mittelfristige Perspektive

Ötzi, Montag, 09.01.2023, 15:04 (vor 23 Tagen) @ Revoluzzer4619 Views
bearbeitet von Ötzi, Montag, 09.01.2023, 15:07

da Deutschland noch im Jahr 2020 55% des verbrauchten Gases aus Russland importierte, machten viele (auch ich) zu Beginn des Ukraine-Krieges den Denkfehler, Deutschland müsse dann ebenso viel Gas einsparen, andernfalls komme es zur großen Versorgungskrise.

Es gibt aber Gaspipelines zwischen fast allen Nachbarländern in Europa. Durch den teilweise zusammnhängenden Markt sind die Gaspreise überall in Europa gestiegen, und unsere Nachbarländer haben das fehlende Gas der Nordstream-Pipeline alle für uns "mitgespart". Wenn die Holländer und Norweger weniger verbrauchen, weil bei denen auch die Preise steigen, können sie mehr nach Deutschland exportieren. Und wenn die Franzosen und Schweizer mehr billigen Käse mit kurzer Lagerdauer produzieren und weniger hochwertigen Käse mit langer Lagerdauer, dann brauchen sie weniger Gas aus Deutschland importieren usw. usf.

Nebenbei: Unser Metzger hier im Ort "spart" seit Jahresanfang auch heftig Gas durch Ladenschließung. Das Jahr 2022 brachte ihm gestiegene Stromkosten (€700 monatlich) und sinkende Umsätze.

Das Russlandembargo ist aber mittelfristig weniger bedeutsam für den Gasverbrauch als die Energiewende. Die abzuschaltenden Atom- und Kohlekraftwerke müssen alle durch Gasverbrennung ersetzt werden, immer wenn kein Wind weht. Dazu kommt noch der steigende Stromverbrauch durch die Elektroautos und Wärmepumpen.

Für die Leute, die an den Futtertrögen sitzen, ist das aber alles überhaupt kein Problem. Denn da der Gasverbrauch zur Stromproduktion nur allmählich steigen wird, kommt es zu keiner Versorgungskrise, sondern es wird nur immer teurer. Und das Geld ist ja da. Und dass die Industrie abwandert, ist auch kein Problem, weil die Futtertröge trotzdem noch über längere Zeit einigermaßen gut gefüllt bleiben werden.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung