Absurde Irlmaierzuschreibung einer mutmaßlichen Fälschung

Taurec ⌂, München, Dienstag, 18.05.2021, 20:44 (vor 371 Tagen) @ Mephistopheles1873 Views
bearbeitet von Taurec, Dienstag, 18.05.2021, 20:53

Hallo!

Immer wieder interessant, wie das Internet trotz hervorragender Recherchemöglichkeiten völlig verunglückte Aussagen fabriziert.
Durch wieviele von digitaler Demenz geschlagene, halbanalphabetäre Köpfe (die nie je ein Prophezeiungsbuch gesehen haben) muß diese Aussage denn gegangen sein, bis der Ersteller dieses Bildes meinte, der von ihm durch Hörensagen irgendwo aufgeschnappte Satz stamme von Irlmaier?

Der eigentliche Ursprung, die einzige Prophezeiung, in der das Wort "Lumperei" überhaupt vorkommt, sind die Feldpostbriefe:
"Der Krieg dauert nicht ganz drei Jahre und endet schlecht für diesen Mann und seinen Anhang. Das Volk steht auf mit den Soldaten. Denn es kommt die ganze Lumperei auf und es geht wild zu in den Städten. Er sagte, man soll unter dieser Zeit kein Amt oder dergleichen annehmen, alles kommt an den Galgen oder wird unter der Haustür aufgehängt, wenn nicht an Fensterblöcke hingenagelt; denn die Wut unter den Leuten sei entsetzlich, denn da kommen Sachen auf, unmenschlich."

Irlmaier sagte dazu überhaupt nichts, geschweige denn, daß er dazu (wie zu vielem anderen) etwas sah. Dabei sind auf meiner Internetseite doch nahezu alle bekannten Irlmaieraussagen zusammengestellt, so daß ein Gegenprüfen leicht möglich gewesen wäre.

Zu den Feldpostbriefen und der oben zitierten Aussage: Eine jüngst gebildete Hypothese läßt die Feldpostbriefe als eine nicht auf den ersten Blick erkennbare Fälschung erscheinen, die während des Zweiten Weltkrieges in zwei Etappen getätigt wurde. Der erste Feldpostbrief wäre dabei der ältere und im Jahre 1941 entstanden. Aus Sicht der Lage von 1941 ist der weitere Verlauf fiktiv fortgesponnen und endet ebenfalls mit der Niederlage Deutschlands, allerdings durch einen prognostizierten Volks- und Soldatenaufstand, der im dritten Kriegsjahre (1939 → 1940 → 1941) stattfinden und zur Abschaffung des Naziregimes führen sollte, dessen Angehörige sämtlich an Fensterblöcke genagelt werden sollten.
Als dies nicht so eintraf, wäre 1946 nach Kriegsende der zweite Feldpostbrief nachgeschoben worden und hätte das Szenario des ersten Briefes auf den historisch neuesten Stand gebracht.
Siehe hierzu diesen Beitrag (oder zum besseren Verständnis den ganzen zugehörigen Faden).

Das obige, irrig Irlmaier zugeschriebene Feldpostbriefzitat über die Lumperei und den Volksaufstand würde demnach eine nicht eingetroffene Zukunftserwartung des Jahres 1941 reflektieren und wäre für uns heute völlig wertlos.

Gruß
Taurec

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„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


Weltenwende


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