendet werden auf gewalttätige Extremisten, auf nichtgewalttätige Extremisten, auf Parteien, auf Intellektuelle. Zweierlei Maß verbietet sich.“

Die Vorzüge der offenen Gesellschaft werden uns durch Merkels Grenzöffnung besonders eindrucksvoll vor Augen geführt.

Wenn nun auch die Christdemokraten diesen Weg gingen und ihre Distanz gegenüber einer Partei aufgäben, die in Teilen einen „Systemwechsel“ anstrebe, in der DDR keinen „Unrechtsstaat“ erkennen wolle und „eng mit der Antifa kooperiert“, dann wäre dies tatsächlich der „Dammbruch“ für die freiheitliche Gesellschaft, von dem derzeit in anderem Kontext gesprochen würde.

Krimineller als GB, USA und BRD ist die DDR auch nicht gewesen. Wenn Jesse die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet, muß er das auf alle Staaten des Westens übertragen und möglicherweise auch einen im Nahen Ostens, der vom deutschen Steuerzahler subventioniert wird, ohne daß man ihn jemals um seine Meinung gefragt hätte.

Er schreibt von einer freiheitlichen Gesellschaft. Freiheitlich für wen? Versuchen wir, diese Frage ohne Scheuklappen und Wahrnehmungstabus zu beantworten, kommen wir zum Schluß, daß die BRD nur für folgende Gesellschaftssegmente freiheitlich ist: Auserwählte, Milliardäre, Millionäre, Funktionsdemokraten, Ausländer, Migranten sowie sexuell Deviante. Für Deutsche hat die BRD mehr Ähnlichkeit mit einem Konzentrationslager Hitlers als einem Staat, der ihre Freiheitsrechte garantiert. Folgen wir den Schilderungen Shimon Laks', war in Auschwitz die Lagerjustiz korrekter als die der OMF-BRD.

Der Schutz der freiheitlichen politischen Ordnung erfordere jedoch die Zurückweisung aller extremistischen Ideologien. Wer eine extremistische Ideologie mit Hilfe einer anderen bekämpfen wolle, „treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus“.

Es gibt nichts Extremistischeres als den globalistischen Demokratismus.

Der antitotalitäre Konsens, auf dem die Nachkriegsordnung Westeuropas beruht, geht wesentlich auf Impulse der christlichen Soziallehre zurück. Diese stellt den utopischen Ideologien der Moderne, welche die Grundlage für Totalitarismus und Extremismus bilden, einen auf dem Gedanken der Menschenwürde sowie auf Realismus und historischem Erfahrungswissen beruhenden Entwurf entgegen.

Menschenwürde für wen? Die Antwort fänden wir in gewissen religiösen Schriften und der UN-Menschenrechtserklärung von 1948.

Der antitotalitäre Konsens, auf dem die Nachkriegsordnung Westeuropas beruht, geht wesentlich auf Impulse der christlichen Soziallehre zurück. Diese stellt den utopischen Ideologien der Moderne, welche die Grundlage für Totalitarismus und Extremismus bilden, einen auf dem Gedanken der Menschenwürde sowie auf Realismus und historischem Erfahrungswissen beruhenden Entwurf entgegen.

An Realismus und historischen Kenntnissen fehlt es in der OMF-BRD am meisten. Jesse ist leider keine Ausnahme.

Erzbischof Georg Gänswein hatte in diesem Zusammenhang betont, dass es christliche Konservative wie Konrad Adenauer (1876-1967) waren, die Deutschland nach dem durch die totalitäre Ideologie des Nationalsozialismus herbeigeführten Zivilisationsbruch und angesichts der damals noch präsenten Bedrohung durch den Kommunismus „wieder ganz neu im freiheitlichen Wertesystem“ des Abendlandes verankerten.

Christlich-konservativ ist ein anderes Wort für Verräter und Kollaborateur. Warum fokussiert sich Jesse auf den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus und verliert kein Wort über die bei weitem schlimmeren des Demokratismus mit seinen deutlich über 100 Überfällen auf friedliche Länder, der Alleinschuld an beiden Weltkriegen und etwa 600 Millionen ausgerotteten Menschen? Bei Thorsten Schulte könnte sich Jesse sachkundig machen.

Die Gesellschaften des Westens seien zunehmend von der „unheimlichen, geisterhaften Atmosphäre eines Irrenhauses“ geprägt. Auf die Ansprache der wachsenden Herausforderungen würden ihre Eliten mit Ritualen moralischer Entrüstung reagieren. Je größer die Diskrepanz zwischen den Versprechen der herrschenden progressiven Ideologien und der Wirklichkeit werde, desto stärker würden sich diese Ideologien radikalisieren und gegen jene richten, deren Widerspruch als Ursache des Ausbleibens der versprochenen utopischen Zustände dargestellt werde. Die „Endform der progressiven Zivilisation“ werde ein neuer Totalitarismus sein.

Dieses Zitat Eric Voegelins ist ausgezeichnet!

Jérômeproudhon, in Berlin geborener und dort lange Zeit lebender Sohn einer Berlinerin, kommentierte gestern Bernard Lugans hochanständigen Artikel über Paul von Lettow-Vorbeck und den deutschen Kolonialismus:

*Depuis Deutsches Kaiserreich ,c est un peuple obéissant, tres cultivés, mais des chiens. Ma mère est berlinoise, mais je suis un putain de gaulois.*

*Seit dem Deutschen Kaiserreich ist das ein gehorsames Volk, sehr gebildet, aber Hunde. Meine Mutter ist Berlinerin, aber ich bin ein verdammter Gallier.*

Hündischer als jetzt sind sie Deutschen nie gewesen. Inzwischen kuschen sie nicht mehr nur vor Knüppel, Gewehr, Pickelhaube und Uniform, mittlerweile sind sie so weit, sich vor jedem Unterrock in den Staub zu werfen.

Tempranillo

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*Die Demokratie bildet die spanische Wand, hinter der sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen eine etwaige Empörung des Volkes*, (Francis Delaisi).


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